Piraten entern die Altstadt

von Redaktion

Julia und Alex Janosevic haben das alte „M14“ am Marienplatz in die „Rackhams Bar“ verwandelt

Wasserburg – Neue Besitzer, neuer Look, neue Philosophie: Nach einer längeren und umfassenden Renovierungsphase von über drei Monaten erstrahlt die Cocktailbar am Marienplatz unter der Leitung von Julia und Alex in neuem Glanz und beendet damit die alte Kneipen-Historie des „M14“. Neu ist: Es gibt nur noch den Eingang am Marienplatz, der Durchgang in die Herrengasse ist nicht mehr möglich.

Ein Blick in die umgestalteten Räumlichkeiten zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail die beiden gearbeitet haben. Walrossstoßzähne aus Acryl im einen Eck, große und kleine Segelschiffe im anderen, handgefertigte Lampen mit Jakobsmuscheln dämpfen das Licht, fingerdicke Taue baumeln von der Decke, die Wände zieren echte Masken aus exotischen Ländern wie Taiwan.

Nostalgische
Holz-Barhocker

Die ersten Gäste haben der Bar kurzerhand den Kosenamen „Piratenbar“ verpasst, was die Betreiber durchaus treffend finden. Schließlich ist ein alter Pirat Namensgeber der Cocktailbar. „Calico Jack Rackham“ – den alle nur John Rackham nannten – war ein britischer Piratenkapitän des 18. Jahrhunderts. Seine kleine Besatzung von circa 15 Personen bestach durch die Besonderheit, dass zu seiner Bande auch zwei Piratinnen zählten. Ein Umstand, der zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich war und vor allem Julia fasziniert hat. Kurzerhand war der Name der Bar geboren. Besonders stolz sind die Betreiber auf ihre nostalgischen Holz-Barhocker, die alle unterschiedlich sind. Julia war sehr ehrgeizig beim Erwerb passender Hocker und legte großen Wert auf eine Mulde im Inneren. „Denn das sorgt für einen bequemen Sitz am Tresen“, ist sie überzeugt. „Schließlich sollen sich die Leute hier wohlfühlen und miteinander ins Gespräch kommen – und das analog. Das ist auch der Grund, weshalb es in der Bar kein WLAN gibt.“

Julia ist es besonders wichtig, dass sich das weibliche Geschlecht gut und sicher fühlt und hier in einer Art „Safe Space“ einen guten Drink auch mal alleine trinken kann. Alex ergänzt, bei ihnen seien alle willkommen – ob Alt, Jung, aus der queeren Szene, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. „Wir sind eine Bar für jeden und möchten, dass unsere Gäste einen entspannten Abend verbringen und unsere Empfehlungen, genießen.“

Ein Streifzug durch die bunte Vielfalt in der Getränkekarte offenbart: Hier wird Wert auf Qualität und Exklusivität gelegt. Dabei spielt den beiden ihre Erfahrung aus der Lebensmittelbranche in die Karten. Viele Jahre lang betrieben Julia und Alex ein auf Fischdelikatessen spezialisiertes Feinkostgeschäft in Garmisch-Partenkirchen, ehe sie sich für einen Tapetenwechsel und den Sprung in die Nachtgastronomie entschieden haben. In die Innstadt haben sie sich sofort verliebt.

Alex hat eine Ausbildung im Bereich Spirituosen, Kurse belegt und sein Wissen aufgefrischt. Seine Passion der Cocktailbar möchte er auch handwerklich unterstreichen. Das spiegelt sich in den Drinks wider: So werden Gewürzlikör und Ingwersirup selbst hergestellt, Zitrone und Orange frisch gepresst oder getrocknet.

„Wir sind kein Restaurant, wir möchten den Gästen gerne ‚Afterwork-Absacker‘ bieten. Daher gibt es nur schnelle Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch“, erklärt Alex, warum die Küche nur am Rand ausgeweitet wurde.

Auch, wenn exquisite Cocktails mit selbst gemachten Inhalten freilich etwas hochpreisiger daherkommen, in der „Rackhams Bar“ ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. So ist ein Bier für 3,50 Euro verhältnismäßig preisgünstig. Zudem punktet die Bar mit einer ganzen Reihe alkoholfreier Alternativen. „Natürlich haben wir die Klassiker der Cocktails parat. Wir behalten uns aber vor, bestimmte Getränke partout nicht auszuschenken, darunter Jägermeister oder Red Bull. Dafür gibt‘s bei uns Africola oder Special Drinks mit indischem Darjeeling-Tee“, unterstreicht Alex, der nicht nur beim Biostrohhalm Wert auf Nachhaltigkeit legt.

Ein Jahr lang haben sie sich die Zeit genommen, um ihre Cocktailrezepte zu modifizieren. Herausgekommen sind überarbeitete und ausgebaute Klassiker wie der „P. Temple“ mit Grenadine, Pimenta-Dram-Likör, Zitrone, Worcestershiresauce, Schweppes und American Ginger Ale. Die „Virgin“-Variante des „Swimming Pool“, das „Seepferd“, punktet mit alkoholfreiem Blue Curaçao, Kokosnusssirup, Ananassaft und Kefir statt Sahne.

Ein imposanter Gaumenschmaus verspricht die Dunkelbierbowle mit Erdbeeren zu werden. Und als Andenken an ihre alte Heimat ist „Der Befleckte“ mit Ettaler Likör aus der Klosterdestillerie mit Amarenakirsche einer von Julias und Alex‘ Favoriten. Für die beiden steht fest: „Die Mischung macht‘s.“ Auf ihrer Instagram-Seite geben sie einen Einblick in ihre „Bartenders Favourites“ und informieren über aktuelle Infos.

Seit Oktober hat die neue Bar im Herzen der Altstadt geöffnet, immer donnerstags bis samstags von 18 bis 1 Uhr. Neben den Drinks ist auch die Playlist „Guter-Laune-Songs“ von Loungemusik über lockeren Pop aus den 80ern bis Reggae selbst zusammengestellt. „Hauptsache kein Mainstream“, betonten Julia und Alex lachend.

Viel Erfolg und
beschwerdefreie Zeit

Für Stadtmanager Simon Arnold ist die „Rackhams Bar“ ein Zugewinn: „Ich finde es immer gut, wenn es mit einem Nachfolger quasi nahtlos weitergeht und das Nachtleben in Wasserburg mit neuen Angeboten aktiv wie attraktiv bleibt.“ Den neuen Betreibern wünscht er viel Erfolg für die Location am Marienplatz und eine beschwerdefreie Zeit. Das Nachtleben kämpfe schließlich nicht nur in der Innstadt ums Überleben: „Die Entwicklung ist überall spürbar und explizit bei uns beispielsweise am neuen Pächter des El Paso zu erkennen, dessen Konzept eher ins normale gastronomische Angebot geht.“

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