„Das ist gerade der heiße Scheiß“

von Redaktion

Diskussion um Batteriespeicherpark in Altmühldorf für ein sichereres Stromnetz

Mühldorf – Um das Stromnetz stabiler zu machen, werden Batteriespeicher gebaut. Gleich zwei Investoren wollen das in der Stadt Mühldorf tun. Über einen ersten Antrag wurde mit viel „Ja, aber …“ diskutiert.

Die Firma Cell Mind GmbH aus Kraftisried plant, im Altmühldorfer Tal einen Großbatteriespeicher mit einer Leistung von 80.000 Kilowatt zu errichten. Die Batteriespeicheranlage samt Umspannwerk soll auf einer Fläche von 0,5 Hektar gebaut werden. Die Fläche liegt im Außenbereich, rund 100 Meter entfernt vom nächsten Gebäude, direkt an der Staatsstraße 2025/alte B12 auf der Seite zum Inn.

Mit dieser Speicheranlage sollen laut Antragsteller künftig Lastspitzen ausgeglichen, die Netzstabilität verbessert und ein Beitrag zur Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz geleistet werden. Über das Grundstück läuft bereits eine 110-kV-Freileitung. „Wir schließen uns mit unserem Umspannwerk an das Hochspannungsnetz der Bayernwerke an“, erklärt Patrick Arnold, Projektmanager von Cell Mind auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Der Speicher speist sich aus dem Umspannwerk, also aus dem Stromnetz.“

Vor dem Speicher
steht die Netzzusage

Dieses Vorhaben war Thema in der Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses der Stadt am 2. Dezember. Denn um mit diesem Projekt voranzukommen, braucht es einen Aufstellungsbeschluss der Stadt für ein „Sondergebiet Batteriespeicher“. Diesen benötigt die Firma, um den notwendigen Netzanschluss beim Bayernwerk beantragen zu können, wie Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner erklärte. Nur wenn die verbindliche Netzzusage vom Bayernwerk vorliegt, werde das Projekt weiter geplant.

Auf dem Grundstück Flurnummer 687 in der Gemarkung Altmühldorf sollen auf gekiester Fläche 15 Doppelcontainer mit der Speichertechnik darin und ein Umspannwerk aufgestellt werden. Diese Container sind laut Antragsteller doppelwandig mit Auffangwanne, damit etwa bei einem Brand und einem Löscheinsatz nichts in die Umgebung austreten kann.

Reinhard Wanka (UM) eröffnete die Diskussion. Die Technik finde er im Sinne der Energiesicherheit gut. Allerdings sei er gegen einen Batteriespeicher auf dieser Fläche. Es handle sich um Auengrund im hochwassergefährdeten Bereich.

„Gerade nicht“, warf Bürgermeister Michael Hetzl (UM) ein. Dem Gremium wurde die Karte des Hochwassergebiets gezeigt, auf der zu sehen war, dass die Baufläche tatsächlich knapp außerhalb des angenommenen Überschwemmungsgebiets liegt. Wanka blieb bei seiner Meinung und schlug als Alternative einen Standort an der Nordtangente vor.

„Batteriespeicher sind nötig, keine Frage“, meldete sich Stephan Schinko (Grüne) zu Wort. „Bei erneuerbaren Energien ist das gerade der heiße Scheiß.“ Solche Projekte seien momentan von der Bundesregierung privilegiert, das könnte aber bald eingeschränkt werden, dann müssen sie netzdienlich sein. Darauf müsse Mühldorf achten. Über die Netzdienlichkeit entscheide das Bayernwerk. Ein netzdienlicher Speicher sorgt dafür, das Stromverteilnetz zu entlasten, wenn besonders viel Strom von PV- und Windkraftanlagen eingespeist wird.

Was ist mit dem
Hochwasser?

Auch Schinko hält den gewählten Standort in Altmühldorf für fragwürdig, „dort gibt es keine Industrieanlagen bis auf die Stromleitung“. Besser aufgehoben wären die Speicher nördlich des Innkanals, wo es auch schon ein Umspannwerk gibt. Für den Norden liege der Stadt auch schon eine Anfrage einer zweiten Batteriespeicherfirma vor, merkte Hetzl an.

Ebenfalls Sorgen wegen der zunehmenden Hochwassergefahr machte sich Adolf Spirkl (UM): „Das Hochwassergebiet reicht schon sehr knapp an diesen Batteriespeicher heran. Strom und Wasser passen nicht zusammen.“ Aus diesem Grund stellte auch Gottfried Kirmeier (SPD) fest: „Batteriespeicher jederzeit, aber nicht an dieser Stelle.“ Die bebaute Fläche nehme wichtige Überschwemmungsfläche vor der Stadt weg. Auch die optischen Folgen gefielen ihm nicht: „Was sieht man zuerst von unserer schönen Stadt am grünen Inn, wenn man von Ecksberg runterfährt? Einen Batteriespeicher!“

Hin- und hergerissen zeigte sich Ulrich Niederschweiberer (CSU). Da er Batteriespeicher für brandgefährlich hält, sei der Standort unten im Tal besser als in einem Wohngebiet. Hochwasser und Starkregen seien aber dort die Gefahr, die Container müssten erhöht aufgestellt werden. Zwar gehe landwirtschaftlicher Grund verloren, aber auch die Landwirte trügen zu den Stromspitzen bei. Sein Fazit: „I dat’s trotzdem, um Energie hier zu erzeugen und das Netz zu stabilisieren.“ Auch Rudi Salfer (CSU) machte sich Sorgen wegen einer Verunreinigung des Grundwassers, falls es zu einem Brand kommt.

Birgit Weichselgartner schlug vor, dem Antragsteller die Bedenken des Gremiums „zu spiegeln“ – der Batteriespeicher sei grundsätzlich vorstellbar, der Standort aber nicht ideal. So wurde es vom Bauausschuss auch einstimmig beschlossen: Der Antrag wurde zurückgestellt und die Verwaltung beauftragt, mit dem Antragsteller Fragen abzuklären.

Im Ostallgäu, genauer gesagt in der Gemeinde Pforzen, hatte Cell Mind mit einem gleichlautenden Antrag mehr Glück. Dort sagten die Gemeinderäte im Juli 2025 zum Aufstellungsbeschluss für ein „Sondergebiet Batteriespeicher“ einstimmig Ja.

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