Haag – Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Termine gebucht, die Buchsbögen gebunden: 30 Haager Schäffler und acht Kasperl fiebern nun dem ersten Einsatz entgegen. Am morgigen Samstag beginnt die 15. Schäfflersaison des TSV 1864 Haag: um 11.15 Uhr am Marktplatz mit dem Premieren-Tanz.
Sepp Herzog
neu auf dem Fass
Das Schäfflerjahr trifft diesmal auf eine kurze Faschingssaison. Trotzdem melden die Haager wieder eine Rekordbuchung von 170 Einsätzen. „Die Privatleute sind sehr engagiert“, betont Schäfflermeister Sepp Herzog. Einige Schäfflergenerationen haben das gute Verhältnis zu den Haager Bürgern vorbereitet. So fehlt im Tanzkatalog 2026 auch keine Haager Firma.
Neu aufs Fass steigt Sepp Herzog, der die Haager Tradition wahren will, nach der alle sieben Jahre der Schäfflermeister wechselt. Das konnte in der Praxis nicht immer eingehalten werden.
Orientierung am
Münchener Vorbild
Die Haager orientierten sich 1909 am Münchener Vorbild, als Georg Jäger Schäfflermeister war. Ihm folgte im Jahre 1927 Julius Rößler. Während des Ersten Weltkriegs wurde nicht getanzt. 1935 trat Eduard Schwarzenbauer als Chef der Truppe an. Nach der Tanzpause im Zweiten Weltkrieg bestieg 1949 Matthias Wimberger das Fassl. Seit diesem ersten Nachkriegstanz konnte der Turnus von sieben Jahren bis heute eingehalten werden. 1956 wurde Fritz Wanger Schäfflermeister. 1963 führte der Mair-Naz die TSV-Tänzer, mit dabei waren Heini Posch, Philipp Volk, Hans Kranzmayr, Anderl Sturz und Günther Teichmann. Sebastian Huber folgte 1970 auf dem Fass. 1977 schwang der Hofgartenwirt Hans Kranzmayr den Reifen, im Gefolge der „Fisch“, Franz Jakuschak, Josef Neugebauer, Hans Lipp, Gust Schober und Walter Wimmer. Sieben Jahre später übernahm Heini Posch das Kommando, das er auch 1991 ausübte. Sein Nachfolger auf dem Fassl war Walter Wimmer. In den Jahren 2005 und 2012 übernahm Wolfgang Obermaier den Reif. 2019 war Karl Heinz Zaulig Schäfflermeister. Über die Motivation seiner Truppe braucht sich Sepp Herzog keine Sorgen machen: Jeder Tanzschritt wurde in monatelangem Training in der alten Turnhalle einstudiert. Jetzt heißt es nur noch: „Alle sind heilfroh, wenn es losgeht.“ Und das ist am Samstag.
Wegen der kurzen
Saison unter Druck
Pfarrer Pawel Idkowiak eröffnet die Saison mit dem traditionellen Schäfflergottesdienst. Die Ramsauer Trachtenblaskapelle, die treuen musikalischen Begleiter der Haager Schäffler seit Jahrzehnten, umrahmt die Messe. Dann werden die Ehrentänze vor dem Rathaus und vor dem Pfarrhof den Auftakt setzen.
Mehr als zu früheren Auftritten diktiert diesmal der Terminplan. „Ich hoffe, die Leute haben Verständnis, dass wir wegen der kurzen Saison unter Zeitdruck stehen“, so Schäfflermeister Sepp Herzog. Oberste Devise bildet auch in Haag die allgemeine Schäfflermission, „dass sich die Leute freuen, wenn wir kommen.“ Das Vorbild für Bayern lieferten einst die Münchener, die sich 1413 nach der Pest als erste auf die Straße wagten und die Menschen mit ihrem Tanz aufmunterten. Damals schon dabei: die „Gretl“ als weiblicher Spaßvogel im Schlepptau der Tänzer. Für die Haager ist diesmal Karin Lipp zum zweiten Mal Kasperl-Chefin. Ihr obliegt die nicht einfache Aufgabe, die berühmten „Verserl“ zu formulieren, die dann vom Fass herunter ganz öffentlich über den Tanzbesteller verkündet werden. Ihr zur Seite steht neben den weiteren Kasperln vor allem Michael Göschl. Klopfer der Saison sind Richard Kern und Karl Heinz Zaulig, Kreuzerlträger ist Alex Nagerl.
Für das Erfolgsrezept der Haager ist Schäfflermeister Sepp Herzog der lebende Beweis. Er begann 1984 als „Wagerlbua“ im Alter von 14 Jahren. 1991 war er Kasperl, 1998 Oberkasperl, dann wieder Oberkasperl, Klopfer und heute Schäfflermeister. „Alte Hasen“ – diesmal zum Beispiel Peter Depta, Richard Kern, Robert Häusler, Anton Obermaier – lernen die Jungen an.
Nachwuchs aus
Schäfflerfamilien
Und der Nachwuchs formiert sich meist aus Familien, aus denen bereits Schäffler hervorgegangen sind. Dafür stehen neben anderen Seppi Herzog und Valentin Lipp. Und somit bleibt gesichert, dass noch weitere Generationen Haager zum Schäfflerjahr das vertraute „Aba heid is koid …“ vernehmen.