Kirchdorf – Seit Ende 2023 geraten die Gemeinden Kirchdorf und Reichertsheim immer wieder in die Schlagzeilen. Massive personelle Probleme hatten dafür gesorgt, dass die Verwaltungsgemeinschaft der beiden Kommunen kaum handlungsfähig war. Eine Beratungsfirma musste sogar zu Hilfe kommen.
Nun sind rund zwei Jahre vergangen, die Verwaltung hat sich dank neuer Mitarbeiter wieder gefangen, es ist Ruhe eingekehrt. Dennoch interessieren die indirekten Kosten, die durch das Chaos von 2022 und 2023 verursacht wurden. Sie können jetzt zum Teil beziffert werden. Genaue Zahlen wird es hier jedoch nie geben. Das liegt zum einen daran, dass bestimmte Zusatzaufwendungen schwierig zu ermitteln und zu bewerten sind. Zum anderen werden die entstandenen Kosten je nach Interessengruppe unterschiedlich interpretiert, zeigen die Aussagen der vergangenen Wochen.
Maximale
Transparenz
Die Verwaltung hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Kirchdorf einen Bericht über die Zusatzkosten vorgestellt, die als Folge der Probleme in den Rathäusern 2022 bis 2024 entstanden sein sollen. Dass diese Thematik öffentlich behandelt wird, hatte das Kirchdorfer Gremium im September beschlossen, „um diesen Punkt maximal transparent zu besprechen“, erklärt Ratsmitglied Josef Heindl (FWG Kirchdorf) auf Anfrage der Redaktion.
In einem Bericht der Verwaltung, der der Redaktion vorliegt und der laut Stimmen aus dem Gremium von Kirchdorf in der jüngsten Sitzung öffentlich gemacht wurde, heißt es, dass „bedingt durch die Personalveränderungen Abfindungen und Erstattungen von Fortbildungskosten in Höhe von rund 53.000 Euro geleistet“ worden seien. Durch die „Freistellungen von Personalaufwand“ seien rund 14.000 Euro an Kosten entstanden. Für Prozesse vor dem Arbeitsgericht seien Kosten für einen Rechtsanwalt in Höhe von rund 33.000 Euro angefallen. Die Übernahme durch die Rechtsschutzversicherung sei beantragt worden.
Weitere Kosten sind laut dem Bericht durch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter angefallen. Insgesamt seien 153 Personalwochenstunden neu besetzt worden. Für die Einarbeitungsphase sei es üblich, sechs Monatsgehälter zu kalkulieren, schreibt die Verwaltung. „Die Kosten für eine Personalstunde betrugen laut dem Haushaltsplan 2025 circa 32 Euro. Daher beläuft sich der kalkulatorische Aufwand hierfür auf circa 127.000 Euro“, heißt es im Bericht. Die Gemeinde Kirchdorf muss als Teil der Verwaltungsgemeinschaft mit Reichertsheim 44 Prozent der Kosten übernehmen.
Die aufzubringenden Mittel für die Consulting-Firma betrugen laut dem Bericht rund 305.000 Euro. Kirchdorf habe davon circa 134.000 Euro übernehmen müssen.
Sowohl die Kosten, die durch die Personalveränderungen entstanden seien, als auch die Ausgaben für die Consulting-Firma seien im Haushalt 2024 unter dem Punkt VG-Umlage berücksichtigt, heißt es im Bericht. Das heißt: Die Kosten werden auf die beiden Kommunen verteilt.
