Sehen und gesehen werden

von Redaktion

Sehen und gesehen werden, nie gilt das so wie in Wahlkampfzeiten. Entsprechend groß war der Aufgalopp beim Mühldorfer Stadtball.

Die Marschgarde der Inntalia bei ihrem Auftritt am Mühldorfer Stadtball.

Mühldorf – Dass es so kommen sollte, war keine Überraschung: Der Mühldorfer Stadtball 2026, die erste große Veranstaltung im Jahr 2026, war bis auf den allerletzten Platz auf der Empore ausverkauft. Zu den Gästen, die den Ball Jahr für Jahr zu einem ausgelassenen Auftakt ins neue Jahr nutzen, gesellten sich heuer viele, die bei der Kommunalwahl im März ein Amt im Rathaus oder Stadtrat anstreben.

Ein Abend mit voll besetzten Partei-Tischen, Tänzerinnen und Tänzern, die bisher eher selten das Parkett bevölkerten, Bargesprächen, in denen es immer wieder um die eine Frage ging: Wer wird es denn? Der, der es ist, eröffnete den Ball zusammen mit Inntalia-Präsidentin Sandra Zellhuber. Bürgermeister Michael Hetzl freute sich am Samstagabend im Mühldorfer Stadtsaal noch sehr, den Stadtschlüssel aus seiner Hand in fremde Hände legen zu dürfen.

Das, so viel sei vorausgesagt, wird er in drei Monaten mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Aber noch war Lässigkeit angesagt. Entspannt wie er, waren auch seine beiden größten Kontrahenten. Claudia Hungerhuber und ihr Mann Edwin genossen den Ballabend, auch Stefan Lasner und seine Frau Daniela drehten manche Runde auf dem Parkett.

Erster Walzer
vom Prinzenpaar

Neue, aber zeitlich befristete Besitzer des Stadtschlüssels sind Prinzessin Geli Reichgruber und ihr Prinz Markus Simmet. Nicht von unten durch die Eingangstür betraten sie den Tanzsaal, sondern stiegen elegant die lange Treppe von der Empore hinunter. Er als Biest, sie als gelb-goldschimmernde Schöne, als Belle, aus dem Musical. Die Mühldorfer Musikerin Sophia Stadler begleitete sie mit zarten Tönen aus dem Musical-Prolog auf ihrer Harfe, bevor die beiden den Prinzenwalzer zeigten.

Kurz vor Mitternacht dann der stark beklatschte Auftritt der Dance Nation. Die Garde der Inntalia fügte ihren Choreografien der vergangenen Jahre unter der Leitung des Trainerteams um Lena Baldt ein neues Glanzlicht hinzu.

Ihr Programm „Zurückgespult und neu geschrieben“ gab den Rahmen für dynamische Tänze und athletische Hebefiguren. Baldt ist es ausgezeichnet gelungen, auch den vier Männern ihr tänzerisches Potenzial zu entlocken. Die Trainerin selbst tanzt mit bestem Beispiel voran.

So ging es bis tief in die Nacht, bevor die Gäste den Heimfahrservice nutzten: Eine lange Schlange vor dem Fotoautomaten, Gedränge an der Bar und auf der Tanzfläche, große Pralinen auf den Tischen, die dank flüssiger Füllung viele überraschten und beim Abbeißen für manchen Fleck sorgten, freundliche und fleißige Kellnerinnen und Kellner, eine gute Auswahl an Speisen – es war ein unterhaltsamer Abend.

Wintergarten für
ruhigere Gespräche

Erfreulich: Heuer war zusätzlich zur Bar im Foyer der Wintergarten wieder geöffnet, ein ruhigerer Ort samt Bar, den manch einer nutzte, um der sehr lauten Musik der Band „Smile“ für einen Moment zu entfliehen und bei etwas ruhigeren Gesprächen den Abend voranschreiten zu lassen. Überhaupt, so hieß es häufiger im Saal und an der Bar, dürfte die langjährige Tanzkapelle des Mühldorfer Stadtballs ihr Repertoire erneuern. Zu vielen der gehörten Lieder tanzen die Mühldorfer schon seit fast 15 Jahren.

Neben all den üblichen Ballbesuchern, den Möchtegern-Stadträten und -Bürgermeistern, tanzten sich viele jüngere Menschen durch die Nacht.

Wenn sie auch in den kommenden Jahren dabei bleiben, nachdem sich der Vorwahl-Hype gelegt hat, muss einem um den Mühldorfer Stadtball so wenig bange sein wie Belle-Geli vor ihrem zunächst doch recht grob dreinschauenden „Biest Markus“.

Denn der entpuppte sich im Laufe des Abends als freundlicher Prinz, der mit seiner temperamentvollen Prinzessin Geli der Stadt einen schwungvollen Fasching bescheren wird. Bevor sie nach einem letzten triumphalen Auftritt beim großen Faschingszug über den Stadtplatz die ganze Aufmerksamkeit dem Wahlkampfendspurt überlassen werden.

Denn nicht einmal vier Wochen danach klärt sich die Frage, wer den Rathausschlüssel in den kommenden sechs Jahren halten wird. re

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