Wasserburg am Inn – Im 16. Jahrhundert brachten die Schäffler nach der Pest den Menschen wieder Freude. Ihre Tradition als Fassbinder und Tänzer wird in Wasserburg bis heute gelebt. Die Fassl-Schlager sind ein wichtiger Teil davon und erzählen von der Geschichte und Bedeutung ihres alten Handwerks.
Vier kräftige Fassl-Schlager gehen diese Saison bei den Wasserburgern an den Start. Sepp Fürholzner aus Springlbach bei Forsting ist gleichzeitig auch Oberschäffler und mit seinen 72 Jahren einer der Ältesten bei den Wasserburger Schäfflern.
Wie Sepp Mayrhofer (60) aus Reitmehring kam er damals über die Fußballer des TSV 1880 Wasserburg zu der historischen Tanzgruppe. Im Gegensatz zu seinem Namensvetter, der der Tanzgruppe bereits seit 1977 treu ist, startete Mayrhofer erst im Jahr 1984.
Quasi als „Spätberufler“ ist der Ameranger Korbinian Hainz im Jahr 2005 zu den Schäfflern gestoßen. Zwei Ameranger haben ihn damals überredet, bereut hat der 64-Jährige seine Entscheidung nie. Das Gemeinschaftsgefühl bei den Schäfflern schätzt er sehr.
Der Tanz gilt als Zunfttanz der Schäffler. Symbolisch dargestellt wird freilich der alte Beruf des Fassbinders – auch Böttcher, Büttner oder Fassküfer genannt. Gerade in Bayern und Österreich wird das häufig im Zusammenhang mit dem traditionellen Schäfflertanz gebracht.
Mit dem Schlagen am Fass präsentieren die Fassl-Schlager mit ihren traditionellen Werkzeugen, im Takt zum sogenannten Changieren, einem spezifischen Tanzschritt, die Ausführung ihrer eigentlichen Handwerks-Arbeitsschritte beim Bau des Holzfasses. Die Schäffler waren es schließlich, die damals im Mittelalter nach der Pest den verängstigten Menschen die Freude zurückgebracht und sie mit ihrem Tanz aus den Häusern und auf die Straßen gelockt haben.
Sinnbild für Überwindung
von Not
„Die Freude ist auch heute noch groß, wenn die Musi mit den vertrauten Melodien aufspielt, die Leute aufmerksam werden, sich innerhalb kürzester Zeit sammeln und wir ihnen mit unserem Tanz ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sind sich die drei einig. Die Fassl-Schlager sind stolz darauf, als Schäffler sinnbildlich für die Überwindung von Not zu stehen. Sie setzen ein deutliches Signal, dass auf schlechte Zeiten immer auch wieder gute Zeiten folgen.
Nachdem die Schäfflertradition schon über Jahrhunderte hinweg existiert und sich bewährt hat, wird sich daran nach Einschätzung der Wasserburger Fassl-Schlager wohl auch in Zukunft nichts ändern.
Sie mutmaßen, dass höchstens die Örtlichkeiten der Auftritte variieren werden. Denn mittlerweile seien die Schäffler mit ihren Tänzern, den Wagerlkindern und dem Oberskaperl sowie den Kasperln mehr im Umland anzutreffen. Vor 45 Jahren tanzten sie noch ganze 27-mal in der Ledererzeile, das habe sich definitiv mehr auf die Region und den Wasserburger Raum ausgedehnt. Marina Birkhof