Die VG-Umlage im Jahr 2024 belaufe sich auf rund 542.000 Euro, erklärte Kirchdorfs Bürgermeister Christoph Greißl in der Bürgerversammlung der Gemeinde. Das sind rund 250.000 Euro mehr als 2023. Auch 2025 falle die VG-Umlage für Kirchdorf höher aus als noch 2023. Rund 480.000 Euro würden hier anfallen, so Greißl. Zum Vergleich: 2022 und 2023 betrug die VG-Umlage laut dem Bürgermeister nur rund 292.000 Euro. Geschäftsstellenleiter Holger Noll erklärte in der Bürgerversammlung von Kirchdorf auf Nachfrage eines Besuchers, der wissen wollte, wie hoch die Kosten für das Verwaltungschaos seien: Die VG-Umlage habe sich auch aus anderen Gründen erhöht. Zu berücksichtigen sei bei diesen Zahlen, dass es zwischen 2022 und 2025 eine Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst gegeben und die Personalstruktur sich verändert habe, sagte Noll. Eine exakte Zahl zu beziffern, sei deswegen schwierig, so der Geschäftsstellenleiter. Mit Blick auf die VG-Umlage schätzt Greißl, dass sie sich in Zukunft in etwa auf dem Niveau von 2025 einstellen werde. Ein weiterer Punkt im Bericht der Verwaltung, dargestellt in der Gemeinderatssitzung von Kirchdorf, waren indirekte Kosten, die durch zeitliche Verschiebungen bei der Neukonzeption des Rathaus-Vorplatzes sowie des Kinderspielplatzes entstanden sein könnten.
Keine Förderung
beantragt
Dazu heißt es wortwörtlich: „Die Vorplanung sowie Kostenschätzungen für Vorplatz sowie Kinderspielplatz wurden dem Gemeinderat in der Sitzung im September 2024 vorgestellt. Aufgrund der hohen Kosten und der unklaren Finanzsituation der VG Reichertsheim sowie der Gemeinde Kirchdorf hatte der Gemeinderat beschlossen, solch hohe finanzielle Verpflichtungen aktuell nicht einzugehen. Es wurde daher vom Gemeinderat beschlossen, die Vorlage zu vertagen, bis die finanzielle Situation geklärt sei. Die unklare Finanzsituation resultiert aus den von der Consulting-Firma erstellten Haushaltsplänen für das Jahr 2024. Aufgrund dieser nachvollziehbaren Entscheidung des Gemeinderates konnte auch keine Förderung beantragt werden.“ Auf Anfrage der Redaktion erklärte Bürgermeister Greißl dazu, dass die Mehrkosten durch eine Verzögerung der Arbeiten jedoch nicht als Folge des Verwaltungschaos bewertet werden könnten. Denn weder zum Rathausvorplatz noch zu anderen Projekten seien zum Zeitpunkt des Chaos Beschlüsse des Gemeinderates vorgelegen. Beim Rathausvorplatz müsse auch erst die Situation mit der Friedhofsmauer geklärt werden. „Es ist schwierig, zu definieren, inwiefern hier Mehrkosten durch die Verwaltungssituation entstanden sind“, erklärte Greißl. Die Kosten seien insgesamt ein „dehnbarer Begriff und nicht klar definierbar“, sagte Greißl. Im Gespräch mit der Redaktion erklärt er, dass sich die Ausgaben für die Consulting-Firma auf rund 300.000 Euro belaufen würden. Hinzu kämen rund 160.000 Euro für die Einarbeitung von vier Mitarbeitern (40.000 pro neuem Mitarbeiter). Die Neubesetzung der Geschäftsstellenleitung zählt Greißl nicht zu den Zusatzkosten dazu. „Wir mussten diese Stelle sowieso neu besetzen“, erklärte Greißl. Zudem sei eine neu geschaffene Stelle in der IT nicht berücksichtigt worden.
Gemeinderat geht von
höheren Kosten aus
Gemeinderäte aus Kirchdorf schätzen die Zusatzkosten für die Verwaltungsgemeinschaft jedoch höher ein. „Wir rechnen mit rund 250.000 Euro, die durch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter angefallen sind“, erklärt Josef Heindl (Gemeinderat in Kirchdorf und Ratsmitglied der VG). Wenn langjährige Mitarbeiter gehen, sollte ein Jahresgehalt als Referenz herangezogen werden, sagte Heindl.