Wasserburg – Bei ihnen muss jeder Schritt sitzen: Die Vortänzer und Tänzer bilden das Kernstück des Schäfflertanzes. Werner Holzmann und Marinus Winhart sind zwei von insgesamt 22 Tänzern und vier Vortänzern, die mit Leib und Seele in der Wasserburger Schäfflergruppe am Start sind.
Verbundenheit
zur Stadt am Inn
Werner gilt praktisch als Urgestein, hat im zarten Alter von zwölf Jahren als Wagerlbua angefangen. Das war 1977. In den vergangenen Jahrzehnten war er schon Reifenschwinger, Vortänzer und jetzt eben Tänzer. Im gesetzten Alter, mutmaßt er, könnte er sich die Tätigkeit des Fassl-Schlägers vorstellen. „Wenn ich’s überleb‘“, witzelt er.
Für den 60-Jährigen steht nämlich außer Frage, die Schäffler jemals wieder zu verlassen. Denn: Für ihn ist es eine Ehre, bereits so lange dabei sein zu dürfen. Auch wenn er inzwischen in Raiten, einem Gemeindeteil von Schleching im Landkreis Traunstein, wohnt – als gebürtiger Wasserburger bleibt er der Innstadt selbstverständlich treu.
„Es ist eine Sucht“, ist Werner überzeugt und bestätigt diese Theorie damit, dass schon sein Vater und Großvater die Tradition des Schäfflertanzes in Wasserburg jahrelang fortsetzten. Er ist sicher: Das Gemeinschaftsgefühl ist ausschlaggebend, weshalb viele jahrzehntelang dabeibleiben. Und bei ihm persönlich natürlich die Verbundenheit zur Stadt am Inn.
Die Tänzer faszinieren die historische Aufführung, mit dem gewissen Schäfflertanzschritt und verschiedenen Figuren. Der Vortänzer behält dabei den Überblick, gibt das Kommando zu Beginn und am Ende des Einsatzes. „Wir bieten keinen Showtanz, sondern eine uralte Tradition. Mit dem Tanz kann jeder was anfangen – Jung wie Alt“, unterstreicht Werner und erhält prompt zustimmendes Nicken von Marinus.
Die Rolle des Tänzers gibt der 30-Jährige aus Reitmehring so schnell nicht wieder her: Auch er startete 2005 als Wagerlbua und war seither jedes Mal dabei. Ihm gefällt vor allem der Mix aus verschiedenen Generationen.
Freude und Enthusiasmus
prägen den Tanz
Der Tanz, davon sind beide überzeugt, wird auch in Zukunft alle sieben Jahre viele Menschen begeistern. „Hier braucht‘s keine Veränderung oder Modernisierung. Die Schäffler tanzen seit Jahrzehnten und jeder schaut interessiert und gerne zu. Das bestätigt nicht zuletzt die Anzahl unserer Auftritte.“
Marinus ergänzt: „Es ist ein schöner Brauch, der die Menschen zusammenbringt, gerade in schwierigen Zeiten. Der Grundgedanke passt auch noch zur heutigen Zeit, wie sich zuletzt während der Corona-Pandemie gezeigt hat. Auch dieses Mal werden wir die Freude und den Enthusiasmus in den Augen der Menschen sehen, was sich von Tanz zu Tanz steigert, wenn sie einen Kreis um uns bilden.“