Wasserburg – „Wir sind laut, lustig, immer gut drauf und dafür zuständig, dass bei der Kälte den Zuschauern von innen warm wird. Wer friert, der bekommt ein Schnapserl“, erklärt Vroni ihre Hauptaufgabe bei der Tanzgruppe und untermalt ihre Erläuterungen mit einem kessen Grinsen. Weil die Marketenderinnen Alkohol ausschenken und verkaufen, müssen sie selbstverständlich volljährig sein.
In ihrem feschen rot-weißen Gewand und mit den großen, grünen Mützen sind sie in der Schäffler-Menge gar nicht so leicht zu erkennen. Die Marketenderinnen verrät vielmehr ihr mit hochprozentigem Inhalt gefülltes Fassl und ein Holz-Körbchen, das sie immer an der Frau haben.
Die 37-jährige Wasserburgerin war von Kindesbeinen an schon immer fasziniert von den Schäfflern. Mit ihrer Cousine ist sie in jungen Jahren schon als eine Art „Fanclub“ den Auftrittsorten hinterhergereist. „Ich habe früher ständig gesagt, dass ich da gerne mitmachen würde. Jetzt bin ich dabei – und bleibe dabei.“
In Vronis Augen versprühen die Schäffler pure Lebensfreude und Optimismus. Von ihrer Kollegin Roswitha erhält sie für diese Aussage prompt zustimmendes Nicken: Die 41-Jährige aus Alteiselfing hat schon Bürgerspielerfahrung in der Innstadt gesammelt und ist nun wie Vroni auch zum dritten Mal stolzer und fester Bestandteil der Schäffler. „In Wasserburg werden Brauchtum und Tradition aufrechterhalten und großgeschrieben. Da halten alle zusammen – vom Bürgermeister zum Pfarrer.“ Das ist wohl auch der Grund, weswegen die Schäffler trotz ihres nur siebenjährigen Turnus immer wieder aufs Neue faszinieren und für Euphorie bei Jung und Alt in der Region sorgen.
Die Tradition des Schäfflertanzes stammt vermutlich aus der Zeit, in der die Pest in Europa gewütet hatte. Die Menschen sollen sich erst als die Schäffler tanzten, zurück auf die Straßen gewagt haben. Schon wegen der Parallele zur Corona-Pandemie sind die Auftritte der Schäffler heute mehr als nur Tradition. Dass sich nach schlechten Zeiten mit viel Leid und Trauer dann doch auch wieder gute Zeiten mit Freude und Spaß am Leben einstellen, genau für diesen Grundsatz stehen die Schäffler. Das verdeutlichen sie im Rahmen ihrer insgesamt 111 Auftritte rund um Wasserburg jedes Mal aufs Neue. Und während die Tänzer mit ihren Tanzschritten für Faszination sorgen, die Wagerlkinder dem Oberkasperl beistehen, die Fassl-Schlager das Handwerk präsentieren, die Kasperl humorvoll die Zuschauer unterhalten wie einbinden und die Reifenschwinger akrobatisch ihre Kunststücke vorführen, sind die Marketenderinnen dafür da, dass die wohlige Wärme, die mit den Schäfflerauftritten einhergeht, bei den Zuschauern auch von innen kommt. Marina Birkhof