Zufriedenheit und verhaltene Kauflaune

von Redaktion

Die Bilanz im Einzelhandel fällt durchwachsen aus –Geschäfte sind witterungsabhängig

Mühldorf/Waldkraiburg – Eines vorweg: Schnee und Eis spielen vor allem den Sport- und Modegeschäften in die Karten. Adalbert Schäftlmaier vom gleichnamigen Sportgeschäft war viele Jahre Vorsitzender der Kaufleute der Aktionsgemeinschaft Waldkraiburg. Er weiß: Insgesamt ist es gut gelaufen. Warme Unterwäsche, Mützen, Handschuhe – mit Beginn der winterlichen Temperaturen im November deckten sich die Leute ausreichend ein. Ein Renner in dieser Saison: Schlittschuhe. Die werden nicht nur zahlreich verkauft, auch zum Schleifen finden sie mit ihren Besitzern den Weg ins Geschäft. Daran habe Schäftlmeier zufolge wohl mitunter das Festprogramm um die Eisdisco im Rahmen des 50-jährigen Bestehens der Waldkraiburger Raiffeisen-Arena einen nicht unerheblichen Anteil gehabt.

Winterausrüstung
ist gefragt

Dass es die Leute in die Läden vor Ort zieht, hat seiner Meinung nach verschiedene Ursachen: „Wir sind sehr witterungsabhängig. Letztes Jahr hat es um die Zeit geregnet, da wurde schon nach Schnäppchen gefragt. Heuer geht die Winterausrüstung weg wie warme Semmeln. Ein Teil der Kunden geht ins Internet, ein anderer Teil weicht auf noch bestehende Sportgeschäfte aus, nachdem in der Vergangenheit immer wieder Läden in der Umgebung schließen mussten. Dass wir in der Einkaufsstadt Waldkraiburg als Sportgeschäft am meisten durchhalten, freut uns natürlich.“

Ähnliche Worte findet Michael Hell vom gleichnamigen Modegeschäft in Ampfing. „Das kalte Winterwetter bringt gute Voraussetzungen für die Winterkleidung in der Textilbranche mit. Für uns sind die Tage von Weihnachten bis Heilige Drei Könige die umsatzstärksten, weil in dieser Zeit alle frei haben und die Zeit nutzen, um in der Stadt einzukaufen. In unserer Filiale in Mühldorf haben wir dieses Mal zudem vom Ausverkauf wegen Umbau profitiert.“ Hell freut sich, dass das Umsatzziel über den Jahreswechsel „locker erreicht“ wurde. Für ihn darf es ruhig noch ein wenig winterlich bleiben: „Entscheidend ist, dass es jetzt noch kalt bleibt und der Winter die Region im Idealfall bis Mitte Februar fest im Griff hat. Danach darf es schöner und wärmer werden, damit wir mit der Frühjahrsmode starten können.“

Nicht nur Mode war über den Jahreswechsel gefragt, die Leute greifen auch bevorzugt zu einem guten Buch, wie Katharina Stöger, Filialleiterin in der Mühldorfer Buchhandlung Rupprecht, bestätigt: „Der Dezember war schon umsatzstark, die beiden Tage vor Weihnachten aber toppten alles. Dadurch, dass der Heiligabend auf einen Mittwoch fiel, hatten wahrscheinlich viele bereits frei.“

Zwischen den Jahren mache sich freilich das Umtauschgeschäft bemerkbar, wenn das Buch zweimal unter dem Weihnachtsbaum liegt, der gewünschte Bestseller ausblieb oder der verkehrte eingepackt wurde: „Dann ziehen die Leute los und kaufen sich ihr Wunschprodukt eben selbst, gern auch mit verschenkten Gutscheinen.“ Neben den klassischen Büchern sind Wand- und Bildkalender zwischen den Jahren gefragt. Zu Silvester, mutmaßt Stöger, stand wohl darüber hinaus der ein oder andere Spieleabend an. Das Musikspiel „Hitster“ war der „totale Renner“ und auch der Spielblock „Stadt, Land, Vollpfosten“ mit seinen kreativen Kategorien ging zahlreich über den Ladentisch. Summa summarum zeigt sich Stöger rundum zufrieden: „Eine Prognose zu stellen, wie es weitergeht, ist schwierig, tendenziell ist der Januar ein eher ruhigerer Monat. Wenn sich 2026 aber ähnlich entwickelt wie 2025, haben wir keinen Grund zur Beschwerde.“ Trotz aller Euphorie in den einzelnen Geschäften, Christian Kühl von der Aktionsgemeinschaft Mühldorf offenbart insgesamt eher ernüchternde Ansichten: Im Landkreis Mühldorf wurden im Einzelhandel bestimmte Ziele in dieser Saison über den Jahreswechsel nicht erreicht. Das Weihnachtsgeschäft war wohl per se bundesweit nicht gut.

„Der Euro sitzt nicht mehr so locker wie in den vergangenen Jahren. Wir sind leider weit entfernt von einer umfassenden Kauflaune vor Ort. Eine gewisse Kaufzurückhaltung bei den Kunden ist spürbar“, resümiert Kühl und mutmaßt, dies könnte mitunter dem Kalender geschuldet gewesen sein: Schließlich fielen die Feiertage auf die Werktage Donnerstag und Freitag.

Würde Kühl Schulnoten vergeben, so bekäme das Konsumverhalten über den Jahreswechsel von ihm eine stets bemühte „Drei Minus“.

Die Gesamtlage sei schwierig, es herrsche Kühl zufolge eine „generelle Verunsicherung“: Viele Menschen haben den Gürtel enger geschnallt und überlegen sich, ob es wirklich das große Geschenk sein muss oder ob nicht ein kleineres auch reicht. Dazu gesellen sich gesellschaftliche Unsicherheiten oder die Angst um den eigenen Arbeitsplatz: Überall bauen Firmen Stellen ab oder schließen, wie das Geigerhaus in Mühldorf, die Waldkraiburger Gelenkscheibenfabrik SGF oder das Fotogeschäft Sahlstorfer in Waldkraiburg.

Lebensunterhalt
wird teurer

Im Gegenzug wird der Lebensunterhalt teurer, ob Energiepreise oder Lebensmittel. Kühl weiß von einigen, die im Winter Öl oder Pellets hätten nachkaufen müssen, damit sie über die kalten Monate kommen. „Dagegen verliert der Einzelhandel natürlich. Je höher die Krise, desto niedriger das Konsumverhalten.“

Nichtsdestotrotz zeigt sich Kühl vorsichtig optimistisch: Der Online-Handel habe den Geschäften vor Ort gar nicht so viel Konkurrenz bereitet, obwohl die Plattformen keine Personalprobleme oder Energiekosten haben und von Sales-Aktionen wie der „Black Week“ profitieren. Dennoch appelliert Kühl an die Menschen, ihr Einkaufsverhalten trotz aller Widrigkeiten anzupassen und die Geschäfte vor Ort zu unterstützen. „Nur, wenn sich der Kunde aktiv einbringt, können die Innenstädte überleben. So, wie es im Einzelhandel die letzten 30 Jahre lief, wird es nicht mehr laufen, die Zeiten sind vorbei.“

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