Wasserburg/Chiemgau/Rupertiwinkel – Die Balkanhilfe „Junge Leute helfen“, ein Netzwerk von kirchlichen Gruppen aus 140 Pfarreien zwischen Inn und Salzach, hat 2025 über 480.000 Euro gesammelt. Enorm sind auch über 21.000 Hilfspakete, welche von der Bevölkerung gespendet wurden. Diese wurden zudem mit 1.160 Paletten Lebensmittel auf 73 Sattelzügen mit einem Ladegewicht von insgesamt 973.000 Kilogramm (Vorjahr 16.000 Kilogramm) in die Länder Kosovo, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Kroatien und Slowakei überbracht. Dort leiden zunehmend immer mehr ältere Menschen bittere Not.
Caritas-Stationen
in sechs Ländern
Bei bestem Wetter an den beiden Sammeltagen im Advent wurden auch dieses Jahr die Rekordmarken der Vorjahre fast erreicht. „Von einer zunehmenden Altersarmut angesichts des Exodus vieler junger Menschen erfahren die Helfer in den zahlreichen Caritas-Stationen der sechs Krisenländer“, erläutert Pfarrer Ludwig Westermeier als geistlicher Leiter des Vereins, welcher die bittere Not aus den Erfahrungen seiner regelmäßigen Balkanreisen kennt und sogar albanisch spricht. Am meisten fehlen Heizmaterial, Hygieneartikel, Lebensmittel und dringend benötigte Medikamente. Und diese Not spiegelt sich besonders in den teuren Grundnahrungsmitteln wider. Kranke Menschen, Rentner und Familien sind besonders betroffen angesichts enormer Arbeitslosigkeit und Renten von meist nur 200 Euro monatlich. Die ständigen Preiserhöhungen belasten die Menschen zusätzlich. Großen Dank erfahren die Helfer deshalb für etwa 1,2 Millionen überbrachte Mahlzeiten, insbesondere in vier Armenküchen in Zagreb, Sarajevo, Rreshen und Pristina mit täglich über 1.600 Bedürftigen. Regelmäßig erfolgt die Verteilung durch acht Caritas-Zentralen in den sechs Ländern und deren weitverzweigtem Netz an Pfarr-Caritasstellen. Täglich melden sich vor Ort konkrete Hilfsgesuche von bedürftigen Familien, welchen mit den Hilfsgütern aus dem Chiemgau nun weiterhin geholfen werden kann. In den sozialen Brennpunkten wie Krankenhäusern, Alten- und Waisenheimen kommen diese Hilfsgüter zudem den Schwachen zugute.
Der beliebteste Spendenzweck sind Stipendien für 25 Studenten in Albanien, zu denen regelmäßig Kontakt besteht und für deren Ausbildung 30.060 Euro überwiesen wurden. Beim Projekt „der gute Hirte“ wurden konkret 22.250 Euro für zahlreiche Kühe, Schafe, Schweine und Gewächshäuser gespendet, welche vor Ort für 26 Kleinbauern erworben wurden. Von Franziskaner-Pater Andreas Waltermann wurde mit 7.000 Euro die Renovierung von Häusern verarmter Familien in dessen Pfarrei Fush Arrez in den Bergen Nordalbaniens organisiert. Diese Nachhaltigkeitsprojekte tragen die größten Früchte, geben die meiste Hoffnung und zeigen die größte Nähe, so die Organisatoren. Diese Nähe und die geringen Kosten durch rein ehrenamtliches Engagement seien die Stärken dieser von der Jugend getragenen Hilfsaktion, so der bereichsverantwortliche 26-jährige Rupert Zeltsperger.
Ermöglicht wurde dieser Erfolg durch Hunderte von Helfern aus verschiedensten katholischen Gruppen wie Landjugend, Katholische Frauengemeinschaften und Frauenbund, Kolpingsfamilien, Burschenvereinen, Ministranten, Pfadfinder, Landvolk sowie den Pfarrgemeinderäten aus 140 Pfarreien. Viel ehrenamtliches Engagement Jugendlicher und „Junggebliebener“ war dazu notwendig. Die Firma Erdbau „Martin Maier GmbH“ stellte in Großbergham bei Obing ihre neue große Gewerbehalle zur Verfügung und allein dort nahmen 250 Jugendliche über 21.000 Bananenkisten aus den Pfarreien entgegen, verluden diese auf die ersten Sattelzüge oder stapelten diese auf Paletten für weitere Transporte.
Anschließend verbrachten diese jungen Helfer ein ganzes Wochenende zusammen, um sich auch thematisch und mit Gebet damit auseinanderzusetzen und ihre Gemeinschaft zu stärken. Geschätzt 7.500 Einzelspenden gingen auf dem Spendenkonto und in den Sparschweinen an den Sammelpunkten ein. Viele Einzelaktionen wie Klopfersingen, Adventsmärkte oder Punschverkauf waren auch dieses Mal maßgeblich. Auch die Sternsinger von Fridolfing, Petting und Obing haben wieder kräftig gesammelt und viele Kindergärten und Schulen haben sich beteiligt.
Zudem wurden über 1.000 Lebensmittelpakete von Spenderfamilien liebevoll gepackt, welche besonders begehrt sind, da diese ein frohes Weihnachten in viele arme Häuser brachten. Zwar ging das Geldspendenaufkommen um zwei Prozent zurück, es liegt aber immer noch nahe am Rekordergebnis und deutschlandweit sanken die Spenden angesichts von Inflation und Wirtschaftsflaute um 14 Prozent, so Vorstand Hubert Zeltsperger. Mit der Versorgung von Ukraine-Flüchtlingen in der Slowakei stehe man im kommenden Jahr wieder vor wachsenden Herausforderungen, welche bei einem Friedensschluss bis tief in die Ukraine hinein erweitert werden könnten.
Lobenswert seien viele Firm- und Landjugendgruppen aus der Region sowie ein treues „Rentnerteam“ um Lagerleiter Sepp Mittermaier, die wöchentlich etwa zehn bis 15 Tonnen Hilfsgüter ganzjährig verladen und auf den Weg bringen werden. Besonderer Dank gilt der Gemeinde Kienberg und ihrem Gemeinderat, denn ohne die Bereitstellung einer alten Salzhalle wäre dieses Hilfswerk logistisch nicht möglich. Wesentlich sind auch die direkten Lebensmittelspenden von Firmen, die über das Jahr summiert über 650 Paletten aus ihrem Sortiment beitrugen.
Ganze Sattelzüge
an Spendenware
Hier sind die großzügigen Spenden von Firmen wie Adelholzen, Babynahrung Hipp und Dr. Oetker hervorzuheben, welche oft ganze Sattelzüge an Spendenware zur Verfügung stellen. Ein herzlicher Dank gebührt allen fleißigen Helfern und Spendern. Weitere Informationen sind bei Vereinsvorsitzendem Hubert Zeltsperger von „Junge Leute helfen e.V.“ unter Telefon 08624/ 1833 sowie auf der Internetseite www.junge-leute-helfen.de erhältlich.