Haag – Ab Januar tanzen sie wieder: Die Haager Schäffler stehen in den Startblöcken für die nächste Tanzsaison. Um die Originalität der Auftritte zu gewährleisten, war vor dem Start allerdings noch eine außergewöhnliche Mission nötig.
Eine Reise zur
Rettung der Tradition
Eine Herausforderung für eine der wichtigsten Voraussetzungen des traditionellen Schäfflertanzes wird zunehmend der Buchsbaum für die Tanzbögen. In Bayern sind viele Bestände inzwischen vom Buchsbaumzünsler befallen, gesunde Pflanzen werden immer seltener. Ohne Buchs jedoch kein Tanzbogen – und damit kein originaler Schäfflertanz.
Um dieses Problem zu lösen, machten sich vier Mitglieder der Haager Schäffler auf eine Reise in das 350 Kilometer entfernte Thüringen: Gerhard Schuster, Alexander Peiker, Robert Häusler und Alexander Bachmeier.
Spontane Begegnung mit örtlicher Blaskapelle
In Thüringen, so brachten sie in Erfahrung, gäbe es den Buchsbaumzünsler bislang nicht. Warum das so ist, konnte niemand sagen. Der Buchs ist dort jedenfalls noch gesund. Mit dem Ziel, den Fortbestand des jahrhundertealten Brauchs zu sichern, holten die vier Schäffler geeigneten Buchs für ihre Tanzbögen. Die Alternative hätte im Rückgriff auf künstlich gefertigtes Material bestanden.
Die außergewöhnliche Schäfflertour wurde dann allerdings mehr als eine Buchsbeschaffungsfahrt. Bei der Einkehr in einem Wirtshaus in Merbelsrod kam es zu einer spontanen und herzlichen Begegnung mit den Einheimischen und der örtlichen Blaskapelle.
In geselliger Runde entwickelte sich ein besonderer kultureller Austausch: Die Merbelsroder Blaskapelle studierte kurzerhand das Schäfflerlied der Haager ein.
Traditionstanz
präsentiert
Darauf präsentierten die vier Haager Schäffler den Anwesenden ihren traditionellen Tanz. Dadurch erhielten die Thüringer nicht nur einen lebendigen Einblick in gelebtes bayerisches Volksbrauchtum, sondern erfuhren so manches über die Tradition des Schäfflertanzes.
Als Zeichen des Dankes für die Unterstützung und die überlassenen Buchsbäume überreichten die Haager Schäffler den Gastgebern ihr eigenes Haager Schäfflerbier und freuten sich selbst über eine gelungene Aktion: Sie diente nicht nur der Beschaffung des Buchs, sondern ließ eine nette Bekanntschaft entstehen.
Neues Kapitel
in der Chronik
Diese Mission beweist, dass Brauchtum nicht nur von alten Regeln lebt, sondern Begegnungen über Grenzen hinweg schaffen kann. Eines steht nach Vereinsangaben außerdem fest: In der mittlerweile über 100-jährigen Geschichte haben Alexander Bachmeier, Robert Häusler, Gerhard Schuster und Alexander Peiker ein ganz neues Kapitel in die Schäfflerchronik geschrieben.