Dorfladen für Babensham: die Chancen

von Redaktion

Die Gemeinde Babensham diskutiert über die Einrichtung eines Dorfladens. Bei einer Infoveranstaltung klärte ein Experte über die wichtigsten Eckpunkte und Voraussetzungen auf. Dabei wurden auch die Bedenken der Bürger thematisiert.

Babensham – Mit dem Neubau der Volks- und Raiffeisenbank und der Sparkasse ist in Babensham die Frage aufgekommen, im Gebäude der Volks- und Raiffeisenbank auch Räume für eine Metzgerei, ein Tagescafé, einen Dorfladen oder optimalerweise eine Kombination aus all diesen Möglichkeiten zu bieten. Auch eine Arztpraxis einzurichten, war im Gespräch. Dieses Vorhaben ist nun anders geplant. Das frühere Pfarrheim soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Um das Thema rund um den Dorfladen voranzubringen, lud die Gemeinde kürzlich zu einer Infoveranstaltung im Fiedlergebäude ein. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse. Es mussten sogar zusätzliche Stuhlreihen für die vielen Besucher aufgebaut werden.

Bürgermeister Josef Huber sagte bei seiner Begrüßung, dass er die Schließung der Metzgerei in Penzing von vor ein paar Jahren bedauere. Denn nun müsse man zu einer „gscheiten Metzgerei“ fünf Kilometer weit bis nach Eiselfing fahren, so Huber. Das war auch das Stichwort für den Referenten des Abends.

Mehr als nur Lebensmittel
bereitstellen

Wolfgang Gröll vom Bundesverband der Bürger- und Dorfläden ging in seinem Vortrag darauf ein, dass ein Dorfladen mehr kann, als „nur“ Lebensmittel zur Sicherung einer Grundversorgung bereitzustellen. Er sei eine wichtige Begegnungsstätte für alle Generationen. Gröll stellte die verschiedenen Betreibermodelle vor – oft seien es Mischmodelle.

Häufig sei bei einer Neugründung ein Metzger die treibende Kraft, so der Experte. Die Bürger würden Kapital beisteuern, eine gemeinnützige Organisation sei der Betreiber, oder die Kommune fungiere als Träger.

Dorfladen als
Genossenschaft geführt

Die meisten Dorfläden würden in Form einer Genossenschaft geführt. Wobei der Referent dazu riet, die Anteilszeichner erst dann ins Boot zu nehmen, wenn das Konzept inklusive Finanzierung und personeller Besetzung gesichert sei. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass Gesellschafter maximal mit ihrer Einlage haften. Hier zeige die Erfahrung, dass rund ein Drittel der Anteilszeichner gar nicht im Dorfladen einkaufen, dennoch aus Solidarität Anteile zeichnen würden, erklärt der Experte. Laut Gröll zählt der Bundesverband der Bürger- und Dorfläden 350 Mitglieder und begleitet seit über 30 Jahren die Gründung von Dorf- und Bürgerläden.

Gröll betont, dass ein Dorfladen kein Selbstläufer sei und ein Betrieb mit ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeitern aus diversen Gründen nicht zielführend sei. Letztlich stehe der Dorfladen auch mit den umliegenden Discountern und Geschäften in Konkurrenz. Letztlich sei jedoch nicht der Preis der Produkte entscheidend, sondern der Dorfladen überzeuge mit der menschlichen Komponente.

Fragen und Bedenken
am Vorhaben

Dem rund einstündigen Vortrag folgte eine rege Beteiligung der Zuhörer mit Fragen, Anregungen und auch Bedenken. So wurden Zweifel geäußert, ob am angedachten Standort ausreichend Parkplätze vorhanden seien und sich genügend Personal finde. Zudem könne der Dorfladen ein Konkurrent zum Beispiel für den Bäcker vor Ort sein. Hierzu konnte Gröll von anderen Läden berichten. Hier übergebe etwa der Bäcker, wenn er um 13 Uhr schließe, seine restliche Ware an den Dorfladen. So müsse diese nicht weggeworfen werden.

Gleichzeitig äußerten einige Zuhörer Aspekte wie die absolute Notwendigkeit eines Dorfladens und die Erzeugung einer positiven Stimmung, um den Ort mit mehr Leben zu füllen. Weiters wurde angeregt, einen erfolgreichen Dorfladen in der näheren Umgebung zu besuchen und sich dort Anregungen einzuholen. Evenhausen und Mittergars wurden hier als gute Beispiele genannt.

Fragen nach der erforderlichen Personalzahl und empfohlenen Öffnungszeiten standen ebenso im Fokus wie die konkrete Unterstützung durch den Bundesverband. Gröll riet dazu, erst eine Entscheidung zu treffen, ob und mit welchem tragfähigen Konzept ein Dorfladen gegründet werden soll. Im zweiten Schritt kann dann gezielt um Personal geworben werden.

Wie geht es nun weiter? In seinen abschließenden Worten lobte Bürgermeister Huber die bisherigen Aktivitäten der Nachhaltigkeitsbeauftragten Isabella Eicher, die die weitere Umsetzung insbesondere mit der Bildung eines Arbeitskreises voranbringen möchte. Zur Teilnahme an diesem Arbeitskreis bekundeten einige Anwesende ihre Bereitschaft.

Zuckerl für privaten
Betreiber

Bürgermeister Huber ermunterte dazu, Anregungen aktiv einzubringen, es sei auch der vorgesehene Standort nicht in Stein gemeißelt. Als Zuckerl für einen möglichen privaten Betreiber kündigte er auch noch an, die Gemeinde würde einem privaten Betreiber die Räume zwei Jahre mietfrei zur Verfügung stellen.

Sollte es im Ergebnis zu einem anderen Standort für den Dorfladen kommen, würden die Räume anderen Interessenten angeboten werden, allerdings zu Normalkonditionen. Die Realisierung eines Dorfladens werde Huber weiter vorantreiben und soll auch vom zukünftigen Gemeinderat weiter verfolgt werden.

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