Wasserburg am Inn – Von ihrer Arbeitsstelle aus hat Wurzer den Zebrastreifen direkt vor Augen und beobachtet so manches Queren der Straße als „gefährliches Manöver“. Denn: Die Mulde zum Wassergraben am seitlichen Straßenrand stellt vor allem für Menschen mit Beeinträchtigungen, Gehhilfen, Rollatoren oder Müttern mit Kinderwagen eine Herausforderung dar.
Unebenheiten
eine Sturzgefahr
„Die Leute bleiben an den Unebenheiten hängen und brauchen Hilfe, damit sie die andere Straßenseite sicher erreichen. Das ist schon lange ein Thema und nichts passiert. Ein Wunder, dass nicht mehr Menschen dort stürzen. Kann diese Mulde zum Wasserablauf nicht begradigt werden?“
Auf diese Bitte hatte Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann eine eher ernüchternde Antwort. Denn: Um diese Problematik zu verbessern, müsste die gesamte Straße aufgerissen und umgebaut werden, um die Bewässerung zu ändern.
Natürlich liege der Stadt am Herzen, die Gassen und Straßen möglichst barrierefrei zu gestalten, aber: „Wir brauchen diese Kante für die Wasserführung, sonst läuft es nicht mehr ab und es gibt eine Überschwemmung. Der Wasserablauf muss gewährleistet sein.“
Nichtsdestotrotz habe die Verwaltung dieses schwierige Thema auf dem Schirm. In der Vergangenheit wurde schon einmal versucht, durch Abfräsen der Kante eine Verbesserung zu erzielen, doch dies sei nicht zielführend gewesen. Man werde sich die Sachlage bei der nächsten Begehung mit dem Behindertenbeirat und dem Bauhof noch mal näher ansehen.
Ebenfalls nicht barrierefrei seien einige der öffentlichen Toiletten, sogenannte „faire WCs“, die von Gästen aufgesucht werden können. Wie beispielsweise in der „Backstube“ in der Hofstatt, wo sich das WC im Keller befinde. Die Anlagen am Gries seien für viele zu weit weg. Das Restaurant „La Famiglia“ habe nachmittags sowie an zwei Tagen in der Woche komplett geschlossen, sodass deren „faires WC“ nicht genutzt werden könne. Ergo: Die „netten Toiletten“ seien im Bereich der Ledererzeile Wurzer zufolge „zu wenige“. Doch auch dieses Dilemma konnte der Rat auf die Schnelle nicht lösen, in der Altstadt gestalte sich Barrierefreiheit schwierig, erklärte Herrmann. Im Seniorenratgeber, riet Friederike Kayser-Büker (SPD), finde sich eine Übersicht, wo im Stadtgebiet entsprechende WCs vorhanden seien und ob der Zugang barrierefrei sei.
Unmut über rasende E-
Scooter in der Altstadt
Ein großes Ärgernis, das auch der Stadt seit Längerem ein Dorn im Auge ist, sind E-Scooter. Wurzer erklärte, sie beobachte regelmäßig, wie die „mit Vollgas auf dem Gehweg entlang preschen.“ Sie habe dies auch schon dem Ordnungsamt gemeldet.
Doch geschehen sei bislang nichts. Zweiter Bürgermeister Werner Gartner, der in der letzten Stadtratssitzung im Jahr den erkrankten Michael Kölbl vertrat, weiß um dieses gefährliche und gleichermaßen schwierige Thema: „Ich ärgere mich da genauso. Die rasen auf rücksichtslose Art und Weise nicht nur in der Ledererzeile, sondern im gesamten Stadtgebiet. Anhalten und ansprechen ist bei der Geschwindigkeit gar nicht möglich.“ Wurzers Vorschlag, Stempen als Hindernis auf den Gehwegen anzubringen, um den Rasern den Schwung zu nehmen, stieß im Rat jedoch auf wenig Begeisterung. Schließlich strebe man den Ausbau der Barrierefreiheit an. Und wo ein Rollstuhl durchkommt, da passt der E-Scooter locker durch.
Dr. Martin Heindl (SPD) warf in den Raum, ob womöglich vermehrte Polizeikontrollen in Form einer Fußstreife der Problematik Einhalt gebieten könnten. Ob die Beamten ausreichend Personal und Ressourcen zur Verfügung haben, wagte Gartner zu bezweifeln, er versprach aber, es bei der Inspektion anzuregen.
Parkscheinautomat und
Radständer
Ein weiteres Anliegen Wurzers war es, den Parkscheinautomaten am Zebrastreifen in der Ledererzeile näher in Augenschein zu nehmen. Der nehme seit Jahren keine 10erl und 20erl, nur Euros, und sei „definitiv defekt.“ Die Stadt werde sich diesbezüglich mit dem zuständigen Ordnungsamt auseinandersetzen. Auf die Nachfrage, ob man an den ehemaligen Standorten der Telefonzellen nicht Radständer realisieren könnte, wusste Christian Stadler (Die Grünen): „Dieses Thema haben wir bereits nach einer Begehung des Kernbereichs der Altstadt auf der Agenda und soll im März angegangen werden.“
Anbieten würde sich das Wurzer zufolge am Zebrastreifen und am Kramerladen am Roten Turm. Sie ist überzeugt: „Radständer werden dringend gebraucht, da viele schon überfüllt sind von Anwohnern.“