Haag – Haags Ortsmitte soll schöner werden und das ist auch dringend nötig, zu diesem Schluss kam zumindest Stadtplanerin Babara Hummel, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Gast war. Im Rahmen des Masterplans hatte sich der Haager Rat schon vor mehreren Monaten dazu entschieden, den Ortskern zu erneuern.
Komplett
durchgefallen
Hummel hatte sich nun das Zentrum angeschaut und war eingeladen worden, um den Gemeinderäten die nächsten Schritte zu erläutern.
Dabei wurde vor allem eines deutlich: Der aktuelle Ortskern von Haag, er fällt bei Stadtplanern komplett durch. Viel Parkplatz, viel Verkehr, viel Blech: „Schön ist das überhaupt nicht“, stellte Hummel fest. Sie sprach mehrere Probleme an: Da wäre zum einen die fehlende Barrierefreiheit durch stellenweise schmale Gehsteige. „Das geht heutzutage gar nicht mehr“, so Hummel. Zum einen würden Menschen, die mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwägen unterwegs seien, ausgegrenzt.
Zu wenig Grün, zu viel
Durchgangsverkehr
Aber auch zur Attraktivität eines Ortes würde eine fehlende Barrierefreiheit nicht beitragen, ganz im Gegenteil: Je barrierefreier, desto attraktiver.
Auch beim öffentlichen Nahverkehr könne die Markgemeinde was tun. Es fehle an Wartehäuschen und Anschlagtafeln für die Abfahrtszeiten des Busses. Zudem monierte Hummel das fehlende Grün im Zentrum. In Zeiten des Klimawandels sei es wichtiger denn je, an die Beschattung des Ortes zu denken. „Wir wollen, dass sich die Menschen in Haag aufhalten“, betonte Hummel. Denn nur wenn die Aufenthaltsqualität hoch sei, wenn es Kultur im Ort gebe, könne ein solcher auch erhalten werden. „Und damit stärken wir den Einzelhandel und können vielleicht auch Leerstand beheben“, erläuterte Hummel. Denn Potenzial sah die Stadtplanerin durchaus in Haag. Grundsätzlich gebe es hier schöne Häuserfronten und auch einige schöne Plätze.
Besonderer Dorn im Auge war ihr aber das Thema Verkehr. Haag habe zu viel Durchgangsverkehr, insbesondere in Form von Schwerlastern. Hummel zeigte zwar Verständnis dafür, dass vor allem das Milchwerk Jäger für Lkw zugänglich sein müsse. Dennoch brauche es dringend eine Umfahrung für den Schwerlastverkehr. Denn dieser sei richtiggehend belastend. „Die Hauptstraße ist hier Herz in Haag und dieser Lkw-Verkehr durchsticht das Herz“, erklärte sie.
Kritik gab es auch an den vielen Parkplätzen im Ort. Insbesondere der Bräuhausplatz komme durch das „viele Blech“ nicht zur Geltung und Tatsache sei schlicht: Eine Person, die acht Stunden in Haag arbeite, brauche nicht unbedingt einen Parkplatz direkt vor der Haustür des Arbeitgebers. „Die kann auch fünf Minuten laufen“, so Hummel. Daher müsse hier durchaus die Frage gestellt werden: „Muss das so sein?“
Als weiteren Schritt im Rahmen der Ortsneugestaltung schlug Hummel deshalb einen Planungswettbewerb vor. Dieser sei nötig, um die städtebauliche Förderung abgreifen zu können. Allerdings müsse sich der Gemeinderat dafür auch auf Rahmenbedingungen einigen. Darunter beispielsweise eine Vorgabe, wie viel Prozent der Stellplätze wegfallen dürfte. Um hier eine Angabe machen zu können, war deshalb der Vorschlag, ein aktualisiertes Verkehrsgutachten zu erstellen. Dr. Christoph Hessel und Amirhossein Roshani vom Planungsbüro gevas stellten dazu zwei Möglichkeiten mit mehr oder weniger Verkehrsknotenpunkten an, an denen gezählt werden sollte.
Ganz überzeugt davon war das Gremium aber nicht. Grundsätzlich wurde zwar deutlich: Auch der Gemeinderat sieht die Notwendigkeit, in der Ortsmitte etwas zu verändern, aber das vorgestellte Konzept stieß nicht auf Begeisterung.
Starke Veränderungen
durch Bauten
Dr. Florian Haas (PWG) brachte beispielsweise die Tatsache ins Spiel, dass sich Haag mit dem neuen Baugebiet südlich der Lerchenberger Straße, dem Ärztehaus und dem Zehentstadel in nächster Zeit stark verändern würde. Klaus Breitreiner (CSU) und Egon Barlag (FWG) sorgten sich um die angezweifelten Stellplätze.
Schlussendlich entschied sich der Rat, die Entscheidung zur Verkehrszählung erst einmal zurückzustellen.
Auftrag zur Zählung
noch vor der Wahl
Gemeinsam mit den Experten will das Gremium sich noch einmal zusammensetzen und prüfen, an welchen Knotenpunkten eine Datenerhebung notwendig ist und welche Fragen mit den neuen Zahlen möglichst beantwortet werden sollen.
Den Auftrag zur Zählung will das Gremium aber noch in alter Besetzung, also vor der Kommunalwahl erteilen, um nicht in zu großen Zeitverzug zu kommen.