Reichhaltige Optik fesselt bis heute

von Redaktion

Künstler Peter Ludwig übergibt fotografische und filmische Werke an das Stadtarchiv

Künstler Peter Ludwig und Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) bei der Unterzeichnung des Vertrags zur Überlassung der filmischen und fotografischen Werke Ludwigs. Foto Birkhof

Wasserburg – Für Bürgermeister Michael Kölbl und Stadtarchivar Matthias Haupt ist es eine große Ehre, dass Peter Ludwig, eigentlich als Pianist, Komponist und Arrangeur bekannt, seine über Jahre in Fotografie und Film vielschichtig dokumentierten Werke der öffentlichen Nutzung der Stadt übergibt. Die Sammlung wird künftig für interessierte Bürger sowie für wissenschaftliche und schulische Zwecke zur Verfügung stehen.

Haupt freut sich über die Erweiterung seines Archivs: „Die Dokumentation führt vor Augen, wie schnell die Zeit von der Gegenwart in die Vergangenheit rutscht. Abriss von Gebäuden, Baustellen, die das Altstadtensemble verwandeln – was beispielsweise 2008 geschah, mag vielleicht noch gar nicht so lange her sein, ist heute aber schon alt und geschichtlich.“

Kölbl bringt es auf den Punkt: „Für uns als historische Stadt ist die Sammlung wichtiger Momente und Entwicklungen bedeutungsvoll.“

Dinge, Objekte und
Menschen verewigt

2.132 Fotodokumentationen aus den Jahren 2008 bis 2020 und 58 Filmdateien als Rohmaterial für Filmproduktionen von 2009 bis 2026 befinden sich mit der Unterzeichnung des Vertrags nun offiziell in den Händen der Stadt Wasserburg.

Die reichhaltige Optik der Stadt fesselt den Künstler bis heute. Hier wird er seiner Leidenschaft, Dinge, Objekte und Menschen im Wandel der Zeit zu beobachten und festzuhalten, gerecht: Ob ein Portrait des 80-jährigen Antiquars Reto Feurer, ein Interview mit Bürgermeister Kölbl über seine 24-jährige Amtszeit oder die Leere während der Corona-Pandemie mit dem Stichtag des 16. März 2020 und die daraus resultierende Groteske an unbefahrenen Straßen und verlassenen Gassen. Ludwig war schon immer fasziniert von Fotografie: Details, lebendige Momente und individuelle Menschen, Baustellen und Veränderungen oder das Spiel mit Licht und Schatten, wenn sich die Nacht wie ein Schleier über die Stadt legt – der 74-Jährige hält alles fest, was er vor die Kamera bekommt.

Gearbeitet wird rein digital: So ist es dem Künstler möglich, alles selbst zu machen – von der Aufnahme über die Musik bis zum Schnitt. Und so könne ihm auch keiner dreinreden in seine Werke, ergänzt er mit einem schelmischen Grinsen.

Dass sein Werk nun im Stadtarchiv zu begutachten ist, war so gar nicht geplant: Es kam ihm plötzlich eines Tages in den Sinn, ob die Dokumentationen fotografischer und filmischer Natur nicht für jedermann interessant sein könnten.

Wasserburg als
französisches „Quartier“?

Ein vager Blick in die Zukunft offenbart: Das Feuer der Leidenschaft wird weiter lodern. Ludwig bleibt der Innstadt und ihren vielseitigen Facetten natürlich auch die kommenden Jahre treu. Schließlich ist Wasserburg sein „persönliches, kleines Quartier“, das ihn an seine schöpferische Zeit auf den Pariser Theaterbühnen erinnert.

Im Osten der französischen Hauptstadt lebte und wirkte Ludwig jahrzehntelang im 19. Arrondissement des Viertels Belleville. „Wasserburg ist genauso: Von meiner Wohnung auf der Burg aus ist alles fußläufig in wenigen Minuten erreichbar, man kennt und schätzt einander. Als reisender Musiker habe ich viele Orte gesehen, da ist man froh, einfach wieder nach Hause zu kommen“, schwärmt Ludwig,

Heuer begeht der Wasserburger seinen 75. Geburtstag. Ein Grund zu feiern – und den zelebriert der Künstler am 11. April im Rathaussaal mit einem ganz besonderen Konzert. Er selbst betitelt es als „ungeheuer kühnes Vorhaben“. Er möchte nicht wie sonst improvisieren, sondern seine Stücke auswendig spielen. Diese Dualität zwischen Komponist und Pianist stellt für ihn eine Art „Selbstbetrachtung“ dar. Ob er es schafft, wird sich zeigen.

Gleichzeitig möchte Ludwig sich selbst noch ein bisserl besser kennenlernen. „Die Zeit vergeht wie im Flug. Vor einigen Jahren erlitt ich eine schwere Krebserkrankung und da war plötzlich die Rede von Palliativ. Mit der Überwindung der Krankheit wurde mir die Schnelllebigkeit, in der wir leben, schlagartig bewusst.“ Um es mit den Worten seiner eigenen Autobiografie auszudrücken: „War‘s das“, Herr Ludwig? „Ich weiß nicht, ob‘s das jetzt war, aber ich werde meinen Beruf auf jeden Fall weiter ausüben. Ich fühle mich wie in meinen 30ern und sehe da keinen alten Mann am Klavier“, schließt er seine Ausführungen mit einem breiten Lächeln.

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