Landkreis Mühldorf bereitet sich auf Blackout vor

von Redaktion

Ein tagelanger Stromausfall wie in Berlin kann auch den Landkreis Mühldorf treffen. Die Verantwortlichen sind jedoch vorbereitet: Mit Krisenplänen, Notstromversorgung und speziellen SOS-Punkten für die Bürger wird der Ernstfall geprobt, um die Widerstandsfähigkeit der Region und den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

Solche SOS-Punkte als Anlaufstellen für die Bürger werden in allen Kommunen des Landkreises vorbereitet.

Landkreis Mühldorf/Schönberg – Kein Handy-Empfang, zu wenig Anlaufstellen zum Aufwärmen, alleingelassene Menschen, Pannen bei der Kommunikation und beim Krisenmanagement: Die Hauptstadt hat beim Blackout Anfang Januar kein gutes Bild abgegeben. „Da ist noch Luft nach oben“, brachte Dr. Benedikt Burkardt, Geschäftsbereichsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung beim Landratsamt Mühldorf, das Desaster in Berlin treffend auf den Punkt.

Könnte die Problemlösung auch im Landkreis Mühldorf derart daneben gehen? Beim Bürgermeister-Treffen des Kreisverbands des Bayerischen Gemeindetags unter Vorsitz von Buchbachs Rathauschef Thomas Einwang, diesmal in Schönberg im Gasthaus Esterl, war die Krisenvorsorge in den Gemeinden ein zentrales Thema.

Eigene Krisenpläne
in den Kommunen

Schon vor drei Jahren waren die Kommunen vom Landratsamt aufgefordert worden, einen eigenen Krisenplan aufzustellen: für „Blackouts“, also plötzliche, unerwartete Stromausfälle wie in Berlin, und für „Brownouts“, eine kontrollierte, gezielte Abschaltung der Stromversorgung. Beim „Blackout“ bricht das Netz zusammen, beim „Brownout“ wird die Versorgung laut den Referenten des Landratsamtes gezielt heruntergefahren, für einen beschränkten Zeitraum und eine abgegrenzte Region: Mit dem Ziel, das Netz zu entlasten und zu stabilisieren.

Ein solcher „Brownout“ wurde laut Burkardt am 14. November simuliert, um eine Übung durchführen zu können. Angenommenes Szenario: ein Cyberangriff auf das Bayernwerk. In Ampfing und Mettenheim wurde getestet, ob die Schutzmechanismen für die Bevölkerung funktionieren und ausreichen. Denn, wenn der Strom abgeschaltet wird, taut nicht nur der Gefrierschrank daheim ab. Auch medizinische Geräte fallen aus, es kommt zu Störungen bei der sogenannten kritischen Infrastruktur: bei der Wasser- und Abfallversorgung beispielsweise, abhängig von elektronischen Pumpen.

Wichtigste Schritte in einem solchen Krisenfall laut Burkardt: Die betroffenen Gemeinden müssen SOS-Punkte einrichten. Hier gibt es eine Notstromversorgung, Informationen für die Bürger, Möglichkeiten, das Handy aufzuladen und sich im Winter aufzuwärmen, bei Bedarf eine warme Mahlzeit. Sogar Schlafplätze werden eingerichtet.

Diese SOS-Punkte sind klar gekennzeichnet: mit dem „Zivilschutz-Zeichen“, einem blauen Dreieck auf orangem Grund. Dargestellt auf Bannern, die das Landratsamt jetzt als Sammelbestellung für alle Kommunen anschaffen wird, berichtete Florian Seemann, technischer Leiter Katastrophenschutz im Landratsamt. Außerdem tritt in Fällen dieser Art ein Krisenstab mit Vertretern der Gemeinde und der Rettungs- sowie Hilfsdienste in Aktion, wird die Kommunikation, auch zur Integrierten Leitstelle, über BOS- oder Satellitenfunk aufrecht erhalten.

