Mühldorf – Solistenstücke, Filmmusik, Medleys oder auch nur ein ganz gewöhnlicher Marsch: Josef Terre, seit 30 Jahren Mentor aller jugendlichen Musiker der Altmühldorfer Blaskapelle, hatte mit seiner Jugendblaskapelle wieder ganz tief in der Notenkiste gekramt und abwechslungsreiche Stücke herausgezaubert, die einmal mehr die hohe Qualität des Altmühldorfer Nachwuchses unter Beweis stellten.
Nachdem sich die Jungmusiker, kurz JuMus, mit dem „Andulka-Marsch“ warmgespielt hatten, hörten die Gäste in der voll besetzten Altmühldorfer Turnhalle auch gleich das erste Solostück. Benedikt Braun überzeugte dabei mit der Trompete bei „Ciribiribin“ von Alberto Pestalozza auf ganzer Linie.
Wie man einen Drachen zähmt, weiß Dirigent Terre vielleicht nicht, dass er aber sein fast 40-köpfiges Ensemble – so viele wie noch nie – sicher durch anspruchsvolle Stücke führen kann, zeigte er bei der Filmmusik von „How to Train Your Dragon“ von John Powell.
Swingende
Saxofonistinnen
Herrlich harmonisch der „Second Waltz“ von Dimitri Shostakovitch, dessen melancholisch-schwebender Charakter sensibel herausgearbeitet wurde, bevor sich die Saxofonistinnen Emma Forster, Josefine Enzinger, Karolina Schmid und Hanna Zwirner als „Sax Swingers“ mit Spielfreude, Präzision und swingender Leichtigkeit präsentierten.
Ein Hauch von Italien und kubanische Lebensfreude spiegelten sich dann in den beiden Medleys „Italo Pop Classics“ und „Night in Havana“ wider, bevor die Jugendlichen mit der Polka „Grenzenlos“ ein furioses Finale hinlegten. Das letzte Scheinwerferlicht im ersten Teil des Konzertes gehörte Saxofonistin Emma Forster, die stilistisch einwandfrei „Can‘t Help Falling In Love“ in ihr Alt-Saxofon hauchte. Die Jugend hatte also geliefert, im zweiten Teil kamen die aktiven Musiker zum Zug, wobei sich viele der JuMus auch hier schon einen Stammplatz ergattert hatten. Seinen Stammplatz vorn am Dirigentenpunkt hat seit 25 Jahren Sepp Eibelsgruber, der ebenfalls wieder ein abwechslungsreiches Programm aufgelegt hatte.
Mit einem „Charakterstück“ in Danzl-Musi-Manier besangen die Aktiven mit stimmgewaltigem Temperament ein „Hoch auf d‘ Hoamat“, bevor es konzertant mit der „Fest-Ouvertüre“ von M. Böhmer weiterging. Notenmaterial, das wohl schon seit 100 Jahren in den Tiefen des Notenarchivs geschlummert hatte, wie es dazu in der Mehrzweckhalle hieß.
Mehr als 100 Jahre lang gibt es die Schäffler vom TSV Mühldorf, die während des Konzertes aufmarschiert sind und für die Tanzzeit 2026 warben, die am 10. Januar beginnt. Die Tanzsaison vor zwei Jahren habe als symbolisches Ende der Corona-Pandemie außertourlich stattgefunden. Jetzt befände man sich wieder im normalen Turnus, erklärte Schäfflermeister Stefan Schörghuber.
Einstimmung auf
den Wahlkampf
Als Einstimmung auf den bevorstehenden Wahlkampf gab es dann den Rocky-Filmklassiker „Gonna Fly Now“ von Bill Conti zu hören. Vier Musiker, stellvertretend für die Bewerber-Parteien, standen sich als Boxer auf der Bühne gegenüber und persiflierten damit die bevorstehenden Auseinandersetzungen vor der Kommunalwahl – glücklicherweise ganz ohne blaues Auge und ohne einen Sieger zu küren.
In heimatliche Gefilde verschlug es die Kapelle bei Franz Sprenzingers „Böhmisch, ein Stück vom Glück“ und bei „Bei aller Liebe“, das aus der Feder des Musemoasters Sepp Eibelsgruber stammt.
Einen Paso Doble gab es bei „Espana Cani“ („Malerisches Spanien“) zu hören, bevor es modern wurde. Barbara Hein, Julian Käsmeier und Michael Woidich machten sich gesanglich auf die Suche nach einem „Edelweiss“, ein temperamentvolles Lied von den „Fäaschtbänklern“, das darin gipfelte, dass Woidich und Käsmeier einen bizarren „Arschplattler“ hinlegten. Bizarr deshalb, weil sie dabei auch sangen. „Don‘t Stop Believin‘“ von Journey war ein gelungener Ausflug in die frühen 1980er-Rockjahre, bevor das Konzert mit „Wien bleibt Wien“ von Johann Schrammel vor einem begeistert mitklatschenden Publikum ausklang. Geehrt wurden am Ende nicht nur die beiden Dirigenten für ihr jahrzehntelanges Engagement, sondern auch der Vorsitzende Sepp Bernhart, der seit dem Tod von Alois Wilhelm vor 30 Jahren die Geschicke der Blaskapelle lenkt und Wegbereiter dafür war, dass vor allem im Nachwuchsbereich der Verein so gut dasteht wie nie zuvor.
Stehende Ovationen waren Bernhart damit sicher. Wertschätzende Worte über Bernharts aufopferungsvollen Dienst im Verein gab es dazu von seinem Stellvertreter Michael Woidich, der darauf hinwies, dass sich die Vorstandschaft bei der nächsten Jahresversammlung im April 2026 verjüngen würde. Als möglichen Nachfolger Bernharts stellte er Stefan Schmid vor.
Nächstes Jahr heimatlos – wo soll gespielt werden?
Bernhart wies darauf hin, dass es das 52. Neujahrskonzert der Blaskapelle gewesen sei, vorher beim Braun-Wirt seit 1977 in der Turnhalle, die jetzt erneut umgebaut werden soll. Wo, und ob es 2027 ein Neujahrskonzert geben wird, steht noch nicht fest.
Bürgermeister Michael Hetzl sprach in seinem Grußwort zum neuen Jahr davon, dass der Umbau der Schule ab August 2026 erfolgen werde. Er rechne mit einer Umbauzeit von mindestens eineinhalb Jahren. Man werde sich zusammensetzen und darüber reden, welche alternativen Standorte für ein Konzert infrage kommen könnten.