Wasserburg – Gleich drei Jubiläen kann das Theater Wasserburg in dieser Spielsaison feiern. Das „Betreute Trinken“ gibt es nun seit zehn Jahren, die Theatertage werden das 20. Mal abgehalten und das Theater selbst befindet sich gerade in seiner 25. Spielsaison.
Dafür hat das Leitungsteam, bestehend aus Annett Segerer, Constanze Dürmeier und Nik Mayr, schon die ein oder andere Besonderheit für das Jahr geplant. „Wir sind im Oktober bereits mit einer großen Produktion – der „Animal Farm“ (von George Orwell, Regie: Annett Segerer) gestartet“, erklärt Segerer. Elf Personen des Theaters wirken entweder auf oder hinter der Bühne mit. Besonders ist, dass es im Frühjahr eine zweite große Inszenierung gibt: „Der Untertan“ (nach Heinrich Mann in einer Fassung von Constanze Dürmeier und Nik Mayr, Regie: Nik Mayr) wird ab 17. April gespielt. Außerdem gibt es laut Segerer noch drei kleinere Stücke.
Theater betreibt
nun die Bar
Neu seit Beginn dieser Spielzeit ist, dass das Theater nun die Bar im Haus selbst betreibt, erklärt Dürmeier. Und das ist auch gut so, finden die drei aus dem Leitungsteam. Dass Gäste vor oder nach dem Theater noch etwas trinken können, gehöre einfach dazu. Und bisher komme es gut an, sagt Segerer. „Man merkt nun, dass das Theater und die Bar eins ist.“ Besonders schön sei, dass die Gäste so untereinander einen Ort haben, um ins Gespräch zu kommen. Und so auch mit Mitgliedern des Theaters in Kontakt kommen können, erklärt Mayr.
Und genau hier sehen die drei die Handschrift des Wasserburger Theaters: nämlich nahbar zu sein und mit den Gästen in Austausch zu gehen. Früher sei es auch darum gegangen, dass sich die Art des Hauses in den Inszenierungen widerspiegle, erklärt Segerer. Nun sei es eben die Nähe zum Publikum die Handschrift. „Wir wollen Gastgeber sein und nicht im Elfenbeinturm verschwinden“, verdeutlicht sie. In den Inszenierungen spiegle sich nun mehr die Handschrift der Regie wider.
So bekäme das Ensemble auch mit, was die Gesellschaft derzeit beschäftige, sagt Mayr. Denn neben einem Bildungsauftrag gehöre es auch zu den Aufgaben eines Theaters, Denkanstöße zu setzen und Themen gemeinsam zu diskutieren, erklärt der 43-Jährige. Menschen sollen sich mit ihren Schicksalen nicht alleine fühlen, sondern bei der Vorstellung dann merken, dass auch andere gleichermaßen betroffen seien, sagt Mayr.
In den beiden großen Produktionen („Animal Farm“ und „Der Untertan“) behandelt das Wasserburger Theater auf verschiedene Weisen Themen rund um Unterdrückung in konservativen Systemen und Machtunterschiede. Dass sie hier den Zeitgeist treffen würden, zeige sich auch daran, dass die beiden Stücke in dieser Saison auch in anderen Theatern gespielt würden, sagt Mayr.
Zusatzzuschuss
für Jubiläumsjahr
Segerer, Dürmeier und Mayr sind schon seit vielen Jahren am Theater Wasserburg und führen es seit dem Tod vom ehemaligen Theater-Chef Uwe Bertram in Jahr 2022. Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre hat sich viel geändert, sagen die drei. „Früher gab es beispielsweise den Lohn am Wochenende in einem Briefumschlag in Bar“, erinnert sich Mayr. „Jetzt haben wir elf sozialversicherungspflichtige Angestellte“, sagt er sichtlich erfreut. Und das sei ein „riesiger Befreiungsschlag“, betont Segerer. Als Schauspieler müsse man so nicht noch verschiedene Nebenjobs machen, könne sich auch mal krankmelden und sammle Rentenpunkte, sagt die 48-Jährige.
Durch die finanzielle Absicherung bleibe so auch mehr Raum für die Kunst, erklärt Segerer. Dem stimmt Mayr zu, denn „so etwas wie ‚Der Künstler muss arm sein‘ ist völliger Quatsch“, sagt er. Auch dem Leitungsteam verschaffe das mehr Freiheit, sagt Dürmeier.
Das Theater Wasserburg sei eines der wenigen privaten Häuser in Bayern, das ihre Schauspieler anstellen könne, sagt Segerer. Das liege zum einen an Mayrs Rechenkünsten, und zum anderen am treuen Publikum aus dem Altlandkreis Wasserburg, erklärt sie. Das Theater bekomme aber auch Förderungen vom Land und der Stadt, sagt Dürmeier. Zudem profitiere das Haus von einer guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung, sagt die 40-Jährige. Für das Jubiläumsjahr hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung sogar einen Zusatzzuschuss von 10.000 Euro genehmigt. Insgesamt plant das Theater 15 Produktionen für die Saison. Vom 18. bis 28. Juni finden die Wasserburger Theatertage statt.