Wasserburg – Freude versprühen statt Trübsal blasen und einfach mal gute Laune verbreiten: Vier Kasperl springen diese Saison um die Schäffler herum – in buntem Gewand, mit bemaltem Gesicht und kecker Kopfbedeckung sorgen sie für Stimmung.
Hans Klinger ist dabei der Hahn im Korb. Nach sieben Jahren Pause blickt er der kommenden Saison seit Wochen schon sehnsüchtig entgegen. Er selbst ist nach seinem Debüt 2012 nun schon das dritte Mal dabei und freut sich auch über neue Gesichter, die sich begeistert der Tanzgruppe anschließen. In seinem Leben sind die Schäffler in ihrem typischen Turnus jedenfalls nicht mehr wegzudenken.
Für den 61-jährigen Klinger aus Jakobneuharting ist die Rolle des Kasperls zweifelsfrei die beste: „Leute aus der Reserve locken, lässig unterhaken, nach vorn in die Mitte holen und hier und da ein Busserl verteilen: Das sind Erinnerungen, die im Gedächtnis bleiben und an die man gerne zurückdenkt. Wir sorgen für die nötige Unterhaltung beim traditionellen Schäfflerauftritt.“
Gabi Ertl verkörpert mit Elke und Petra Wolfsberger die weiblichen Kasperl. Die Rosenheimerin ist mit ihrer Heimat Wasserburg eng verwurzelt. Für sie sind die Schäffler und ihr Zusammenhalt einzigartig. Bereits zweimal war sie als Marketenderin unterwegs, nun hat es sie in der diesjährigen Saison der Schäffler zu den Kasperln verschlagen – zum allerersten Mal. Ihrer Premiere am Dienstag, 6. Januar, vor dem Wasserburger Rathaus fiebert sie nach eigener Aussage schon aufgeregt entgegen.
Kostüme mit Rautenmustern, rote oder gelbe Kragenüberwürfe, gestreifte Strümpfe und eine Kappe mit hellen Glöckchen. Für die 52-Jährige stimmt einfach das „Gesamtpaket“, erklärt sie lachend: „Ich glaube, der Kasperl-Part ums Schmarrnmachen taugt mir. Tänzer geht ja nicht als Frau und wenn ich mir nur vorstelle, ich müsste den Oberkasperl darstellen und so viel reden – dann doch lieber Jux und Tollerei und zwischendurch ein humorvoller Streich.“
Während der Tanz selbst die Gemeinschaft nach schweren Zeiten wieder zusammenbringt, sind die Kasperl eine unverzichtbare Figur in der Schäfflergruppe um Tänzer, Oberkasperl, Wagerlbuam und – dirndl sowie Reifenschwinger.
Durch ihre humorvollen Einlagen und symbolischen Handlungen halten sie die Tradition lebendig und binden die Zuschauer in das fröhliche Geschehen aktiv ein. Beim Derblecken trifft es nicht nur die Zuschauer auf den Straßen, auch die lokale Prominenz bleibt nicht verschont.
Und mit ihrer guten Laune verkörpern sie nicht nur Gaudiburschen und -madln – die Kasperl gelten auch als ganz besonderer Glücksbringer: Das Malen eines schwarzen, dicken Kohlestrichs auf die Nasen der Zuschauer soll nämlich Fortuna herbeilocken. Marina Birkhof