Mühldorf – Unter einer Bude der Mühldorfer Altstadtweihnacht spitzt eine Ratte hervor. Sie sondiert die Lage, läuft heraus und auf demselben Weg wieder zurück unter den Holzbau. Diese Szene zeigt ein Video, das ein Leser den OVB-Heimatzeitungen rund um den Jahreswechsel zugeschickt hat.
In der Redaktion sorgte der Anblick dieser Ratte bei einigen für angeekelte Reaktionen und für die Frage, ob Mühldorf etwa ein größeres Rattenproblem hat und sich noch mehr dieser Nagetiere in der Stadt herumtreiben.
Tiere werden von
Nahrungsresten angelockt
„Das Video und Beobachtungen auch aus dem Rathaus zeigen, dass mindestens eine Ratte während der Altstadtweihnacht auf dem Stadtplatz präsent war“, sagt dazu Werner Kurzlechner, Pressesprecher der Stadt. „Das kommt sowohl während der Adventsmärkte vor als auch unter den Sommerterrassen der Cafés und Restaurants am Stadtplatz.“
Die Tiere würden immer von Essensresten angelockt. „Sie nisten aber nicht unter den Buden und Terrassen“, betont Kurzlechner, „sondern kommen aus der Innböschung und dem Kanal.“ „Ratten werden dann bekämpft, wenn sie auftauchen, also bei Bedarf und Anfall“, erläutert Kurzlechner.
„Die Altstadtweihnacht war diesbezüglich eine Ausnahme, denn dort waren vorsorglich Köderboxen aufgestellt.“
Damit Marktbuden oder der Terrassenbetrieb der Gastronomie am Stadtplatz keine Ratten und Mäuse anlocken, reinigt der städtische Bauhof den Stadtplatz täglich. Denn, so der Stadtsprecher: „Leider reichen als Nahrungsquelle oftmals schon Essenskrümel, die beim Verzehr der Speisen herunterfallen.“
Sowohl am Mühldorfer Klärwerk als auch im Bauhof hat die Stadt Sachkundige für Nagerbekämpfung beschäftigt: „Diese Kollegen haben eine entsprechende Prüfung abgelegt und absolvieren turnusmäßig die vom Gesetzgeber geforderten Nachschulungen.“ Es gehen auch immer wieder Meldungen von Bürgern im Rathaus ein, denen konsequent nachgegangen werde. Eine Meldepflicht bei Rattensichtungen besteht aber nicht. Die Lage in der Stadt Mühldorf unterscheide sich nicht von der in den umliegenden Gemeinden und Städten im Landkreis Mühldorf.
Auch Bürger können einiges dazu beitragen, dass Ratten sich nicht weiter ausbreiten. „Private Komposthaufen sind oftmals Brutstätten und Nahrungsquellen für Ratten“, gibt Kurzlechner zu bedenken. Deshalb sollten Lebensmittelreste auf keinen Fall dort entsorgt werden.
„Für Lebensmittelreste sind die braunen Mülltonnen an den Containerstandorten vorgesehen. Grundsätzlich sollten auch keine Essensreste in der Natur hinterlassen werden.“ Ratten im Kanalsystem ernähren sich übrigens von Speiseresten, die in der Toilette hinuntergespült werden.
Der Verbraucherschutz rät: „Biotonnen und Komposter sollten regelmäßig auf Anzeichen von Rattenbefall überprüft werden.“ Denn Ratten und auch Mäuse nagen sich durch den Kunststoff der Tonnen, um an entsorgte Speisereste zu gelangen.
Auch Lebensmittel- oder Tiernahrungsreste in beseitigten Verpackungen im Gelben Sack locken die Nager an. Ebenso Speisereste, pflanzlich oder gekocht, die auf den Kompost geworfen werden, selbst, wenn man sie vorher in Zeitungspapier verpackt.
Auch auf das Entenfüttern im Park sollte verzichtet werden. Denn es bleiben meist Futterreste zurück, die wiederum für Ratten und Mäuse ein gefundenes Fressen sind.
Laut Umweltbundesamt kann ein Rattenweibchen bis zu sechsmal im Jahr durchschnittlich jeweils acht Junge zur Welt bringen.
Diese sind nach zwei Monaten geschlechtsreif und können sich selber fortpflanzen. Ein anfänglich kleiner Rattenbefall kann sich daher relativ schnell ausweiten.