Wasserburg – Überwältigt zeigte sich am vergangenen Samstagnachmittag die Vorstandschaft des Vereins „Kino Utopia“, der sich nichts weniger als die Rettung des Wasserburger Kinos Utopia auf die Fahnen geschrieben hat: Rund 150 Interessierte drängten sich an diesem Tag im Wasserburger Gimplkeller, während viele weitere vor der Türe noch auf einen Platz hofften. Am Ende waren alle Mitgliedsanträge vergeben, im spontan herumgereichten Spendenhut viele Geldscheine und die Vorstandschaft um eine lange Helferliste und sehr konkrete Rettungs-Tipps reicher. Es bleibt jedoch spannend, ob die Rettung des Utopia-Kinos gelingt.
Finanzielle
Herausforderungen
Zunächst gab es ein Update der Vereinsvorsitzenden Benjamin Krumpholz und Lisa Stürmlinger zur aktuellen Situation: Das Thema Brandschutz sei geklärt, mit dem Vermieter habe man für 2026 eine niedrigere Monatsmiete vereinbart, das Kinoprogramm wird weiterhin vom Utopia-Gründer Rainer Gottwald zusammengestellt, und fünf Mini-Jobber stellen eine regelmäßige Filmvorführung an jedem Wochentag sicher.
Offen ist aber die Finanzierung des Kinobetriebs, der zum 1. Januar vom Kinoverein übernommen wurde. Laut Kalkulation des Kassenwarts Konrad Doser war schnell klar, dass diese nur für die ersten zwei Monate 2026 gesichert ist. Zu zahlen sind Gebühren für Filmverleih, Personal, Pacht und sonstige Ausgaben. Da man bislang nur mit Einnahmen über den Ticketverkauf rechnen kann, steht der Verein derzeit bei einem Defizit von 21.000 Euro, geht man von der durchschnittlichen Besucherzahl von 19.000 im Jahr aus.
Zukünftige Spenden und Sponsoring sind hier allerdings nicht mit berücksichtigt. „Jetzt hoffen wir darauf, dass wir möglichst schnell viele Mitglieder gewinnen“, erläutert Benjamin Krumpholz, im Moment zähle der Verein 50 Mitglieder.
Diese Erste-Hilfe-Maßnahme ist gestaffelt und bietet verschiedene Mitgliedschaftsoptionen. Eine reine Fördermitgliedschaft ist für 60 Euro Jahresbeitrag erhältlich und beinhaltet zweimal Frei-Popcorn pro Monat. Die „Fördermitgliedschaft Plus“ kostet 120 Euro Jahresbeitrag und bietet zehn Freikarten pro Jahr sowie einmal Frei-Popcorn und ein Freigetränk. Der auf 25 Mitgliedschaften begrenzte „Utopia-Pass“ für 320 Euro ermöglicht unbegrenzten Eintritt, monatliches Frei-Popcorn oder ein Freigetränk sowie eine Freikarte für eine weitere Person einmal pro Quartal. Jede Mitgliedschaft gilt nur für das jeweilige Vereinsmitglied, welches Stimmrecht bei den Vereinsversammlungen hat. Laut Doser will sich der Verein so schnell wie möglich auch um Kulturförderungen bemühen. Hier hoffe man auf bis zu 6.000 Euro an Fördergeldern – die aber erst beantragt und bewilligt werden müssen.
Benjamin Krumpholz verwies außerdem auf die Möglichkeit für Helfer, sich ehrenamtlich als Filmvorführer oder Verkäufer am Kiosk einzubringen. Eine Liste zum Eintragen soll in Kürze auf der Homepage – zunächst von der Kinowerkstatt – erscheinen. Die Liste, die herumgereicht wurde, war rasch mit etwa 20 Interessenten gefüllt. Auch Einführungen für diese Ehrenamtlichen wurden gleich offen geplant.
Spontan wurde vonseiten der Gäste ein Spendenhut herumgegeben. Mitgliedsbeiträge und die Vereinssatzung liegen ab kommender Woche im Kino Utopia aus oder können online ausgedruckt und abgegeben werden – übergangsweise sind diese nur auf der Website der Kinowerkstatt zu finden: kinowerkstatt-utopia.de/Kino-Utopia_mitglied-werden/index.html
In der anschließenden Fragerunde zeigte sich nicht nur das große Interesse der Anwesenden, sondern brachte viel hilfreiches Know-how zutage: So bot eine Besucherin aus Bad Endorf, die als Filmvorführerin im dortigen „Maria’s Kino“ engagiert ist, ebenso ihre Erfahrungswerte an, wie es gute Vorschläge zur Selbstorganisation des Vereins und zu Förderanträgen, zur Einführung von Social-Media-Werbung und einer moderneren Homepage gab.
Große Unterstützung und ein Hoffnungsschimmer
Großen Applaus erhielt der Vorschlag, dass alle Anwesenden gleich Mitglied werden, dann habe der Verein Planungssicherheit. Dieser hat laut Doser die Möglichkeit, im ersten Halbjahr den Mietvertrag kurzfristig zu kündigen, sollte es trotz aller Hilfe und Maßnahmen nicht klappen. Die euphorische Stimmung im stickigen Gimplkeller ließ an dem grauen Nachmittag aber etwas ganz anderes hoffen.