Mühldorf – Der geplante Neubau eines Hallenbades ist in Mühldorf ein heißes Thema. 2024 hatten Bauausschuss und Stadtrat einstimmig den Weg für das Projekt „Innstadtbad“ frei gemacht. Das alte Hallenbad, eröffnet im Olympiajahr 1972, hat seine Lebensdauer erreicht, der Zahn der Zeit nagt unaufhaltbar am Beton. Da hilft nur noch ein Neubau.
Bau trotz
Millionenverlust
Andere Städte schließen ihre Bäder, Mühldorf will eines bauen – das klingt nach mächtiger Finanzkraft der Stadt. Allerdings, und Bürgermeister Michael Hetzl betont es immer wieder, nicht die Stadt baut das Bad auf ihre Kosten. Nein, es sind die Stadtwerke Mühldorf. Und das, obwohl diese 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt vor Jahren einen 7-Millionen-Euro-Verlust gemacht hat.
„Die Stadtwerke stemmen das“, hatte Hetzl auf beiden Bürgerversammlungen zu diesem „größten Bauprojekt, das Mühldorf je hatte“ versichert. Um die Finanzierung des neuen Mühldorfer Hallenbades müsse sich keiner Sorgen machen. Ein Zuhörer zweifelte es trotzdem an, weshalb Hetzl ausführte: Im Jahr 2022 sei ein Schaden entstanden, der aber versichert sei. Die Stadtwerke müssten die geschätzten Baukosten in Höhe von 36 Millionen Euro zudem gar nicht in voller Höhe berappen.
36 Millionen Euro bleiben
keine 36 Millionen
Wie das funktioniere, rechnete er bei der Versammlung und auch auf der Podiumsdiskussion im Haberkasten den Bürgern sowie den von seiner plötzlichen Informationsfreude überraschten Gegenkandidaten vor: Die Stadtwerke seien vorsteuerabzugsberechtigt, man könne 19 Prozent von den 36 Millionen Euro abziehen – rund 6 Millionen Euro.
Darüber hinaus gebe es das FAG-Förderprogramm Bayerns für kommunale Hallenbäder, wenn sie für Schulsport genutzt werden – das mache einen weiteren Abzug von bis zu 7 Millionen Euro. Dazu käme das Plus von 7 Millionen Euro, wenn die Versicherung den Schaden aus 2022 reguliert habe. Zusammen mit den Barrücklagen der Stadtwerke von circa 10 Millionen Euro blieben am Ende nur noch etwa 6 Millionen Euro, die über Kredite finanziert werden müssten.
Doch jetzt ist ein ganz anderes Problem aus dem Untergrund aufgetaucht. Auch darüber informierte Hetzl die Mühldorfer live und zusätzlich in einer Pressemitteilung der Stadt: Beim Hallenbad-Projekt der Stadtwerke werde „die Planung zwar mit Hochdruck angegangen“, aber es gebe „unvorhersehbare Verzögerungen im Ablauf“, heißt es da. „Der nicht ausreichende tragfähige Untergrund erschwert den Fortgang aktuell“, so Bürgermeister Hetzl. „Dennoch streben wir weiterhin eine Fertigstellung 2029 an.“ Er werde es im Jahr 2029 eröffnen, hatte er auf der Podiumsdiskussion überzeugt angekündigt.
Die OVB-Heimatzeitungen hätten gerne allen Lesern die in den Bürgerversammlungen präsentierten Pläne für das neue Hallenbad noch ausführlicher vorgestellt. Doch Stadtwerke-Geschäftsführer Alfred Lehmann musste das OVB vertrösten. Er könne mit den Plänen erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn diese den Aufsichtsrat und Stadtrat durchlaufen hätten.
Das könne noch mehrere Wochen dauern, denn es müsse erst ein weiteres Bodengutachten her und das verzögere sich wegen der derzeit frostigen Temperaturen. Danach müssten noch die Statiker ihre Berechnungen anstellen.
Einen ungefähren Termin, zu dem das Hallenbad Thema im Stadtrat sein könnte, konnte auch das Rathaus nicht nennen. Vielleicht noch Ende Januar, zur letzten Stadtratssitzung vor der Kommunalwahl am 8. März? „Nein, bis Ende des Monats werden die substanziellen Fragen noch nicht geklärt sein“, antwortete Stadtsprecher Werner Kurzlechner.
Was, wenn das Bodengutachten zu dem Schluss kommt, dass am Standort Freibad nur mit zusätzlichen Erdarbeiten für mehrere Millionen Euro Mehrkosten oder aber gar nicht gebaut werden kann? Hat die Stadt dafür einen Plan B beziehungsweise einen Alternativstandort oder müsste das neue Hallenbad dann sterben?
Kurzlechner versichert: „Sterben wird das Hallenbad-Projekt nicht. Wie immer wieder kommuniziert, läuft der Lebenszyklus des jetzigen Bades ab. Und der Wille einer sehr großen Mehrheit in der Stadt ist es, auch in Zukunft ein Hallenbad in Mühldorf zu haben. Dem Ergebnis des Gutachtens vorzugreifen, ergibt aktuell keinen Sinn.“
Zur Art des Bodens am geplanten Standort und was daran so ungeeignet für das Bauvorhaben ist, bleibt die Antwort der Verwaltung eher schwammig: „Der Untergrund ist sehr herausfordernd. So jedenfalls der momentane Eindruck. Zur präzisen Einschätzung dient ja das zu erstellende Bodengutachten.“
Öffentliche Beratung
wäre „erstrebenswert“
Und auch ob der Stadtrat sich mit dem Gutachten öffentlich befassen wird, steht nicht fest. „Der genaue Ablauf wird sich zeigen“, so Kurzlechner. „Der Aufsichtsrat tagt grundsätzlich nicht-öffentlich und wird auch dieses Thema als zuständiges Gremium diskutieren. Im Anschluss ist eine öffentliche Behandlung im Stadtrat sicherlich erstrebenswert bei einem für Mühldorf so wichtigen Projekt.“