Bad Aibling – Alessija Lause ist hierzulande sowie international eine gefragte Schauspielerin. Die 45-Jährige ist bekannt aus Film und Fernsehen, begeistert am Theater und auf der Kinoleinwand. Unter anderem ist sie am 22. Februar im neuen ARD-Tatort aus Dortmund zu sehen. Dabei vergisst man leicht, dass die in Berlin lebende Schauspielerin in Bad Aibling geboren ist. Welchen Bezug sie heute noch zur Kurstadt und der Region hat und was sie sich in Zukunft gut vorstellen könnte, erzählt Lause im OVB-Interview.
Frau Lause, Ihr Vater ist Ostwestfale, Ihre Mutter Kroatin – wie kommt es eigentlich, dass Sie in Bad Aibling geboren sind?
Meine Eltern haben sich im ehemaligen Jugoslawien kennengelernt. Nachdem sie kurz in Ostwestfalen gelebt hatten, wollten sie mehr in den Süden ziehen, um es nicht so weit nach Kroatien zu haben, und einigten sich auf die Gegend um München. Dass ich in Bad Aibling geboren bin, ist eine glückliche Fügung.
Sie sind dort also geboren, lebten aber nie in der Kurstadt?
Nein, leider nicht. Ich bin die ersten zwölf Jahre meines Lebens in einem Dorf zwischen Erding und München aufgewachsen. Aber ich liebe die Gegend, die Berge und das schöne Bad Aibling. Ich komme hier häufig vorbei, wenn ich regelmäßig nach Kroatien, mein Herzenszuhause, fahre. Ich baue mir dann manchmal extra Zeit ein, um hier zu stoppen.
Als Berlinerin spielt das beschauliche Bad Aibling also auch weiterhin eine Rolle für Sie?
Absolut. Ich würde auch gerne mehr Zeit in der Stadt verbringen und Bad Aibling noch näher kennenlernen. Vielleicht mache ich das bald mal und bereite mich hier in der Gegend einige Monate auf diverse Projekte vor. Ich liebe die Ecke hier, es ist ein ganz anderes Gefühl, dort aus dem Auto zu steigen, als im großen, oftmals anonymen Berlin. Wenn man hier in der Gegend um Bad Aibling aussteigt, ist das ein wahnsinnig tolles Gefühl. Ich habe dann den Eindruck, dass ich Magnete an den Füßen habe.
Wie meinen Sie das?
Man fühlt sich hier so wahnsinnig geerdet. Ich liebe hier natürlich insbesondere die Natur, die Berge. Das hat schon etwas Mächtiges, etwas Urgewaltiges. In Berlin habe ich unglaublich tolle Menschen um mich herum. Tolle Menschen gibt es auch überall. Das Thema Großstadt an sich ist aber für mich irgendwie auserzählt. Mich reizen in Zukunft schon auch diese Gegebenheiten, die eine Gegend wie hier mit der tollen Natur bietet. Vielleicht ist es nur ein Klischee, aber ich habe das Gefühl, dass die Menschen hier auch noch ein etwas anderes Verständnis von Zeit haben.
Auch wenn Sie nicht allzu oft in der Gegend sind – gibt es etwas aus der Region, das Sie besonders lieben?
Es gibt einfach nichts Besseres als eine richtige Brezn von hier. Das ist einfach so, und da braucht auch niemand versuchen, das nachzumachen. Ansonsten schätze ich natürlich einiges aus der Region und komme beispielsweise sehr gerne zum Münchner Filmfest.
Und wie sieht es eigentlich mit Ihrem bayerischen Dialekt aus?
Na, des konn i scho a (lacht). Am Anfang meiner Filmkarriere war ich für etliche Formate mit bayerischer Mundart im Gespräch – bislang hat sich aber noch nichts in der Richtung ergeben. Das ist vielen heute gar nicht mehr bewusst, dass ich gebürtige Bayerin bin und gerne auch Mundart spreche, wenn es drauf ankommt. Darauf hätte ich auf jeden Fall auch mal Lust.
Fernab von bayerischer Mundart sind Sie am 22. Februar im 27. Fall des Dortmunder Tatorts „Schmerz“ wiederzusehen. Worauf können sich die Zuschauer freuen?
Es ist wirklich ein sehr spannender Film und tatsächlich wird dem Publikum dieses Mal auch meine Rolle, die Ira Klasnic, nähergebracht. Man erfährt hierbei auch einiges über ihre Lebensgeschichte. Dabei geht es unter anderem um eine Spur, die bis in die Gewaltgeschichte der Jugoslawienkriege reicht.
Wie viel Alessija Lause steckt eigentlich in der Ermittlerin Ira Klasnic?
Sie hat bosnisch-kroatische Wurzeln, ich bin halbe Kroatin. Insofern teilen wir uns unsere Wurzeln. Ansonsten bin ich aber ein Sprachrohr, ein Gefäß, in das die Rolle hineinschlüpft. Ich nehme mich der Rolle an und interpretiere sie. Jedoch würde ich schon sagen, dass die Rolle mir ansonsten recht unähnlich ist – wenngleich beide sehr empathisch sind.
Was ist für Sie eigentlich das Wichtigste an Ihrem Job?
Mir persönlich geht es immer um die Geschichte, die die Zuschauer bestenfalls noch berührt. Das zu transportieren, ist mir viel wichtiger, als mich als Schauspielerin in den Vordergrund zu stellen. Ich habe auch einiges produziert und bereite Regietätigkeiten vor. Die Geschichte und ihre Message sollen im Vordergrund stehen. Dafür bin ich gerne die Geburtshelferin oder das Medium, wie man es sehen möchte.
Nicolas Bettinger