Wasserburg – Die Wirtschaft schwächelt, Kommunen klagen über schlechte Finanzlagen: Nicht so in Wasserburg. Die Stadt scheint eine kleine Insel der Glückseligen zu sein. „Das ist der beste Haushalt in meiner gesamten Amtszeit als Bürgermeister“, stellt Michael Kölbl (SPD) in einem Exklusiv-Gespräch mit der Wasserburger Zeitung kurz vor der Etat-Sitzung am heutigen Donnerstag fest. Hohe Rücklagen, eine gute Einnahmenlage, geringe Schulden. Selbst die Stadtwerke mit Sorgenkind Badria schreiben zum zweiten Mal in Folge eine schwarze Null. Der Rathauschef zeigt sich mehr als zufrieden mit dem letzten Finanzplan seiner Amtszeit.
„Klein,
aber sehr stabil“
Das Geheimnis Wasserburgs ist dabei simpel: „Unser Wirtschaftsstandort ist zwar klein, aber sehr stabil“, erläutert Kölbl. Der Großteil des in der Stadt angesiedelten Gewerbes sei bislang nicht von der allgemein schwächelnden Wirtschaftslage betroffen. „Das kann sich natürlich ändern“, mahnt Kölbl, aktuell plane die Stadt für 2026 aber mit fast rekordhohen Gewerbesteuereinnahmen von 20 Millionen Euro. Mit einem Gesamtvolumen von 71,6 Millionen Euro, davon 58,4 Millionen im Verwaltungs- und 13,2 Millionen Euro im Vermögenshaushalt, handelt es sich deshalb auch um einen der größten Etats, den Wasserburg je hatte. Hinzu komme nach Meinung Kölbls ein durchdachtes Wirtschaften der Verwaltung und des Stadtrats in den vergangenen Jahren. Das zeige sich auch darin, dass die Stadt mit etwa zwei Millionen Euro den niedrigsten Schuldenstand seit mindestens zehn Jahren habe, während die Rücklagen mit 25 Millionen Euro so hoch sind wie nie. Dieses Finanzpolster werde aber auch nötig sein angesichts der hohen geplanten Investitionen von etwa 50 Millionen Euro, wie Kölbl erklärt.
17,1 Millionen Euro davon entfallen allein auf das neue Feuerwehrhaus, sechs Millionen auf die Verlegung und den Neubau des Wertstoffhofs, zehn Millionen auf die Erweiterung der Kläranlage und noch einmal etwa 15 Millionen Euro auf die Erweiterung der Grundschule am Gries – „wobei ich vermute, dass dieser Kostenpunkt höher ausfallen wird“, so Kölbl. Denn während die Pläne bei den anderen Projekten inzwischen weit fortgeschritten seien – bei der Kläranlage gibt es bereits einen Maßnahmenbeschluss, beim Feuerwehrhaus wird ein solcher vor der Haushaltsdebatte erwartet – stecken die Pläne für die Grundschule am Gries noch in den Kinderschuhen. Für eine konkrete Aussage über die Kosten sei es deshalb noch zu früh.
Neben diesen Großprojekten kommen aber noch weitere kleinere Investitionen im Bereich Sport, Kultur und Wohnen hinzu. Nicht zu vergessen sind außerdem Ausgaben im Verwaltungshaushalt von über zwei Millionen Euro für die Instandsetzung des Parkhauses Überfuhrstraße. Hohe Ausgaben also, die auf die Stadt in den nächsten Jahren zukommen. Das meiste davon – Feuerwehrhaus, Kläranlage, Grundschule – fällt zudem in den Bereich der Pflichtaufgaben einer Kommune. Allerdings zeigt sich Kölbl optimistisch: „Die Stadt kann sich ihre Aufgaben leisten“, sagt er. Grund dafür sind vor allem die hohen Rücklagen, dadurch könne die Stadt bei den Krediten, die ohne Zweifel aufgenommen werden müssten, vor allem sogenannte „rentierliche Schulden“ machen. Das heißt Schulden, die vor allem kostenrechnende Einrichtungen wie die Kläranlage und den Wertstoffhof betreffen und beispielsweise über die Abwassergebühren oder andere Beiträge über Jahre wieder refinanziert werden können.
Dennoch mahnt auch Kölbl davor, dass sich weder sein Nachfolger noch der neue Stadtrat auf der aktuell guten Finanzlage ausruhen sollten. Die Gewerbesteuer sei immer volatil und könne leicht einbrechen. „Das hatten wir schon mal“, sagt er und verweist auf den jüngsten Einbruch im Jahr 2017, als die Gewerbesteuer bei unter fünf Millionen Euro lag. Zudem seien gerade bei Investitionen immer auch die Folgekosten zu beachten.
Allein beim Feuerwehrhaus rechnet die Verwaltung mit 80.000 Euro im Jahr. „Und da sind noch keine Fahrzeuge dabei. Das sind lediglich die Kosten, um das Gebäude selbst am Laufen zu halten“, erklärt Kölbl.
Weiter durchdacht
wirtschaften
Trotz guter Voraussetzungen sei es also auch weiterhin nötig, genauso durchdacht zu wirtschaften wie in den vergangenen Jahren auch.
Doch trotz aller Mahnungen: Zufrieden und vielleicht auch ein bisschen stolz zeigt sich Kölbl angesichts des „besten Haushalts seiner Amtszeit“ dennoch. „Da kann man beruhigt den Staffelstab an den Nachfolger und den neuen Stadtrat übergeben“, sagt er.