Wasserburgs Bauern in großer Sorge

von Redaktion

Vor 25 Jahren BSE und das Aus der Landwirtschaftsschule sorgten 2001 zu Jahresbeginn für Existenzängste

Wasserburg – Die Rinderseuche BSE sorgte zu Beginn des Jahres 2001 für Aufregung vor allem im Bereich der Landwirtschaft. Das zeigte sich auch auf der Versammlung der Viehzuchtgenossenschaft Wasserburg.

Vor allem die Forderung nach Datenschutz wurde dort dabei deutlich herausgestellt. Dass dieser gewährleistet sei, betonte Amtstierarzt Dr. Ulrich Wilhelm in seinem Referat zwar, aber spätestens, wenn ein Viehbestand getötet werden müsse, sei das wohl nicht mehr zu verheimlichen, bedauerte er. Was man über diese Krankheit nicht wisse, sei bisher mehr als das was, man wisse. So sei auch ein negativer Schnelltest keine Garantie, dass ein Tier nicht infiziert sei, spreche der doch erst kurz vor Ausbruch der Krankheit an. Muskelfleisch und Milch erkrankter Tiere würden aber keine Infektion hervorrufen, so Wilhelm.

Kritik an Medienkampagne
gegen die Bauern

Josef Ranner, seines Zeichens Landtagsabgeordneter und Kreisbauer, geißelte seinerseits die Medienkampagne gegen die Bauern, die die eigentlichen Probleme nicht aufgreife. „Beim Wirt gehört Rindfleisch bestellt!“, forderte er. Dass dies im Versammlungslokal an dem Tag gar nicht möglich war, da nur Schweinefleisch auf der Speisenkarte stand, erzürnte die anwesenden Bauern umso mehr.

Sauer waren die Bauern im Raum Wasserburg aber auch, dass die Ausbildung von Landwirten an der Wasserburger Berufsschule beendet werden sollte – und das trotz 17 neuer Berufsanfänger. Hintergrund der Schließung war die Schaffung von sogenannten „Kompetenzzentren“ für Berufszweige mit geringen Schülerzahlen. Damit sollte nach ministeriellen Vorlagen Wasserburg zugunsten von Rosenheim aufgelöst werden.

Unterschriftenliste für
den Standort Wasserburg

Gleich klein beigeben, wollte man aber auf Bauernseite in dieser Hinsicht nicht: Eine Unterschriftenliste pro Wasserburg kursierte. Als Lösung sollte ein Sprengel-Ausgleich in den umliegenden Landkreisen geschaffen werden. Damit würde an viele politische Empfindlichkeiten in der Nachbarschaft gerührt, befürchtete man allerdings gleichzeitig auch.

Der damalige Berufsschuldirektor Manfred Wierer bestätigte seinerseits, dass er den konkreten Auftrag habe, den landwirtschaftlichen Zweig aufzulösen, auch wenn er ihn lieber in Wasserburg behalten würde.

Auch damals aktuell:
Wehrdienstdebatte

Der Einzug von 244 Soldatinnen in ihre Kasernen – die ersten, die an der Waffe ausgebildet wurden – produzierte damals auch Schlagzeilen. Dazu wurden junge Frauen aus Wasserburg um ihre Meinung gebeten. Die Umfrage fiel dabei differenziert aus. Julia Eichstätter fand es gut, dass endlich Gleichberechtigung herrsche. Sie sprach sich aber auch nicht für eine generelle Verpflichtung für Frauen aus.

Ähnlich dachte Sabina Stiller, die es jedem freigestellt sehen wollte, wie er sich entscheide. Sie selbst konnte sich einen Wehrdienst im Zusammenhang mit einer Ausbildung vorstellen. Verena Römersberger wollte keine Frauen zum Bund oder Zivildienst verpflichtet sehen. Sie selber hätte auch keine Lust dazu, meinte sie. Außerdem sei sie schon bei der Polizei, das reiche.

Artikel 6 von 11