Wasserburg – Gibt es in Wasserburg bald keine Stadtführungen mehr? Es ist eine Frage, die nicht weit hergeholt ist, denn die Stadt streitet sich weiterhin mit einem Teil des Stadtführer-Teams. Hintergrund ist die Einführung eines neuen Buchungssystems, das die Stadtführer ablehnen. Hierfür müssten die Experten einen neuen Vertrag unterzeichnen.
Ein
Knebelvertrag?
„Dabei handelt es sich meiner Meinung nach um einen Knebelvertrag“, sagt Gerd Riedmeier.
Der Rentner ist einer von etwa zehn Stadtführern in Wasserburg. Er selbst spreche zwar nur für sich, wie er betont. Dass er mit der Kritik am Buchungstool und dem damit verbundenen Vertrag nicht alleine dasteht, zeigte bereits eine Pressemitteilung im Dezember 2025, unterzeichnet von weiteren sechs Stadtführerinnen.
Seitdem habe sich nichts verändert, erklärt Riedmeier. „Die Stadt zeigt sich leider vollkommen uneinsichtig“, sagt er. Klar sei: „Alle Stadtführer würden liebend gerne mit der Aufgabe weitermachen.“ Auch würden die Stadtführer das Tourismus-Büro gerne beim Wunsch nach Modernisierung unterstützen. Aber den neuen Vertrag könnten sie nicht unterschreiben.
Dieser soll zwischen Stadtführer und – jetzt neu – einem externen Anbieter, der das Buchungssystem stellt, gelten. Die Stadt selbst würde wie bislang als Vermittler der Stadtführungen auftreten. Riedmeier kritisiert, dass es in diesem Vertrag aber einige Ungereimtheiten gebe. So würden den Stadtführern viele Pflichten auferlegt werden, gleichzeitig bekämen sie aber kaum Rechte zugestanden, während der Vertragspartner, also der externe Anbieter, kaum Pflichten zu erfüllen habe. Auch müssten laut Riedmeier seitens der Stadtführer noch vor der ersten Führung Provisionszahlungen an den Anbieter getätigt werden, obwohl die Vermittlung der Führungen weiterhin Aufgabe der Stadt bleibe. „Ich bin deshalb nicht bereit, den Vertrag des externen Anbieters zu unterzeichnen“, sagt Riedmeier und betont, dass er mit dieser Meinung nicht alleine sei. Laut Riedmeier könnten aufgrund der Situation „momentan keine Stadtführungen“ angeboten werden. Er spricht von einem „zerrütteten Verhältnis“ mit der Stadt, insbesondere mit dem Tourismus-Büro. „Auf uns wird leider nicht eingegangen, das ist sehr enttäuschend“, sagt Riedmeier. Insbesondere, da die Stadtführer mit der Software „Novere“ bereits eine „gangbare Alternative“ angeboten hätten, doch auch auf diesen Vorschlag werde nicht eingegangen.
Riedmeier betont, dass fehlende Stadtführungen für Wasserburg ein „Riesenproblem“ darstellen könnten. Natürlich sei es auch für die Stadtführer selbst ein Verdienst, doch es sei nicht zu vergessen: Auch die Gaststätten und die Stadt selbst würden von den Besuchern stark profitieren. Das werde in der Debatte vergessen, so Riedmeier.
Andrea Aschauer, Leiterin der Tourist-Info in Wasserburg, sieht die Situation aber nicht ganz so dramatisch. Von einem Streit könne nicht gesprochen werden, die Tür sei immer offen. Außerdem hätten zwei Stadtführerinnen sowie der Verein der Bierkeller-Freunde den Vertrag bereits unterschrieben. Zudem gebe es auch einige neue Interessenten, die sich vorstellen könnten, Stadtführungen durchzuführen.
Argumente für
bisheriges System
Für Aschauer ist klar: Es brauche dringend ein neues Buchungssystem, mit dem bisherigen habe es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben. Es müsse also etwas Neues her. „Wir haben uns die Alternativen durchaus angeschaut“, sagt Aschauer, auch das System „Novere“ sei geprüft worden. Allerdings habe sich der jetzige Anbieter klar als die beste Option herausgestellt. Es sei kundenfreundlich, der Anbieter sei vor Ort, es gebe keine Onboarding-Gebühr und das System sei bereits im Umgang bekannt. All das seien Argumente für das jetzige System. Auf Anfrage zeigt sie sich „zuversichtlich“, dass im Sommer zur Hauptsaison wieder genügend Stadtführungen angeboten werden könnten.