Wasserburg – Mit dem Fahrrad vom Burgerfeld schnell in die Altstadt und dabei das Nadelöhr Rote Brücke/Brucktor vermeiden, das ist der Traum vieler Wasserburger. Vor etwa zwei Jahren hatte das Architekturbüro sbp aus Stuttgart in einer Stadtratssitzung sogar erste Ideen für die Umsetzung vorgestellt. Vier Varianten eines Innstegs auf Höhe der Kapuzinerinsel sind seitdem im Gespräch. Im jüngsten Bauausschuss wurde allerdings deutlich: Der Traum könnte demnächst platzen, obwohl er verkehrsplanerisch wichtig wäre.
Wie Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) erklärte, hatte die Verwaltung die weitere Planung für das Projekt „Innsteg“ zunächst zurückgestellt, um die Ergebnisse des Radverkehrskonzepts abzuwarten. Schließlich habe sich die Frage gestellt, ob der Innsteg überhaupt notwendig sei.
Überquerung hätte
große Vorteile
Inzwischen sei aber deutlich geworden: Eine Fußgänger- und Radfahrbrücke auf Höhe der Kapuzinerinsel hätte große Vorteile. Eine Nutzung werde nicht nur, aber auch von den vielen Schülern, die tagtäglich in Richtung Burgerfeld pendeln, erwartet.
Und dennoch wurde bei Kölbls Ausführungen schnell deutlich: Es gibt große Hürden. Zum einen ist da die finanzielle Frage: Denn trotz der hohen Einnahmen steht Wasserburg vor hohen Investitionen in Pflichtaufgaben, die voraussichtlich zu hohen Schulden und einer leeren Gemeindekasse führen werden. Ob und wie die Stadt dieses Millionenprojekt also stemmen kann, ist fraglich.
Zuvor könnten die Pläne allerdings schon an den übergeordneten Behörden scheitern. Denn bei einer Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Wasserwirtschaftsamt sei deutlich geworden: „Wir befinden uns an der K.O.-Frage. Das heißt, es geht nicht darum, wie, sondern ob überhaupt etwas geht“, fasste Kölbl die Gespräche mit diesen zusammen. Das bestätigte auch Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann. Sie machte deutlich, dass zwar das Wasserwirtschaftsamt keine Probleme für das Projekt sah. „Der Hochwasserschutz ist gewährleistet, das passt also.“ Auch das Denkmalschutzamt hätte sich durchaus „angetan“ gezeigt von der filigranen Lösung, die sich gut in das Stadtbild einfügen würde. Bedenken hätte allerdings die Untere Naturschutzbehörde.
Das Hauptproblem: Die Kapuzinerinsel ist ein Vogelschutz- und FFH-Gebiet. Eine Umsetzbarkeit des Projekts sei deshalb fraglich. Auf jeden Fall müsse hier die Regierung von Oberbayern mit der Oberen Naturschutzbehörde in die weitere Planung involviert werden, erklärten Kölbl und Stadtbaumeisterin Herrmann.
Außerdem würden von den Behörden die vorgestellten Varianten eins und zwei präferiert. Diese sehen vor, die Kapuzinerinsel auf der Osthälfte zu queren. Beide Varianten würden am Unterauerweg beginnen und hätten auf der Insel zwei Pfeiler. Vorgesehen wäre entweder eine flache Brücke oder eine leichte Bogenkonstruktion. Christian Stadler (Grüne) hielt diese Argumentation allerdings für zu einseitig. „Ich bin auch empfänglich für Naturschutzthemen, aber hier darf der verkehrliche Nutzen nicht außer Acht gelassen werden“, meinte Stadler. Die Vorteile des Innstegs seien im Radverkehrskonzept deutlich geworden, für ihn erschließe sich nicht, wie eine zum Großteil schwebende Brücke ein FFH-Gebiet einschränken könne. Stadtbaumeisterin Herrmann verwies darauf, dass vor allem die Bauphase das Problem sei.
Stadler plädierte aber dennoch für weitere Verhandlungen mit den Behörden. Er bat zudem darum, Variante vier – eine Hängebrücke, die die Kapuzinerinsel auf der westlichen Seite queren würde – nicht von vornherein auszuschließen. Zum einen dürfe seiner Meinung nach die Optik der Innpromenade nicht vernachlässigt werden und bei dieser Variante würde das Bauwerk bei einem Blick von der Schönen Aussicht aus fast komplett hinter dem Baumbestand verschwinden.
Zum anderen erachte er einen Anschluss des Innstegs an die Rampe, wie es die Variante zwei vorsehen würde, als „sinnlos“. Hier würden Radfahrer wieder auf eine gefährliche, viel befahrene Staatsstraße geleitet.
Schutz für
Kapuzinerinsel
Auch Werner Garnter (SPD) verwies auf das „große Interesse“ der Bürger an einem Innsteg. Er plädierte deshalb dafür, das Projekt weiterzuverfolgen. Norbert Buortesch (Bürgerforum) sah dies ähnlich, stellte aber auch fest, dass die Kapuzinerinsel geschützt werden müsse.
Einstimmig nahm der Bauausschuss die Absprache mit den übergeordneten Behörden zur Kenntnis. Als nächster Schritt soll nun eine Relevanzprüfung der artenschutzrechtlichen Belange durchgeführt werden.