„Das Grundbuch war einfach ihr Leben“

von Redaktion

Gitti Dahlberg nach 60 Jahren im Amt feierlich verabschiedet

Mühldorf – Üblicherweise erhalten Hollywood-Größen und Köche einen Stern. In sehr seltenen Fällen wird diese Ehre aber auch Angestellten im Amtsgericht Mühldorf zuteil. So geschehen, als die Grundbuchmitarbeiter am Amtsgericht ihrer Kollegin Gitti Dahlberg den „Stern des Grundbuchs“ verliehen und das auch noch musikalisch.

Diese Auszeichnung ist genauso einmalig wie die Dienstzeit der Neumarkt-St. Veiterin. 60 Jahre arbeitete sie für die Justiz; und zwar im Grundbuchamt. „Vermutlich bin ich der erste oder sogar der einzige Direktor dieses Hauses, der eine Mitarbeiterin verabschieden darf, die sechs Jahrzehnte bei uns angestellt war“, so Direktor Stephen Kroner bei der Dahlberg-Abschiedsfeier. Er fügte noch hinzu: „Das Grundbuchamt gibt es seit 1900, also 126 Jahre und davon ist unsere Jubilarin 60 Jahre dabei gewesen. Das Grundbuch war einfach ihr Leben“. Die 79-Jährige zeigte sich überwältigt von der Feierstunde, die sehr wertschätzend und herzlich ablief. „Ich kann nichts anderes als immer nur ‚Danke‘ sagen“, meinte die Ruheständlerin und verdrückte sich dabei ein kleines Tränchen. Als junge Frau absolvierte sie die Lehre zur Anwaltsgehilfin. Gleich danach bewarb sie sich beim Amtsgericht Neumarkt-St. Veit auf die Stelle einer Justizangestellten. Am 16. September 1965 saß sie bereits an ihrem neuen Arbeitsplatz. „Ich wurde in die Grundbuchumschreibungskommission eingesetzt und bin bis zu meinem letzten Arbeitstag dem Grundbuch treu geblieben“, freut sich Dahlberg. Nach Auflösung des Amtsgerichts in Neumarkt-St. Veit wechselte die jetzige Rentnerin zum 1. Januar 1970 an das Gericht in Mühldorf. Wie Direktor Kroner herausstellte, habe die Angestellte durchgehend gearbeitet, mal in Voll- und manchmal auch in Teilzeit. Sie gönnte sich lediglich zwei Monate Pause, als im Frühjahr 1974 Tochter Sandra zur Welt kam. Die von Kollegen und Vorgesetzten höchst gelobte Gitti Dahlberg ging 2011 offiziell in Rente, kam aber bereits im Januar 2012 wieder zurück ins Amtsgericht, denn ein Leben ohne Grundbuch ist für sie schwer durchzuhalten. Auf die fleißige Angestellte wartete ein spezieller Auftrag, den Gitti Dahlberg so erklärte: „Weil ich die Einzige im Amt bin, die die alte deutsche Schrift noch lesen kann, war es meine Aufgabe, jene in Sütterlin-Schrift dokumentierten Grundbuchblätter umzuschreiben, um sie letztendlich zu digitalisieren.“

Von 2012 bis Januar 2026 arbeitete die Neumarkt-St. Veiterin durchschnittlich elf Stunden pro Woche und schrieb in dieser Zeit fast 3.000 Grundbuchblätter um. Ab sofort ist für die 79-Jährige aber tatsächlich Schluss mit Akten und Grundbuchblättern. Der endgültige Ruhestand ruft und die Seniorin blickt in die nächste Zukunft: „Obwohl ich selber keinen Sport betreibe, interessieren mich im Fernsehen viele Sportsendungen. Die Winterolympiade verfolge ich bestimmt Tag und Nacht.“

Und dann gibt es natürlich noch den FC Bayern, dessen Edelfan sie ist. So wundert es niemanden, dass Gittis Kollegen vom Grundbuchamt die FC-Bayern-Vereinshymne „Stern des Südens“ kurzerhand in den „Stern des Grundbuchs“ umwandelten. huc

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