Haag – Der Lichtmesstag am 2. Februar hatte für Haag als traditionsgewachsenes Wirtschafts- und Kulturzentrum früher eine herausragende Bedeutung. Die Lichtmessmärkte erinnerten daran. Dieser Anlass füllte bis in die 90er-Jahre aber auch die örtlichen Lokale. 2006 wurde er für Haag abgeschafft.
Der wichtigste Artikel auf dem Haager Marktberg war zu Lichtmess bis zur ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts das Wachsstöckerl, eine meterlange dünne Kerze, die rechteckig, rund oder an Haltern aufgewickelt war.
Mit den Kollegen
in die Wirtschaft
Die bäuerliche Tradition verlangte einst, dass der Knecht der Magd ein Wachsstöckerl zu Lichtmess für das Aufbetten übers Jahr schenkte. Das holte er sich am Marktberg auf dem Haager Lichtmessmarkt, um sich dann mit seinen Kollegen aus dem weiten Umland in einer der örtlichen Gastwirtschaften zu treffen. Bis in die 90er-Jahre füllte sich zum Lichtmesstag in Haag zumindest der „Gasthof Freundl“ an der Hauptstraße.
Mit Wachsstöckerl deckten sich früher auch die Haushalte ein. Man brauchte sie sehr oft. Da die Haager Kirche früher kein elektrisches Licht hatte, nahm man zum Rosenkranz vor allem für die Verstorbenen sein „Liachtl“ mit. Zuhause zündeten es die Leute zum Gebet an, besonders aber wenn eine Frau ein Kind gebar oder jemand im Sterben lag. Der Tote bekam dann als Seelenlicht ein Stück vom Wachsstöckerl um die Hand gewickelt. Eine Woche vor Lichtmess, das an die Aufopferung Jesu durch seine Eltern im Tempel erinnert, war früher der große Ausputz angesagt. Für die Knechte und Dienstboten setzte die „Schlenklwoche“ ein. Da gab es den Lohn und die einzigen paar Tage Urlaub. Wer seine Stellung wechseln wollte, tat es jetzt. Auch die Bauern suchten sich nach Bedarf neues Personal und zahlten ihr „Drogeld“, den Einstand. Gute Tipps für den Wechsel hofften viele auch zu Lichtmess am Biertisch beim „Freundl“ zu erfahren.
Die „Schlenklwoche“ dauerte bis zum 5. Februar, St. Agatha. Dann folgte mit der „Kaswoch“ die beste Zeit für die neuen Angestellten: ihnen wurde zum Einstand recht gut aufgekocht, damit sie blieben. Bis 1910 war Lichtmess Feiertag in Bayern. Bis 2006 hatte Haag noch einen Lichtmessmarkt.
Vor 120 Jahren fand in Haag zu Lichtmess noch der Pferdemarkt statt, mit Prämien, ohne Platz- und Marktgebühren. Die „Herren Händler und Ökonomen“ seien darauf aufmerksam gemacht worden, hieß es in der Zeitung, dass „eine große Frequenz gesichert“ sei. Darunter stand der Verweis auf den Schluss der Hasenjagd: „Von Mariä Lichtmess an hat Meister Lampe bis 15. September wieder Ruhe.“
Bürgermeister Jäger forderte in den 30er-Jahren die „Herren Ökonomen“ auf, nur Tiere mit vorschriftsmäßigem Ursprungszeugnis mitzubringen, andernfalls würden sie unter polizeilicher Begleitung sofort an den Herkunftsort zurückgebracht. Eine Extraauktion kündigte das Kaufhaus Max Seifried an mit zehn Prozent auf alle Winterwaren, so an Sonntags- und Arbeitshosen, Monteuranzügen und Mützen. Unter dem 35-Pfennig-Bazar fanden sich schließlich folgende Artikel: Taschenmesser, Tortenkühler, Topfdeckelhalter, Zeitungshalter und „Bürsten jeder Art“.
Noch lautstarker
als heute
Auf dem Lichtmessmarkt anno dazumal ging es noch lautstarker zu als heute: „Die Plätze waren mit vielen Fieranten bevölkert, die teils ruhiger, teils lauter die Vorzüge ihrer Waren den Schaulustigen begreiflich zu machen versuchten.“ Trotz „allgemeinem stillen Geschäftsgang“ fanden am Bräuhausplatz 25 Ochsen und 44 Schweine neue Besitzer.