Wasserburg – Kindergarten, Grundschule, Feuerwehrhaus: In der Bürgermeister-Schmid-Straße in Reitmehring ist viel los. Zu viel, wie Nele Köster findet. Eines der beiden Kinder von Köster geht dort in die Grundschule. Grundsätzlich, sagt die Mutter, ist sie höchst zufrieden mit der „herausragenden Schule“. Wäre da nicht die Verkehrssituation vor Ort. Diese sei nämlich „brandgefährlich“.
Hohes Verkehrsauf-
kommen am Morgen
Köster spricht von einem hohen Verkehrsaufkommen zwischen 7.45 und 8.10 Uhr. „Es ist einfach so, dass nicht alle Kinder alleine zur Schule gehen können“, sagt die Mutter. Die Grundschule Reitmehring habe ein vergleichsweise großes Einzugsgebiet, viele Kinder müssten von weiter hergebracht werden. Auch sie selbst bringe ihren Sohn gelegentlich auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto zur Schule. Das Problem allerdings: Die Infrastruktur vor Ort sei nicht geeignet.
Keine Entlade- oder
Kurzparkzone vorhanden
„Es fehlt eine ausgewiesene Entlade- oder Kurzparkzone, wo die Kinder aussteigen können“, sagt Köster. Diese sei aber ihrer Meinung nach dringend nötig, denn gerade bei Krippen-, Kindergartenkindern, und oft auch bei Erstklässlern sei es nötig, sie bis zur Einrichtung zu begleiten. Verschärft werde die Situation zusätzlich durch eine eingeschränkte Haltzone von sieben bis 18 Uhr wegen der Wertstoffinsel. Die Folge: Fahrzeuge würden in einer zweiten Fahrspur parken, wodurch die Straße faktisch einspurig werde. Eltern, die ihre Kinder mit dem Pkw bringen, müssten sich gleichzeitig mit dem Schulbus und weiteren ankommenden Fahrzeugen den Weg teilen. Dadurch komme es immer wieder zu einem „absoluten Verkehrschaos“, wie Köster sagt.
Köster kritisiert aber nicht nur die schwierige Situation mit den Pkw, auch der restliche Schulweg sei gefährlich. „Es gibt auch keinen Zebrastreifen vor der Schule, der Überquerungen sicherer machen würde, und auch ein durchgehender Fahrradweg fehlt“, sagt Köster. Insgesamt ergebe sich dadurch eine unsichere Verkehrssituation, insbesondere für die Kinder.
Sie und weitere Eltern von Grundschulkindern haben deshalb einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats und die Stadtverwaltung geschrieben, der auch der Redaktion vorliegt. In diesem fordern sie unter anderem, die Einrichtung eines Fahrradwegs, die Schaffung einer Kurzpark- oder Entladezone, die Möglichkeit eines Wendebereichs beziehungsweise die Verlegung der eingeschränkten Haltezone, um eine freie Verkehrslage zu schaffen, und die Einrichtung eines Zebrastreifens. Denn: „Mich wundert es ehrlich, dass nicht schon mehr passiert ist“, sagt Köster. An manchen Tagen sei die Situation vor Ort ein „wahres Spektakel“.
Auch im Bauausschuss war die Verkehrssituation in Reitmehring aufgrund des Schreibens bereits Thema. Hauptsächlich Heike Maas (CSU) hatte dies eingebracht. In der Dezember-Sitzung des Ausschusses erklärte sie, dass sie sich die Situation vor Ort angeschaut habe und ebenfalls ein Chaos beobachtet habe, das dringend behoben werden müsse. Auch sie betonte, dass es sich nicht unbedingt um vermeidbare Elterntaxis handle. Schließlich seien in Reitmehring inzwischen zwei Krippengruppen untergebracht. Hierbei handle es sich um Kinder, die von den Eltern in die Einrichtung gebracht werden müssten.
Im Bauausschuss und auf Anfrage bestätigt auch Bürgermeister Michael Kölbl (SPD), dass das Problem in der Stadtverwaltung bereits seit Längerem bekannt sei. Neben den Eltern hatte sich auch der RVO an die Verwaltung gewandt, da teilweise für die Busse an der Ecke Bahnhofsstraße wegen parkender oder haltender Autos kein Durchkommen mehr gewesen sei. Seitdem werde an einer Lösung gearbeitet. Ein großes Problem würden dabei allerdings die Grundstücksverhältnisse vor Ort darstellen, denn die Stadt selbst besitze keine weiteren Flächen außer den bereits von Kindergarten, Grundschule und Feuerwehrhaus bebauten. Die Möglichkeiten seien also eingeschränkt.
Schraffurbereich
geplant
Als kurzfristige Lösung plane die Stadt aber, im Einmündungsbereich der Bahnhofstraße einen Schraffurbereich hinzuzufügen, um hier ein Parken zu verhindern und ein Durchkommen für die Busse zu ermöglichen. Zudem werde diskutiert, ob tatsächlich die Wertstoffinsel verlegt werden könne. „Das sind allerdings noch vage Überlegungen, die noch nicht ausgereift sind“, betont Kölbl. Aber auch an einer langfristigeren Lösung werde gearbeitet. Die Stadt sei bereits in ersten Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern, um Flächen für eine mögliche Kurzparkzone zu pachten oder zu kaufen.
„Zebrastreifen“
vermittelt Scheinsicherheit
Auch der geforderte Fahrradweg hänge von dem Ausgang dieser Verhandlungen ab. Eine Absage erteilt Kölbl allerdings dem gewünschten Zebrastreifen. Diese seien inzwischen auch von den Verkehrsbehörden nicht mehr gewünscht, da sie eine sogenannte „Scheinsicherheit“ beim Queren der Straße vermitteln würden. Möglich sei allerdings eine Querungshilfe. „Aber auch da scheitert es derzeit an den Grundstücksverhältnissen“, so Kölbl.