Lebensgefahr für Likes in Kauf nehmen

von Redaktion

Kirchdorfer Kinderbuchautorin Galina Hild warnt vor gefährlichen Mutproben im Internet

Kirchdorf – Sie geistern schon länger durch die sozialen Medien, immer wieder in neuen Formen und Variationen: sogenannte Challenges. Etwa die Paracetamol-Challenge, bei der eine Überdosis des Schmerzmittels eingenommen wird. Auch der Kirchdorfer Kinderbuchautorin Galina Hild sind die Internet-Mutproben bekannt. In ihrem neuen Buch beschäftigt sich die 44-Jährige mit den Challenges. In früheren Büchern beschäftigte Hild sich mit „gefährlichen Geheimnissen“ sowie Mobbing und Ausgrenzung.

Mutproben werden
zu Challenges

Mit den Herausforderungen im Internet „wollen Menschen zeigen, dass sie stark sind, dass sie besser sind als andere“, sagt Hild, die hauptberuflich Taekwondo-Trainerin ist. Es sei wie eine Art Kräftemessen. Als sie selbst noch in der Schule war, mit etwa neun oder zehn Jahren, hat sie diese Mutproben auch schon erlebt. „Die Jungs sind damals vom Dach der Garage neben der Schule gesprungen“, erinnert sie sich.

„Heute als Erwachsene verstehe ich natürlich, wie gefährlich das war“, betont Hild. Sie sei überrascht und schockiert gewesen, als sie erfahren habe, dass es solche Mutproben weiterhin gebe. „Kinder und Jugendliche können sich dabei schwer verletzen“, so die Kirchdorferin. Vor allem, weil keine Erwachsenen dabei seien, die notfalls eingreifen könnten.

Ihre beiden Söhne versuchten sich vor einigen Jahren auch schon an einer besonderen Mutprobe. „Damals sprangen sie vor fahrende Autos und schnell wieder weg, damit sie das Auto nicht erwischte“, erklärt Hild. Von ihrem Nachbarn sei sie darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Kleinen ihm ständig vors Auto hüpften. „In solchen Situationen ist es sehr wichtig, mit den Kindern zu sprechen“, empfiehlt die Autorin. Und deshalb geht es in ihrem neuen Buch um genau dieses Thema. Der Protagonist ist ein Junge namens Michael. Er hat zwar selbst kein Handy, der große Bruder eines Freundes aber schon. Und so kommt Michael das erste Mal mit den Internet-Challenges in Berührung, die vor allem auf Social Media kursieren.

„Instagram und Co. spielen bei diesem Phänomen eine sehr große Rolle“, sagt Hild. Viele Nutzer würden dort Videos von Mutproben hochladen, die sie selbst durchgeführt hätten. Damit wollen sie dann berühmt werden – oder zumindest möglichst viele Likes bekommen.

Um auf Internet-Challenges aufmerksam zu werden, müssen Kinder nicht einmal eigene Handys haben, wie Autorin Galina Hild betont. So ist es auch bei Michael, dem Jungen aus ihrer Geschichte. „Ich würde empfehlen, das Buch als Erwachsener zusammen mit dem Kind zu lesen“, betont die Kirchdorferin. Dann könne die Challenge richtig eingeordnet und vielleicht Alternativen geschaffen werden.

Denn nicht alle Herausforderungen sind per se schlecht, wie Hild erklärt. „Man kann jeden Tag neues Gemüse probieren. Beim Taekwondo gibt es auch eine Challenge: den nächsten Gürtel zu erreichen.“ Kinder sollen ihr zufolge deshalb nicht jede Herausforderung aus dem Leben verbannen.

Kinder wollen sofort
Ergebnisse sehen

Allerdings fehle den Kleinsten oft die Geduld. „Sie wollen sofort Ergebnisse sehen“, sagt Hild. Das funktioniert auch bei einer besonders skurrilen Challenge, auf die sie durch ihre Taekwondo-Schüler aufmerksam wurde. „Plötzlich hatten viele von ihnen einen rötlichen Fleck um den Mund“, erinnert sich die Kirchdorferin.

Es dauerte ein wenig, bis sie den Grund dafür aufdeckte: Die Kinder platzierten den Mund in einem Glas und versuchten, es anzusaugen. „Dabei schwellen die Lippen an“, erklärt Hild. Genau das sei das Ziel dabei. Insgesamt handele es sich zwar eher um eine harmlose Challenge, die Kinder müssten aber dennoch die Spuren im Gesicht für einige Zeit tragen.

Anders sieht es bei der sogenannten „Hot Chip Challenge“ aus, die vor rund zwei Jahren die Runde machte. Dabei isst man scharfe Chips und filmt sich dabei. Viele Jugendliche haben sich dabei schwer verletzt. In den USA starb sogar ein 14-jähriger Junge mit einem angeborenen Herzfehler nach dem Verzehr eines Chips.

Mit ihrem Buch sollen die Kinder lernen, auf ihr Bauchgefühl zu hören. „Wenn ich mich bei etwas nicht sicher fühle, wobei die ganze Klasse mitmacht, muss ich zu meinen Eltern gehen“, betont Hild. Diese sollten dann nicht unbedingt schimpfen – aber eben aufklären.

Handynutzung und Social Media

Artikel 10 von 11