Eiselfing – Es sollte eine nette Weihnachtsfeier werden, doch daraus wurde nichts. Statt einer geselligen Runde stand ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt für Lisa und Florian Mooser mit ihrer gemeinsamen Tochter – deren Namen hier zum Schutz des Kindes nicht erwähnt wird – an. Denn die Zweijährige wurde bei der Feier schwer von einem Hund gebissen.
„Völlig überraschend“, erzählen die Eltern Lisa und Florian Mooser, sei der holländische Schäferhund einer Bekannten auf ihre Tochter losgegangen.
Langjährige
Hundeerfahrung
Sowohl die Besitzerin des Schäferhundes als auch das Ehepaar aus Eiselfing blickt auf langjährige Hundeerfahrung zurück. Sie seien beide mit Hunden groß geworden, besitzen selbst einen Deutschen Schäferhund, waren bis vor Kurzem sogar Mitglieder bei der Rettungshundestaffel Rosenheim. „Ich will nicht sagen, dass wir Experten sind, aber wir kennen uns doch ein wenig aus“, sagt Lisa Mooser.
Entsprechend hätten sie auch ihrer Tochter beigebracht, richtig mit Hunden umzugehen. Sie wisse, dass sie diese nicht ärgern und nicht erschrecken dürfe. Das habe sie an dem Tag im Dezember auch nicht getan, umso überraschender deshalb der Angriff. Eineinhalb Meter Abstand hätte die Tochter zu dem Hund gehabt. „Ich dachte eigentlich, das ist genug“, sagt Lisa Mooser, „war es aber anscheinend nicht.“
Der Hund griff die Zweijährige laut Aussage des Paares völlig unvermittelt an. „Da gab es keine Anzeichen, auch keine kleinen“, erzählt Florian Mooser. Stattdessen habe er ganz plötzlich die Tochter im Gesicht gebissen. Mit dem Unterkiefer bohrte er sich knapp unter der Unterlippe durch das Fleisch in den Mund der Tochter, ein Schneidezahn musste deshalb entfernt werden. Der Oberkiefer des Hundes landete knapp unter ihrem Auge und hinterließ auch dort eine Wunde bis auf den Knochen. Es gibt Fotos von diesen Wunden, weil diese nicht zumutbar sind, werden sie hier nicht gezeigt.
Bis heute können sich aber weder Lisa noch Florian Mooser erklären, warum der Hund überhaupt zugebissen hat. Sie wollen deshalb auch aufklären und andere Eltern zur Vorsicht mahnen. „Wenn uns als erfahrenen Hundebesitzern so etwas passieren kann, wie gefährdet sind dann Familien ohne Hundeerfahrung?“, fragt Lisa Mooser. Immer wieder bekäme sie mit, wie Kinder beim Spazierengehen auf Hunde zurennen und von ihren Eltern nicht gestoppt würden und egal, ob Schäferhund oder Chihuahua, alle Hunde könnten beißen und gefährliche Wunden hinterlassen.
Das Eiselfinger Ehepaar übt allerdings auch Kritik, insbesondere an der Integrierten Leitstelle Rosenheim (ILS). Gleich nach dem Hundebiss hätte sie nämlich den Notruf gewählt, doch anstatt einen Rettungswagen zu schicken, sei ihnen am Telefon gesagt worden, dass sie lieber selbst in die Rosenheimer Notaufnahme fahren sollten, das ginge schneller.
Bis heute sind sowohl Lisa als auch Florian Mooser schockiert von diesem Vorgehen. Ein schwer verletztes Kleinkind, für das kein Rettungswagen zur Verfügung stehe, das sei nicht tragbar. „Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber da frage ich mich schon, wie schlecht unsere Region wirklich versorgt ist“, so Lisa Mooser.
Außerdem, stellt Ehemann Florian fest, sei ein solches Vorgehen auch gefährlich. Er selbst sei in die Notaufnahme gefahren, „und ich gebe ehrlich zu, zu diesem Zeitpunkt war ich eigentlich nicht mehr fahrbereit“, sagt er. Ohne Weiteres hätten hier auf der immerhin halbstündigen Autofahrt weitere Unfälle passieren können.
Auf Anfrage erklärt die Stadt Rosenheim, die für die ILS zuständig ist, dazu, dass die Stadt und ILS „nach interner Prüfung des Vorgangs“ festgestellt habe, „dass der betreffende Notruf nicht in der Sensibilität bearbeitet wurde, die ein Einsatz mit einem verletzten Kind zwingend erfordert“. Der Sachverhalt sei intern umfassend aufgearbeitet worden. Mit dem betroffenen Mitarbeiter sei bereits ein Gespräch geführt und entsprechende weitere Konsequenzen seien eingeleitet worden.
Hinsichtlich der Zweifel der Familie Mooser, ob es grundsätzlich genügend Rettungsmittel zur Verfügung stehen, weist die Stadt darauf hin, „dass die Abläufe kontinuierlich gemeinsam mit dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim überprüft und weiterentwickelt werden. In diesem konkreten Fall ergeben sich daraus jedoch keine weitergehenden Auswirkungen oder grundsätzliche Änderungen.“
Inzwischen geht es der Zweijährigen physisch wieder gut, erzählen die Eltern.
Albträume und
Angst vor Hunden
Zur Nachkontrolle stünden noch einige Arzttermine an, doch bislang würden die Wunden gut verheilen. Psychisch sei sie allerdings angeschlagen. Sie schäme sich für ihre Narben, habe Albträume und eine Angst vor Hunden entwickelt. „Früher waren unsere Tochter und unsere Hündin beste Freunde“, erzählt Lisa Mooser. Das sei heute nicht mehr so. Der Angriff habe seine Spuren hinterlassen.