Babensham – Der 52-jährige Gastronom Oliver von Carnap übernimmt die Nachfolge von Carina Gangkofer und Florin Neagu, die sich aus persönlichen Gründen zur Aufgabe der Location am Penzinger See entschieden haben.
Damit ist das „Green 18“ endgültig Geschichte. Von Carnap legt Wert darauf, den ursprünglichen Namen, der in breiten dunklen Buchstaben den Eingang ziert, zu erhalten: „Das ‚Seehaus‘ kennen die Leute, und im Idealfall heißt es bald einfachheitshalber: ‚Gehen wir zum Olli‘.“
„Lage mit Seezugang
phänomenal“
Ob er dieses Ziel erreichen wird, hängt davon ab, wie der Betrieb in der kleinen Ortschaft anläuft. Von Carnap ist zuversichtlich: „Ich bin so gestrickt, dass es mir mit nur einer Aufgabe nach wenigen Jahren fad wird. Das ‚Steghouse‘ in Gstadt führe ich seit fünf Jahren. Daher freue ich mich sehr auf mein zweites Standbein in Penzing und auf die neue Herausforderung. Die Lage mit Seezugang ist phänomenal.“
Auch bei Verpächter Martin Huber macht sich Erleichterung breit: Für ihn ist es ein „Riesenglück“, dass er von Carnap für das „Seehaus“ gewinnen konnte. „Wir freuen uns sehr, dass es so schnell weitergeht mit dem Restaurant. Ich denke, Olli passt gut rein in das Ganze.“
Vom „Steghouse“ am Chiemsee zum Penzinger „Seehaus“: Wasser hat es ihm wohl angetan, möchte man meinen. Doch von Carnap schüttelt energisch den Kopf: „Als Kind bin ich in der Nähe einer Mühle groß geworden und ein paar Mal beinahe ertrunken. Wenn ich nicht rein muss, ist Wasser cool. Ich liebe es, direkt am Chiemsee zu wohnen.“
Von Carnaps Wohnung befindet sich oberhalb seines Restaurants in Gstadt. Dort lebt er zusammen mit dem „Steghouse“-Team in einer WG. „Fluch und Segen zugleich, so nah am Arbeitsplatz zu wohnen. Aber das ist auch noch mal eine ganz andere Art von Teambildung“, betont er lachend. Gleichzeitig schätzt er die Nähe zum See: Hier lässt es sich mit Blick aufs Bayerische Meer gerade am Morgen, bevor der Trubel anfängt, in Ruhe entschleunigen und entspannen.
Für seine „Steghouse“-Mannschaft legt er die Hand ins Feuer und so wird der Betrieb am Chiemsee parallel weiterlaufen. Für von Carnap wiederum ist es spannend zu sehen, wie die Leute ihn als neues Gesicht des „Seehauses“ und die bayerisch-italienische Küche annehmen werden. Er plant quasi ein „Dolce Vita Penzing“.
Startschuss
noch im Januar
Der Zeitrahmen ist eng gesteckt: Die Neueröffnung hat von Carnap vage angesetzt für den 21. Januar – sofern alles nach Plan läuft. Am 23. Januar möchte er die umliegende Nachbarschaft und Vereine einladen, um sich persönlich und sein Konzept näher vorzustellen.
Dabei wird es einen Auszug aus der Karte geben, die er im Allgemeinen eher kleiner und dafür saisonal halten möchte: Im Fokus stehen bei ihm regionale, qualitativ hochwertige Lebensmittel. Das Fleisch aus Amerang, der Fisch aus dem Chiemsee. Italienische Zutaten kommen natürlich direkt aus dem Ursprungsland.
Das Angebot im Restaurant wird sich von den Speisen am Kiosk abheben: Wird für die Badegäste Schnitzel mit Pommes auf der Karte stehen, so gibt es im „Seehaus“ Piccata milanese, führt von Carnap als Beispiel an.
Auch der integrierte Pizzaofen findet weiter Verwendung: Künftig werden hier neapolitanische Pizzen gebacken.
Von Carnap sieht viel Potenzial in der Location am See, die von Bäumen, Sträuchern und den Umkleiden umfriedet ist. Brass-Festival, Blasmusik-Konzerte und ein Biergarten direkt neben dem Kiosk – er hat einige Vorstellungen für die nahe Zukunft. Das „Steghouse“ punktet schließlich seit Jahren auch mit „Special Events“.
Doch zunächst möchte von Carnap in Penzing ankommen und sich in das „Seehaus“ hineinfühlen. Er ist gespannt, inwiefern es ihm gelingt, seine vielseitigen Gastro-Erfahrungen der letzten 35 Jahre nach Penzing zu adaptieren. Denn der ehemalige Münchner weiß: Jede Location, jedes Publikum und jedes Personal ist anders. Essenziell ist es, authentisch zu bleiben.
„Die Kunst besteht darin, zuzuhören, was die Leute sich wünschen, und darauf zu reagieren. Ich möchte meine Ideen so gestalten, dass sie angenommen werden. Um beim Beispiel See zu bleiben: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, schließt von Carnap mit einem Augenzwinkern.