Ein Ausdruck der Lebensfreude

von Redaktion

An der Volkshochschule Mühldorf erfreut sich ein Jodelkurs großer Beliebtheit

Mühldorf – Den Erzherzog- Johann-Jodler nach Loriot stimmten die Teilnehmer des VHS-Jodelkurses nicht an, und ein Jodel-Diplom gibt es nach Abschluss des Lehrgangs ebenfalls nicht. Trotzdem haben der Loriot-Klassiker „Die Jodelschule“ und der Mühldorfer Jodelkurs eine Gemeinsamkeit: die Begeisterung für die besondere Gesangstechnik ohne Text, aber dafür mit lautmalerischen Silben wie jo-ho-di-o-u.

Gesangstechnik,
die die Welt verbindet

Die singende Ergotherapeutin und Vorjodlerin Stefanie Weizenbeck reist für den Mühldorfer Kurs extra aus Rosenheim an. Seit Oktober 2023 bietet sie in der Volkshochschule Kurse an. Mit zehn Teilnehmern startete im September der Herbstkurs, der kürzlich in den Räumen der Volkshochschule für dieses Jahr beendet wurde. Doch schon im März 2026 geht es weiter, was die Teilnehmer des außergewöhnlichen Kurses mehr als begrüßen. Vor wenigen Wochen erklärte die Unesco das Jodeln in der Schweiz zum immateriellen Kulturerbe. Dieses Label brauchen die hiesigen Jodler aber gar nicht, denn für sie ist diese Gesangsform sowieso das Allerhöchste. „Gejodelt wird überall auf der Welt“, weiß Stefanie Weizenbeck und ergänzt: „Mein Repertoire umfasst viele Jodler aus dem Alpenraum und geht über Zentralafrika, Georgien bis hin zum europäischen Norden.“ Wie die Jodel-Chefin weiter beschreibt, entstehe beim Jodeln eine ganz eigene, warme Lebensqualität. Jodeln sei spontaner Ausdruck von Lebensfreude, was den Kursteilnehmern bereits am Gesicht abzulesen ist. Eine Teilnehmerin hat doch glatt aus lauter Begeisterung einen lauten Juchzer von sich gegeben.

Durch den schnellen Wechsel von Brust- und Kopfstimme stelle das Jodeln zwar eine gewisse Herausforderung dar, aber der Spaß und das Vergnügen in lockerer Runde dieser Gesangstechnik zu frönen, überwiege meilenweit. Weil es aber nicht an jeder Ecke Jodelkurse gibt, nehmen nicht wenige Kursteilnehmer eine längere Wegstrecke auf sich, um dabei sein zu können.

Wolfgang wohnt in Dorfen. Seine Kinder schenkten ihm den Kurs. Daheim unter der Dusche hätte er dann und wann schon Jodelversuche gestartet, aber die Gemeinschaft mache es aus, sagt er, da würde der Klang erst richtig schweben. Stephan aus Perach erinnert sich an seine Kindheit. Schon damals ist ihm das Jodeln ein bisschen beigebracht worden. „Meine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn ich bei Familienfeiern als Jodler aufgetreten wäre, das wollte ich aber nicht“, erzählt Stephan. Er lobt den VHS-Kurs: „Das gefällt mir hier sehr gut.“

Was Monika besonders schätzt: „Beim Jodeln spüre ich meine urbayerischen Wurzeln und das hat etwas wirklich Berührendes“, so die Waldkraiburgerin. Ihr Jodelkollege Peter findet die Gruppe insgesamt super. Der Mühldorfer jodelt nicht gerne alleine, aus diesem Grund buchte er den Kurs. „Niemand muss, alles kann“, lautet das Motto der musikalischen Abende, die auch Tanja aus Gumattenkirchen gerne besucht. „Die Jodler sind Seelenmenschen“, meint sie und glaubt, durch das gemeinsame Jodeln sogar ein Stück vom Leben einsaugen zu können. Damit der Körper entspannt und die Stimme „geölt“ wird, stehen vor dem eigentlichen Jodeln pfiffige Lockerungsübungen auf dem Tablett. Laute Rufe tönen mehrmals durch den Raum, schließlich geht das Jodeln auf Hirten zurück, die sich so von Alp zu Alp verständigten. „In meinem Kurs dürfen die Erwachsenen laut sein, was sie sich im Alltag oft gar nicht mehr erlauben“, stellt Stefanie Weizenbeck klar.

Ein intensiver, fokussierter Natur-Stimmklang soll entstehen und mit ihm die Gelegenheit, sicheren Boden zu verlassen, gerade dann, wenn die Stimme einen riskanten Sprung macht, den sogenannten Schnackler, auch Registerbruch genannt. Wie hoch und wie tief die eigene Stimme sein kann, entdecken die Teilnehmer beim Aufwärmen, als sie Wolf und Esel nachahmen.

Gänsehautmomente und
Ausblick auf den Kurs

Weil die Jodelbegeisterten schon seit Monaten proben, hören sich ihre Künste natürlich ziemlich gut an. Sogar einen Zäuerli, einen typischen Naturjodler aus dem Appenzellerland, ließen die Teilnehmer mit Leichtigkeit erklingen. Gänsehaut pur war angesagt, als die Jodelgruppe zum Abschluss des diesjährigen Kurses noch den Andachtsjodler anstimmte, der die Spiritualität und die Kraft der Einfachheit in der Weihnachtszeit transportieren konnte.

Was Stefanie Weizenbeck extra betont: „Zu meinen Kursen kann jeder kommen, der neugierig ist, es gibt keinerlei Hürden.“ Eine Eins im Schulzeugnis im Fach Musik ist also keine Voraussetzung. Am Montag, 2. März, wird in der Volkshochschule zwischen 19.30 und 21 Uhr wieder gejodelt. Eine Anmeldung ist für alle offen, nicht nur für „Wiederholungstäter“. Die Abende finden 14-tägig statt. Die VHS ist unter Telefon 08631/99030 erreichbar.

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