Kirche mit Aquarium und Hunden belebt

von Redaktion

Ein Mesner mit Doktortitel: Ferdinand Utz übt sein Amt mit Leib und Seele aus

Wasserburg – Seinen Beruf als Chemiker hat er schon lange an den Nagel gehängt. Jetzt macht er das, wofür schon immer sein Herz schlägt: Sein Hobby ist die Kirche. Er ist Mesner – ein Hausmeister mit Doktortitel, was in diesem Aufgabenbereich eine Seltenheit ist. Ferdinand Utz übt das Amt als rechte Hand von Stadtpfarrer Bruno Bibinger mit Leib und Seele aus.

Gebäudemanagement, die Vorbereitung von Gottesdiensten, das Zusperren und Öffnen der Gotteshäuser, ja auch Gartenarbeit – um all das und noch viel mehr kümmert sich der 67-Jährige. Er ist engagiert und gewissenhaft, eine fröhliche Unbeschwertheit ist ihm eigen. Auf jeden Fall hat er Freude an seiner Arbeit, sagt er.

Aktiv auf die
Menschen zugehen

„Ich mach’s so lange, wie es körperlich und geistig funktioniert“, betont er mit einem Lächeln und macht dabei einen ausgeglichenen, gelassenen Eindruck. Das Zölibat gilt für ihn übrigens nicht: „Ich bin schon lange verheiratet.“ Utz betont gleich zu Beginn des Gesprächs, dass er für ein offenes Gotteshaus steht. Man müsse aktiv auf die Menschen zugehen, so sein Credo.

Zu dieser Einstellung gehöre auch, Gesprächsmöglichkeiten zu bieten oder den Zugang für Rollstuhlfahrer zu erleichtern, was bereits geschehen sei. Eine schwere Eingangstür an der Seite geht ganz bequem per Knopfdruck auf. Auch den Kindern soll etwas geboten werden, damit sie lange Gottesdienste besser durchhalten.

Symbole für die
engsten Jünger Jesu

So hat er einen Bereich eingerichtet, in dessen Mittelpunkt ein Aquarium mit vier Goldfischen thront, symbolisch stehen sie für die Apostel Jakob, Petrus, Andreas und Johannes, die engsten Jünger von Jesus. „Das kommt sehr gut an“, freut sich der Mesner. Die Kinder hätten was zum Schauen. „Ein echter Blickfang – soweit ich weiß, ist es deutschlandweit das einzige Aquarium in einer Kirche.“

In der Kinderkapelle können die Kleinen auch malen und lesen, Stifte, Blöcke und Bücher liegen bereit. Die Angehörigen können sich derweil auf einem Sofa niederlassen. Besucher mit Hunden sind ebenfalls willkommen. Anfänglich habe es zwar Beschwerden gegeben, aber damit sei es jetzt vorbei, sagt Utz. „Die Leute nehmen ganz dankbar ihre Vierbeiner mit, die Tiere sind ja reinlicher, als man denkt.“

Utz sieht die Kirche St. Jakob mit Blick auf die Besucherzahlen auf einem guten Weg. „Es kommen nicht nur Wasserburger, sondern immer mehr auch von außen.“ Sonntags würden im Schnitt rund 150 Besucher am Gottesdienst teilnehmen.

In den Wochen vor Weihnachten hatte Utz naturgemäß mehr zu tun. „Altar, Bänke, Beleuchtung, darauf schaue ich ganz genau“, sagt er. In der Adventszeit hat er violette Kerzen aufgestellt – die Farbe stehe für die Zeit der Besinnung und der Vorbereitung auf Weihnachten.

Utz hat auch darauf geachtet, bei der Ausschmückung etwas bescheidener zu verfahren, da die Adventszeit eine Fastenzeit ist. Ein Adventskranz pro Kirche – St. Jakob, Frauenkirche und St. Konrad – findet er ausreichend.

Für stimmungsvolle Eindrücke ist dennoch gesorgt: In St. Jakob stehen seit Ende November zwei liebevoll gestaltete Krippen, eine kleine, von Utz selbst am Seitenausgang und eine größere, von Armin Göttler gefertigte, beim Altar mit einer Vielzahl von Figuren. An Weihnachten darf wieder viel Schmuck sein, die Kirche zeigt ihre volle Pracht. Geplant war, zum Fest hinter dem Altar einen anderthalb Meter großen Stern aufzubauen. Als junger Mann, Sohn eines Müllermeisters, hat sich Ferdinand Utz überlegt, ob er nicht Priester werden soll, aber davon nahm er Abstand und studierte Naturwissenschaften in Regensburg, zuerst Biologie, dann Chemie, und promovierte. Bis zum Alter von 60 Jahren war Utz als Chemiker in verschiedenen Firmen der Pharmaindustrie tätig, zuerst angestellt, dann selbstständig.

Prompt
engagiert

Als er sich aus familiären Gründen in Wasserburg niederließ, erfuhr er, dass der damalige Pfarrer Paul Schinagl auf der Suche nach einem Mesner war, aber niemanden fand. „Dann bin ich zu ihm hin, vor sieben Jahren“, erinnert sich Utz. Er wurde prompt engagiert, und man darf von einer Idealbesetzung sprechen. Nicht nur als Mesner kommt Utz zum Einsatz, sondern er übernimmt dank seiner zusätzlichen Qualifikationen auch andere Aufgaben, zum Beispiel Andachten oder Wortgottesdienste mit Kommunionfeier. „Ich bin überall“, sagt Ferdinand Utz – und schmunzelt.

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