Mühldorf – 2026 könnte das letzte Jahr werden, in dem der Landkreis Mühldorf ohne eigenes Windrad ist. Das zeigt ein Blick auf die bereits begonnenen Projekte von privaten Investoren und der öffentlichen Hand. Am schnellsten sind dabei die rein privatwirtschaftlich angetriebenen Pläne.
Die Nase vorne haben Ende 2025 Graf Ignaz zu Toerring und seine Green Energy Toerring im Windvorranggebiet Schermansöd bei Taufkirchen. Hier sollen, wenn alles nach Plan läuft, bereits 2027 fünf Windräder entstehen. Das teilt Geschäftsführer Felix Jenninger auf Anfrage mit.
Ausschreibungen
und erste Aufträge
Nur drei Monate nachdem Green Energy die Unterlagen beim Landratsamt Mühldorf eingereicht hatte, gab es heuer Anfang Juli die immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Genauso zügig geht es weiter, schreibt Jenninger: „Wir befinden uns derzeit in der Phase der bauvorbereitenden Maßnahmen, konkret in der Detailplanung von Infrastruktur und Netzanschluss.“ 2026 sollen die Ausschreibungen und die ersten Aufträge folgen – unter anderem für die Zuwege, die Kranstellflächen, die Kabeltrasse sowie die Anbindung an das Stromnetz. Der eigentliche Bau mit Türmen, Gondeln und Rotoren „ist nach aktueller Planung für das Jahr 2027 vorgesehen“, meint Jenninger. Das wohl überraschendste Windrad soll zwischen Polling und Weiding in der Nähe der Bahnlinie entstehen. Seit dem 29. Juni liegt ein entsprechender Bauantrag beim Landratsamt Mühldorf. Eingereicht hat ihn die WW Süd aus Stephanskirchen bei Rosenheim. Die Unterlagen für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung seien bereits beim Landratsamt eingereicht worden, teilt Constanze Sterczel von WW Süd auf Anfrage mit. „Es fehlen noch ein paar Gutachten, die voraussichtlich bis Anfang des Jahres 2026 fertiggestellt und bei der Behörde nachgereicht werden.“
Sobald die Genehmigung vorliege, „kann die eigentliche Planung beginnen.“ Fazit: „Es kann noch keine genaue Angabe zum Baubeginn gemacht werden“, schreibt Sterczel.
Auch die öffentliche Hand möchte Windräder bauen – mit unterschiedlichen Ansätzen und Zeitplänen. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie sind wohl nicht so schnell wie die rein privaten Betreiber.
In Schönberg setzt die Gemeinde auf eine gemeinsame Gesellschaft von Kommune und Privatwirtschaft. Zusammen mit der Wind 18 GmbH soll Anfang 2026 eine „Bürgerwindkraft Schönberg GmbH & Co. KG“ entstehen, an der sich auch Bürger beteiligen können. Diese Betreibergesellschaft soll dann im Bernloher Holz die Pachtverträge mit den Grundstückseignern abschließen und dort mindestens ein Windrad bauen. Für die Gemeinde sei das ohne Risiko, hat Bürgermeister Alfred Lantenhammer im März erklärt, da Wind 18 bei den Planungen in Vorleistungen gehe.
Bis 2028 folgen das artenschutzrechtliche Gutachten, die Windmessung und die Einspeisezusage der Bundesnetzagentur. Läuft es nach Plan, können Ende 2028 die ersten Aufträge ausgeschrieben werden, erläutert Lantenhammer. 2029 könnte dann das Windrad gebaut werden und sich ab 2030 drehen. Auch der Landkreis Mühldorf und 23 Kommunen wollen mit dem gemeinsamen Kommunalunternehmen „Landkreiswerk“ Windräder auf den Weg bringen. Den konkreten Bau und Betrieb sollen dann jeweils eigene Betreibergesellschaften übernehmen, an denen sich neben dem Landkreiswerk auch Kommunen, Bürger und Unternehmen beteiligen können – ohne fremde Investoren. Bis 2030 sollen in der Gemeinde Rattenkirchen drei Windräder entstehen. In Neumarkt-St. Veit wird untersucht, ob sich zwei Vorranggebiete für je ein Windrad eignen. Um die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zu erhalten, braucht es noch mehrere Gutachten.
„Die Beauftragung der ersten Standortgutachten (wie beispielsweise Schall- und Schattengutachten) wurde in der konstituierenden Sitzung des Landkreiswerks beschlossen und wird im Jahr 2026 erfolgen“, teilt Landratsamtssprecher Wolfgang Haserer mit. Stillstand herrscht dagegen beim Windparkprojekt der Chiemgau GmbH des Landkreises Traunstein im Eiglwald. Seit 2022 sind hier bis zu sieben Windräder im Gespräch. 2023 gab es schon die ersten Windmessungen, die „sehr vielversprechend“ waren, wie Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH, 2024 erklärt hatte. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei daher möglich, und so sollten bei den über 200 Waldbesitzern die Flächen gesichert werden.
Doch aktuell heißt es aus Traunstein: „Derzeit ruht das Windkraftprojekt im Eiglwald“, schreibt Christoph Kellner, Energie-Manager der Chiemgau GmbH. „Einen genauen Zeitplan und ein mögliches Inbetriebnahmedatum gibt es noch nicht.“ Eine Nachfrage zu den Gründen für den Stillstand blieb unbeantwortet.