Wasserburg – Eigentlich ging der Diskussion in der ersten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt im neuen Jahr ein Antrag der SPD-Fraktion voraus. Die forderten nämlich, Frauen den Zugang zur öffentlichen Toilette Am Gries kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Thema schlägt
höhere Wellen
Begründet wurde der Antrag mit dem Widerspruch des Gleichheitsprinzips für Männer und Frauen. Während die Nutzung des Pissoirs kostenlos ist, werden für die Toilettensitze für Männer und Frauen je 20 Cent fällig. Doch das Thema schlug plötzlich weitaus höhere Wellen. Wie Bürgermeister Michael Kölbl am vergangenen Donnerstagabend mitteilte, sieht sich Wasserburg wohl mit einem zunehmenden Gewaltproblem konfrontiert: „Wir müssen leider festhalten, dass Vandalismus immer mehr Überhand nimmt – speziell an öffentlichen Toiletten im Parkhaus oder an anderen Parkflächen. So ist derzeit die WC-Anlage im Kellerberg-Parkhaus aufgrund von Vandalismus gesperrt.“
Kostenpflichtige WCs
bleiben verschont
Auffallend bei dem ganzen Dilemma: Kostenpflichtige Anlagen blieben weitgehend verschont. Jene WCs, die hingegen ohne Gebühren zur Verfügung stehen, geraten regelmäßig ins Visier von Randalen oder – insbesondere in den Pissoirs – Graffiti-Spray-Aktionen.
„Uns geht es nicht um den Mehrverdienst der 20 Cent für die Stadt. Der Centbetrag, der für die Toilettennutzung notwendig ist, verhindert schlicht und ergreifend blinden Vandalismus“, erklärt Kölbl nüchtern. Die Höhe des Betrags sei in diesem Fall nur sekundär.
Im Jahr 2025 beliefen sich die Einnahmen aus dem WC-Entgelt auf rund 3450 Euro. Stadtkämmerer Robert Mayerhofer ergänzte zum Vergleich, dass allein im vergangenen Jahr eine Summe von über 20.000 Euro für die Beseitigung von Vandalismusschäden im Bereich Parken zusammengekommen sei. Georg Machl (CSU) traf den Tenor der Ausschussmitglieder mit den Worten: „Es ist traurig und erschreckend, dass wir uns zum wiederholten Male über das Thema Vandalismus unterhalten müssen. Es wäre so einfach, alles kostenlos zur Verfügung zu stellen, doch das ist nicht möglich, weil sich ein paar Deppen nicht benehmen können. Daher sind wir gezwungen, Gebühren zu erheben – nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil es der einzige Weg ist, Gewalt einzugrenzen. Es kann doch nicht sein, dass einfachste Sachen mit Füßen getreten werden. Das ist sehr schade.“
Ganzheitlich
angehen
Kölbl würde es begrüßen, wenn dieses Problem unter Einbezug der Parkraumbewirtschaftung ganzheitlich angegangen werden würde. Sprich: Aufgrund der zunehmenden Schäden durch Vandalismus wird geprüft, Bezahlsysteme für die öffentlichen WC-Anlagen nachzurüsten. Groschengrabscherei nach Zehnerln in den Hosentaschen sei schließlich nicht mehr zeitgemäß in Zeiten von Handy-Zahlen und EC-Karten.
Zu folgenden Aspekten sei eine umfassende Betrachtung noch im ersten Quartal 2026 angesetzt:
Die Ausschussmitglieder nahmen den Vorschlag der Verwaltung, die Entscheidung über den SPD-Antrag bis Prüfung der oben genannten Gesichtspunkte zurückzustellen, einstimmig an. Darüber hinaus wurde der Wunsch geäußert, das Problem schnellen Schrittes anzugehen und nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen.
Die Stadt betreibt an mehreren Plätzen im Stadtgebiet öffentliche WC-Anlagen. Im Rathaus am Marienplatz, dem Altstadt-Friedhof sowie in den beiden Parkhäusern in der Überfuhr- und Kellerstraße ist die Nutzung kostenfrei.
Hinweis mit
rotem Logo
Am Parkplatz Am Gries und am Busbahnhof Reitmehring werden indes Gebühren für die Toilettennutzung erhoben.
Neben fünf öffentlichen Toiletten gibt es in Wasserburg auch sogenannte „Nette WCs“ bei Gastronomiebetrieben, auf die ein rotes Logo hinweist. Die dürfen auch Menschen kostenlos benutzen, die dort nichts konsumieren. Eine detaillierte Übersicht über alle verfügbaren WC-Anlagen im Stadtgebiet findet sich auf der Website der Stadt.