Wasserburg – Nachdem die letzte Schachtel mit Scherbenfunden, die Toni Huber am Achatzberg über Jahre hinweg aufgelesen hatte, vom Landesamt für Denkmalpflege bestimmt und dem Museum übergeben wurde, kann ein vorläufiges Urteil gefällt werden.
Zusammen mit dem schon früher registrierten Material belegen die etwa 200 Fundstücke, dass der markante Hügel nicht erst im frühen Mittelalter eine Befestigungsanlage mit Turmhügelburg getragen hatte, sondern schon mehr als 1.500 Jahre zuvor besiedelt worden war.
Die Zeitspanne, belegbar an verschiedenen Keramikstücken, reicht von der späten Urnenfelderzeit (um 850/800 vor Christus) bis zur frühen Latènezeit (um 500/450 vor Christus), wobei der Schwerpunkt auf der späten Hallstattzeit (um 600 bis 500 vor Christus) liegt. Es gibt nur wenige Scherben mit Dekor, die überwiegende Zahl stellen beigebraune/graubraune Wandscherben dar, die keinen Ansatz für zeichnerische Rekonstruktionen liefern. Metallfunde fehlen bislang. Damit stellt der Achatzberg eine der wenigen vorgeschichtlichen Höhensiedlungen in Südostbayern dar, vergleichbar etwa mit dem Karlstein bei Reichenhall.
Spuren der Holz-Erde-Befestigung oder Pfostenlöcher der Häuser sind ebenso wenig bekannt wie die Lage des zugehörigen Bestattungsplatzes, wobei man entsprechend der Kulturstufe von Grabhügeln ausgehen dürfte, die im umgebenden Dauergrünland längst eingeebnet sind und auch auf Luftaufnahmen nicht entdeckt werden konnten.
In welcher Beziehung diese Höhensiedlung zur spätbronzezeitlichen/frühurnenfelderzeitlichen (rund 1300/1200 vor Christus) Anlage auf dem Marienplatz steht, lässt sich bei der derzeitigen Fundlage nicht ermitteln.
Daneben bereiten auch jungsteinzeitliche Funde vom gleichen Areal Schwierigkeiten einer Verknüpfung mit den beiden sicher belegten Siedlungsplätzen. Neben einer kleinen Feuersteinlamelle, die der Silexspezialist, der an der Erforschung des Ötzi beteiligt war, in dessen Zeit um 3.000 vor Christus eingeordnet hat, und einer Pfeilspitze der Altheimer Kultur (um 3.500 bis 2.500 vor Christus) liegen etliche unspezifische Steingeräte vom Achatzberg/Dreikreuzberg vor, die schwer interpretierbar sind. Dazu gehört neben dem Bruchstück einer Beilklinge, einem Rillenschlägel (Verwendung während der Steinzeit und den Metallepochen) und einem Schlagstein auch ein walzenförmiger Stein (Länge 11,6 Zentimeter, ovaler Querschnitt), der als Schleif-/Reibstein verwendet worden sein dürfte.
Letzterer könnte für eine Handmühle bei der Zerkleinerung von Getreidekörnern gedient haben – da diese Form der Mehlgewinnung aber über viele Kulturepochen üblich war, ist eine genauere zeitliche Einordnung nicht möglich.
Auch etliche Feuersteinbrocken mit Abschlagspuren, die sicherlich nicht mit dem Kampfgeschehen von 1705 in Verbindung zu bringen sind, und Stücke von Radiolarit, einer Abart der Silexgruppe, gehören in das Fundspektrum des Neolithikums.
Es bleiben für die Forschung also noch etliche Fragen offen, wann die Besiedlung der Halbinsel von Wasserburg und seiner engsten Umgebung wirklich begonnen hat. Vorerst aber dürfte die Fundserie von diesem Gelände beendet sein. fst