„Wichtige Meilensteine erreicht“

von Redaktion

Interview Klinikchef Thomas Ewald über Erfolge und Herausforderungen

Mühldorf/Altötting – Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender des InnKlinikums, gewährt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen Einblicke in ein bewegtes Klinikjahr. Es geht um die Krankenhausreform, die Neuaufstellung der Kliniken in Haag und Burghausen und ein Programm für junge Landärzte. Und, wie könnte es anders sein, auch das jährliche Klinikdefizit kommt zur Sprache.

Wenn Sie auf das InnKlinikum-Jahr 2025 zurückblicken, was war Ihr persönlicher Höhepunkt, was Ihr Tiefpunkt?

2025 war für das InnKlinikum ein Jahr, in dem wir wichtige Meilensteine erreichen konnten. Einer meiner persönlichen Höhepunkte war die Weiterentwicklung des Standorts Mühldorf mit dem neuen Bettenhaus, das wir im September eingeweiht haben. Der Neubau steht für moderne Strukturen, bessere Arbeitsbedingungen und eine langfristig gesicherte stationäre Versorgung in der Region. Wir konnten zweimal die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, im InnKlinikum Mühldorf begrüßen und erhielten von ihr ein großes Lob. Sie bezeichnete die Entwicklung des InnKlinikums als „großartig“ und „vorbildlich für die bayerische Krankenhauslandschaft“. Es freut uns natürlich besonders, dass die strukturellen Veränderungen, die wir seit der Fusion im Jahr 2020 vorgenommen haben, in der bayerischen Staatsregierung so positiv wahrgenommen werden. Uns ist bewusst, dass wir in den letzten Jahren zahlreiche Bereiche und jeden Standort massiv verändert haben. Dies war nur dank des sehr großen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich. Mit dieser Transformation machen wir unsere Standorte fit für die Zukunft. Wir haben die Unruhe hinter uns, die viele Kliniken noch vor sich haben. Ein Höhepunkt war sicher die gezielte Weiterentwicklung des medizinischen Angebots. Mit dem neuen „Weaning“-Angebot – der Entwöhnung von einem Beatmungsgerät – in Mühldorf, dem Aufbau der Neurochirurgie in Altötting und gemeinsamen Projekten mit den Kliniken Südostbayern, etwa dem Lungenkrebszentrum, halten wir die Behandlung komplexer Erkrankungen bewusst in der Region und vermeiden damit lange Wege für heimische Patientinnen und Patienten. Besonders freut mich auch, dass wir seit Juli 2025 ein ganzheitliches Betreuungskonzept, also die integrative Wochenbettpflege, für alle frisch gewordenen Mütter und Väter anbieten und damit die Betreuung junger Eltern familienorientiert und individuell gestalten. Einen richtigen Tiefpunkt gab es nicht, denn wir lassen uns nicht entmutigen, aber die Unsicherheit beziehungsweise fehlende Planungssicherheit durch die Krankenhausreform erfordert manchmal viel Kraft.

Das Klinik-Defizit geht zurück. Wird das InnKlinikum irgendwann schwarze Zahlen schreiben?

In den vergangenen Jahren haben wir eine klare Trendwende erreicht. Nach einem Defizit von 33,4 Millionen Euro im Jahr 2023 lag das Jahresergebnis 2024 bei minus 28,7 Millionen Euro. Für 2025 wird aktuell mit einem Defizit von 23,1 Millionen Euro gerechnet. Diese Entwicklung zeigt, dass die eingeleiteten Maßnahmen wirken. Schwarze Zahlen zu versprechen, wäre nicht seriös. Die finanziellen Rahmenbedingungen für kommunale Kliniken sind weiterhin unsicher. Ein Versorgungsangebot wie das unsere mit wichtigen Bereichen wie Geburtshilfe, Kindermedizin, Altersmedizin oder Notfallzentren ist derzeit nicht auskömmlich finanziert und damit immer defizitär. Ein realistisches und erreichbares Ziel ist jedoch, das Defizit weiter konsequent zu senken. Für 2026 ist vorgesehen, deutlich unter 20 Millionen Euro zu kommen. Erreichen wollen wir das durch weiter steigende Fallzahlen, klare medizinische Profile unserer Häuser, mehr Ambulantisierung und effizientere Abläufe.

Können Sie die Krankenhausreform kurz und knapp bewerten? Hat sie für das InnKlinikum nur negative oder auch positive Effekte?

Die Krankenhausreform hat für das InnKlinikum zwei Seiten. Positiv ist, dass Qualität, Spezialisierung und Finanzierbarkeit stärker in den Mittelpunkt rücken. Diese Entwicklung ist alternativlos und wir haben unsere Standortstrategie frühzeitig darauf ausgerichtet. Gleichzeitig bestehen weiterhin große Unsicherheiten, insbesondere bei der Finanzierung bestimmter Leistungen. Für kommunale Kliniken ist entscheidend, dass die Reform nicht zu einer strukturellen Unterfinanzierung führt und damit die Belastung für den Träger weiter steigt. Werden hier Anpassungen vorgenommen, kann die Reform auch positive Effekte für das InnKlinikum haben.

Die Häuser in Haag und Burghausen haben in den letzten Jahren umfangreiche Veränderungen erlebt. Wie sind die beiden jetzt aufgestellt? Was bieten sie den Patienten?

Haag und Burghausen haben wir bewusst von klassischen Krankenhäusern hin zu modernen Gesundheitszentren entwickelt. Der Schwerpunkt liegt heute auf ambulanter Medizin, Therapieangeboten, Kurzzeitpflege und einer engen Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir in Haag inzwischen eine 95-prozentige Auslastung des ehemaligen Klinikgebäudes erreicht haben. Auch in Burghausen sind wir auf einem sehr guten Weg. Die stationäre Versorgung wird an den Standorten Altötting und Mühldorf gebündelt. Altötting als Schwerpunktversorger und Mühldorf als Fachklinik. Für die Patientinnen und Patienten sowie einweisende Ärzte bedeutet dies klare Strukturen und ein breites wohnortnahes Angebot an Gesundheitsleistungen.

Hat das Bettenhaus an der Klinik Mühldorf seinen Betrieb mittlerweile aufgenommen?

Bei einzelnen am Bau beteiligten Unternehmen kam es leider zu Verzögerungen bis hin zu Insolvenzen, die den Umzug nach hinten verschoben haben. Dieser ist nun für März 2026 vorgesehen. Es ist uns gelungen, die Ausfälle teils durch den Einsatz lokaler Firmen auszugleichen, sonst wären die Verzögerungen noch massiver.

Was steckt hinter dem Programm „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ und welchen Beitrag dazu leistet das InnKlinikum?

Das Programm soll junge Medizinerinnen und Mediziner früh für die Arbeit im ländlichen Raum begeistern. Das InnKlinikum bietet dafür strukturierte Ausbildungsabschnitte in der Klinik, im Notfallzentrum und den Medizinischen Versorgungszentren an. Außerdem werden die BeLa-Studierenden federführend von unseren Chefärzten Dr. Stephan von Clarmann (Mühldorf) und Dr. Matthias Pfersdorff (Altötting) betreut. Sie lernen sowohl die medizinische Vielfalt als auch die Lebensqualität kennen und entscheiden sich im besten Fall später bewusst für eine Tätigkeit in unserer Region.

Christa Latta

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