Sein Namenstag wird am letzten Tag des Jahres gefeiert

von Redaktion

Der heilige Silvester war Papst im vierten Jahrhundert – Im Raum Wasserburg gibt es Figuren in Kirchen in Zell und Reith

Wasserburg – Seinen Namen kennt und nennt jeder, wenn er zum Jahreswechsel „Silvester“ feiert; wer sich jedoch hinter diesem Namen verbirgt, ist kaum jemandem bekannt. Noch seltener sind Darstellungen dieses Papstes aus dem vierten Jahrhundert in unserer Region.

Sein Pontifikat beginnt 314 – ein Jahr, nachdem unter Kaiser Konstantin die freie Religionsausübung gestattet worden war – und endet 335 mit seinem Tod am 31. Dezember. Dieser Tag wird spätestens seit dem 17. Jahrhundert als letzter Tag des Jahres gefeiert.

Zum Leben und Wirken dieses Papstes, der als erster den Namen Silvester führte, gibt es kaum belastbare Fakten, dafür umso mehr Legenden. Er soll die Christenverfolgungen vor seiner Amtszeit standhaft überstanden, Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt, bekehrt und geheilt haben. Ausschlaggebend für sein Attribut sei ein durch die Kaiserinmutter Helena angeregtes Streitgespräch mit jüdischen Rabbinern gewesen, wobei einer der Schriftgelehrten durch Aussprechen des Gottesnamens einen wilden Stier getötet habe. Daraufhin habe Silvester ihn aufgefordert, den Stier durch Wiederholung der Bibelstelle zum Leben zu erwecken, was diesem nicht gelang, wohl aber Silvester, der sagte: „Dein Gott kann zwar töten, meiner aber lebendig machen!“ Durch dieses Wunder kam Silvester zum Attribut eines Stieres. Daneben ranken sich viele weitere Legenden um diesen Papst, der zunächst in einer von ihm erbauten Kirche über den Priscilla-Katakomben in Rom bestattet, später aber in die Kirche San Silvestro in Capite überführt wurde, wo an seinem Gedenktag eine eindrucksvolle Lichterprozession durch die dortige Katakombe stattfindet.

Durch sein „Stierwunder“ gilt Silvester als Patron der (Haus-)Tiere und wird vor allem von der bäuerlichen Bevölkerung geschätzt. So wird es verständlich, dass seine Verehrung neben Leonhard und Stephanus häufig in Landkirchen mit Umritten und Tiersegnungen erfolgt. Im Raum Wasserburg ist eigentlich nur eine Figur am rechten Seitenaltar in der kleinen Kirche von Zell bekannt. Nachdem eine ältere Figur – mindestens seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts belegt – „vermodert“ war, hat der Wasserburger Bildhauer Simon Thaddäus Hartmann 1755 eine neue Figur geschnitzt, die Niklas Bernhard gefasst hat. Das bestimmende Attribut, der Stier zu seinen Füßen, fehlt leider mittlerweile, sodass nur die Schriftkartusche ihn als Papst Silvester ausweist.

Auch die gotische Figur eines Papstes mit Tiara und Doppelkreuzstab, allerdings ebenfalls ohne kennzeichnendes Attribut, in der Sakristei von Reith/Haag wird von Rudolf Münch als heiliger Silvester angesprochen. Ein besonderes Brauchtum an Silvester durch Pferdeumritte und Prozessionen wie in Gelting, Türkenfeld oder Forstinning lässt sich weder für Reith noch für Zell nachweisen. Ferdinand Steffan

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