Mühldorf – Geplant wird sie seit Jahren. Die Ostumfahrung oder Osttangente Mühldorfs, die das Stadtgebiet vom Gewerbegebiet in Mühldorfs Norden bis Ehring im Süden umspannen soll.
Seit 1980 diskutiert der Stadtrat über den Bau dieser Nord-Süd-Verbindung. 1990 legte sie im Flächennutzungsplan einen Korridor für die Ostumfahrung fest, 2018 kaufte die Stadt die letzten Grundstücke zum Bau einer kleinen Ostumfahrung.
„Schnellstmöglich“
hieß es schon 2018
Ebenfalls 2018 hatte Mühldorfs damalige Bürgermeisterin Marianne Zollner in der Angelegenheit an Bayerns damalige Verkehrsministerin Ilse Aigner geschrieben. „Dringlichkeit Ostumfahrung Mühldorf a. Inn. Bitte um Aufnahme in den achten Ausbauplan für Staatsstraßen des Freistaates“, lautete die Betreffzeile. In dem Brief wies sie auf den Bedarf der wachsenden Stadt Mühldorf an ein leistungsfähiges Straßennetz hin, um auch künftig wirtschaftlich prosperieren zu können. Zollner: „Es bedarf schnellstmöglich einer zusätzlichen leistungsfähigen Verkehrsverbindung im Osten der Stadt, die in Nord-Süd-Richtung verläuft.“
Seit Ende 2020 ist die „kleine“ Ostumfahrung in Betrieb. Sie ersetzte den schmalen Hirschenweg und sollte vor allem die Kreuzung an der Innkanalbrücke entlasten. Das 385 Meter lange Straßenstück endet in eine enge Kurve an der Innkanalbrücke bei Hölzling und geht über einen noch immer mäßig ausgebauten Abschnitt in Richtung Töging Straße weiter. Im Juni 2020 erfolgte der Spatenstich, im Dezember 2020 konnte die „Kleine“ schon dem Verkehr übergeben werden.
Beim Spatenstich betonte auch Bürgermeister Michael Hetzl: „Nur mit einer durchgängigen Osttangente von der ehemaligen B12 im Süden der Stadt bis zum Zubringer der Anschlussstelle A94 in Mühldorf Nord wird eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs im Innenstadtbereich erreicht.“
In den Straßenausbauplan des Freistaats Bayern hatte es Mühldorfs „große Lösung“ 2020 noch immer nicht geschafft. Ihre Trasse soll den Verkehr vom Autobahnzubringer im Norden über Innkanal, Inn und zwei Bahnlinien in einer direkten Verbindung zur alten B12 im Süden der Stadt bei Ehring bringen.
Bei den beiden Bürgerversammlungen im Januar 2026 berichtete Hetzl, dass Mühldorfs Osttangente Ende 2025 endlich in den Ausbauplan aufgenommen wurde. Dennoch müsse man noch Geduld haben. Denn mit dem Beginn der Planungen sei nicht vor drei Jahren zu rechnen: „Wir stehen auf Platz fünf von sieben Projekten“, so Hetzl. Er gab die Kosten für den Bau mit geschätzten 69 Millionen Euro an.
Das Staatliche Bauamt Rosenheim geht von 74 Millionen Euro brutto (Preisstand 2023) für das rund drei Kilometer lange und elf Meter breite Straßenstück aus. Fast 47 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) setzt das Bayerische Verkehrsministerium alleine für den nötigen Brückenbau auf der künftigen Ostumfahrung an, 14 Millionen Euro netto für den Straßenoberbau. So zu nachlesen auf den ausführlichen Projektseiten zur Ostumfahrung im Internet. Laut Bauamt soll die „OU Mühldorf Ost“ folgendes bringen: „Ziel der geplanten Umfahrung ist die Entlastung der Anwohnerinnen und Anwohner der bestehenden Ortsdurchfahrt hinsichtlich Lärm- und Schadstoffemissionen sowie gleichzeitig eine Verbesserung der Reisegeschwindigkeit und Verkehrssicherheit.“
Die von Hetzl den Bürgern präsentierte Planskizze ist nicht in Stein gemeißelt, sie basiert auf der im Jahr 2019 von der Stadt im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeiteten Trasse. „In den weiteren Planungsschritten können sich noch Änderungen in der Trassenführung ergeben“, sagt dazu Ursula Lampe, Pressesprecherin des Staatlichen Bauamts Rosenheim.
Baubeginn und Bauzeit
sind noch offen
Aussagen über Baubeginn und Bauzeit seien derzeit noch gar nicht möglich. „Aufgrund weiterer, vorrangiger Projekte im Amtsgebiet des Staatlichen Bauamts Rosenheim kann derzeit die Aufnahme der Planungen nicht abgeschätzt werden“, so Lampe. „Da bei vergleichbaren Großprojekten allein die Planung Jahre in Anspruch nimmt, können derzeit keine Aussagen zu einer konkreten Bauzeit getroffen werden.“
Die anderen sechs Planungsprojekte im Ausbauplan des Staatlichen Bauamts Rosenheim sind neben der Ortsumfahrung Mühldorf Ost die Ortsumfahrungen: Bad Endorf West, Bad Feilnbach, Deutelhausen, Ebersberg, Prien am Chiemsee/Rimsting sowie Pürten.