An die Devise erinnert, Freude in Notzeiten zu vermitteln

von Redaktion

Zur Geschichte der Haager Binder, den Stammvätern der späteren Schäffler – Bierproduktion ab 1564

Haag – Nach dem zweiten Wochenende haben sich die Haager Schäffler so richtig eingetanzt. Mit ihren Auftritten erinnern sie nicht nur an die Schäfflerdevise, Freude in Notzeiten zu vermitteln, sondern auch an eine lange Tradition, die das Schäfflermetier in Haag hat.

Als die Haager 1909 unter Schäfflermeister Georg Jäger das Münchener Vorbild nachahmten, war eines ganz neu: die Bezeichnung Schäffler. Dieses Gewerbe war im Volksmund wie auch in den Behördenakten bis dahin ausschließlich als Binder bekannt. Der Name leitet sich vom Fassbinder ab. Und das ist eine der wichtigen Aufgaben der „Binder“, mit dem Eisenreifen, das Holzfass zu binden. Diese Tätigkeit demonstrieren uns beim Tanz der heutigen Schäffler die beiden Klopfer Richard Kern und Karl Heinz Zaulig.

Für Haag wies Rudolf Münch ab 1565 eine „geordnete gräfliche Bierproduktion“ nach. Dazu gehörten der Hopfenhandel, das Brauhausareal, Besteuerung von Bier, Branntwein und Met. Noch verfügte der Graf über eigene Hopfengärten. Es gab Bierwirte, Weintavernen und dann nach Graf Ladislaus ein „kurfürstliches Brauhaus“. Doch die „Binder“, die verantwortlich waren, dass Haager Bier auch in Fässern abgefüllt werden konnte, blieben nicht nur auf das Brauhaus beschränkt. Wer das fachliche Können nachwies, konnte eine eigene „Binderei“ aufmachen. Neben dem „Preuhaushofbinder“ weist Dr. Eugen Kellner in seiner Geschichte zu Haags Häusern und Bewohnern 19 Binderfamilien auf, darunter den Barth Pichler, der auch „Wasch- und Krautgeschirr“ „abgepunden“ hat.

Das heute noch bekannte „Café Wanger“ am Bräuhausplatz hieß im 18. Jahrhundert „Hofbinderhaus“ und gehörte dem Bräuhaushofbinder Sebastian Fischer. Er hatte dazu Garten, Heu- und Baustadel und einen Acker an der Rute. 1900 ging das alte Hofbinderhaus in den Besitz des Wachsziehers und Konditors Otto Kuchler über. Gleich mehrere Binder wohnten in der Wasserburger Straße, so laut Häuserliste von 1717 der Binder Georg Kräll. Joseph Hinterberger eröffnete hier 1834 als Bindermeister seine „Schäfflerei“. 1840 übernahm Felix Schußmüller das „Krailbinderhaus“. Dr. Eugen Kellner: „Er ist der Stammvater der hier 100 Jahre arbeitenden Schäffler dieses Namens.“ Seine Söhne waren musikalisch begabt, einen weist die Chronik als Musik- und Tanzmeister für Faschingsveranstaltungen aus. Mit dem Schäffler Lorenz Thalmaier endete die Bindertradition dieses Hauses. Kurz davor war schon 1600 der „Pinder“ Caspar Schreyer eingetragen. Sein Nachfolger Bartlme Pichler führte für die Spital- und Leprosenhausstiftung Binderarbeiten aus.

Namen waren weiter „Binder zum Bartl“, „zum Muckl“ und „zum Franz“.

Die Tradition der Binder lebt handwerklich in Haag heute nicht mehr, da immer mehr Bierfässer in Aluminium ausgeliefert werden und auch das gräfliche Brauhaus seinen Standort transferierte. Eine genealogische Brücke zur Schäfflertradition schlug vergangene Saison 2019 ein Nachfahre dieser Bindergeneration: Florian Schußmüller wurde Nachwuchsschäffler und ist diesmal das zweite Mal dabei. Seine Familie wohnt inzwischen nicht mehr im alten Haager Binderhaus, allein der Name belegt noch, dass die Tradition lebt. xy

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