Mühldorf – Husten, laufende Nase, leichtes Fieber – was zunächst wie ein harmloser Infekt wirkt, kann für manche Menschen schnell gefährlich werden. Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, tritt auch im Landkreis vermehrt auf. Besonders betroffen sind dabei gefährdete Gruppen wie Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
Wie Dr. Florian Gottwald, Leiter Hygiene und Infektionsprävention am InnKlinikum Mühldorf-Altötting, auf Anfrage erklärt, kann eine RSV-Infektion sehr unterschiedlich verlaufen: von leichten Atemwegsbeschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen, die in Einzelfällen eine intensivmedizinische Behandlung notwendig machen.
Typische Infektionswellen
im Winter und Frühjahr
RSV tritt saisonal in Wellen auf – vor allem im November und Dezember sowie erneut im März und April. In diesen Zeiträumen zirkulieren häufig mehrere Atemwegsviren gleichzeitig, darunter auch Influenza A. „Bei Erkrankungen der unteren Atemwege von Säuglingen und Kleinkindern war bis zur Einführung der Immunisierung mit dem Mittel Nirsevimab eine Infektion mit dem RS-Virus die Hauptursache für eine stationäre Behandlung, die häufig auch auf einer Intensivstation erfolgen musste“, so Gottwald. Zu den Risikogruppen zählen laut dem Mediziner Früh- und Neugeborene sowie Säuglinge und Kleinkinder mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen. „Bei ihnen können sich besonders schwere Krankheitsbilder wie eine gefürchtete RSV-Bronchiolitis oder eine RSV-Pneumonie entwickeln. Als mögliche Langzeitfolge kann eine anhaltende Überempfindlichkeit der Atemwege zurückbleiben“, so der Experte.
Auch Erwachsene könnten schwer erkranken. Gefährdet seien vor allem Menschen ab 60 Jahren mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sowie Personen mit angeborenen oder erworbenen Immunschwächen. Sie könnten einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf einer RSV-Infektion erleiden.
Auch die vorbestehende Grunderkrankung kann dadurch anhaltend verschlechtert werden, warnt Gottwald.
Einen wichtigen Fortschritt gibt es nach seinen Angaben beim Schutz von Neugeborenen. Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen alle Neugeborenen vor ihrer ersten RSV-Saison eine Immunisierung mit dem Antikörper Nirsevimab erhalten.
Am InnKlinikum Mühldorf-Altötting zeigt sich der Effekt nach eigenen Angaben deutlich: Im Jahr 2025 hat sich die Zahl der RSV-Nachweise im Vergleich zu 2024 mehr als halbiert, so das InnKlinikum. Diese Entwicklung deckt sich mit den bundesweiten Daten des Robert-Koch-Instituts, das einen Rückgang um 54 Prozent im Vergleich zur Vorsaison verzeichnet. Auch für ältere Erwachsene gibt es klare Empfehlungen, sagt Gottwald: Personen zwischen 60 und 74 Jahren mit schweren chronischen Erkrankungen sollten sich vor Beginn der RSV-Saison einmalig impfen lassen. Ab 75 Jahren gelte diese Empfehlung für alle – unabhängig von Vorerkrankungen.
Einordnung: RSV ist für viele Menschen harmlos, für bestimmte Gruppen jedoch ein ernst zu nehmendes Risiko. Die Erfahrungen und Zahlen aus dem Landkreis zeigen: Prävention wirkt – und kann gerade die Verletzlichsten wirksam schützen.
Dem Gesundheitsamt Mühldorf liegen noch keine Zahlen vor, wie viele Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder im Landkreis immunisiert wurden; die Auswertung dauert an.
Da die Wirkung nur sechs Monate anhalte, würden die Antikörper mit Blick auf eine bevorstehende RSV-Saison gespritzt. So erfolge die Immunisierung beispielsweise bei im Winter geborenen Kindern in der Regel auf der Geburtshilfestation in Altötting und bei im Sommer geborenen beim Kinderarzt, erklärt die Pressestelle am Landratsamt Mühldorf auf Nachfrage.