Am Beispiel von Ampfing und Mettenheim wurde am 14. November in Echtzeit all dies trainiert: für einen Bereich, in dem 9.700 Einwohner leben. 725 Personen sind hier über 78 Jahre alt, darunter sind also auch Bürger, die aufgrund ihrer Immobilität besondere Hilfen benötigen.

Notstromaggregate
funktionieren

Mettenheims Bürgermeister Josef Eisner berichtete, das Rathaus und Kulturhof als SOS-Punkte bereitstünden. Die Notstromversorgung habe funktioniert, dank Dieseltankstellen und Aggregaten, die auch mobil auf einem Anhänger eingesetzt werden könnten. Ampfings Rathauschef Josef Grundner berichtete ebenfalls, dass das Notstromaggregat nach 20 Sekunden angesprungen sei. Die Einrichtung des SOS-Punkts an der Schweppermannhalle habe ebenso funktioniert wie die Einberufung des Krisenstabs. „Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, was zu tun ist“, so Eisner und Grundner. Letzterer wies jedoch auch darauf hin, dass bei einem Stromausfall Ampeln an Kreuzungen ausfallen, Landwirte ihre Kühe nicht mehr melken können.

Kraiburg hat gerade erst einen Stromausfall hinter sich: an Heiligabend. Größere Maßnahmen waren nicht nötig, doch Bürgermeisterin Petra Jackl stellte zur Diskussion, wie bei Krisen die Bürger schnell informiert werden könnten, wenn Handys, TV und Radio nicht funktionieren. Notstromfähige Sirenen und der Satellitenfunk könnten einspringen. Wichtig sei es, dass die Bürger wissen würden, wo die SOS-Punkte aufgebaut würden und es dann dort Hilfe gebe, hieß es.

Landrat Max Heimerl appellierte deshalb an die Kommunen: „Wir müssen schauen, dass wir mit den Vorbereitungen für den Krisenfall weiterkommen. Im Worst Case müssen wir in der Lage sein, tagelang durchzuhalten.“ Wichtig sei es, dass auch die Krisenstäbe in den Kommunen abrufbar bereit stünden, mit Ersatzmitgliedern, die Einsatzkräfte ablösen könnten, wenn es länger dauere. Jeder Krisenstab sei am besten dreifach zu besetzen, schlug er vor. Damit der Satellitenfunk funktionierte, sei es wichtig, Standorte mit freier Sicht zum Himmel festzulegen.

Die Gemeinden und Städte im Landkreis seien verpflichtet, ihre Krisenpläne jetzt zu finalisieren. Im Herbst dieses Jahres würden alle Kommunen das Szenario gemeinsam einmal üben. Demnächst geht außerdem eine Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an alle Haushalte im Landkreis Mühldorf raus, in der auch die Bürger über Möglichkeiten informiert werden, selbst vorzusorgen. „Wir wollen niemanden in Angst und Schrecken versetzen“, so Antonia Hansmeier, Bürgermeisterin von Heldenstein, „aber wir müssen uns trotzdem vorbereiten und sachlich informieren.“

„Wir sind technisch
gut aufgestellt“

Stromausfälle sind, so betonten auch die Referenten Burkardt und Seemann, schließlich nicht nur Folgen von Cyber-Angriffen oder wie in Berlin von terroristischen Attacken, sondern auch von den immer häufiger auftretenden Extremwettereignissen wie Starkregen. „Wir sind technisch sehr gut aufgestellt“, so das Fazit des Landrats, „wir müssen die Krisenvorsorge nun in die Fläche bringen.“ „Und ja, wir müssen uns leider auch um die zivile Verteidigung kümmern.“ Das sei über 30 Jahre lang nicht notwendig gewesen, jetzt jedoch aufgrund der geänderten geopolitischen Verhältnisse eine dringliche Aufgabe. „Es hilft nichts“, so Heimerl.

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