Das Geheimnis des Fasses

von Redaktion

Bei dringend notwendiger Reparatur finden die Haager Schäffler einen alten Vermerk

Haag – „Das Geheimnis des Fasses“ lüfteten heuer die Haager Schäffler. Bei der notwendigen Restaurierung kam es zu Tage und dokumentierte, dass schon vor 50 Jahren das „Fassl der Schaffler“ einer Erneuerung bedurft hatte. Eine dringende Renovierung stand für das Fass der Haager Schäffler heuer an: der Reif, der es zusammenhält, war gerissen. Dieser Reif ist einer besonderen Belastung ausgesetzt, da auf ihn die Klopfer – in dieser Saison Richard Kern und Karl Heinz Zauilig – draufschlagen.

Tüftler, Bastler,
Handwerker

Zur Reparatur musste der Reif vom Fass gelöst werden. Um nichts zu beschädigen, war es dabei nötig, das Fass zu zerlegen. Schäfflermeister Sepp Herzog, Hans Spindler und Seppe Herzog gingen ans Werk. Dabei öffneten sie das Traditionsfass, von dem keiner so recht weiß, wie lange es schon auf dem Schäfflerwagerl zum Tanz mitgefahren wird.

Nun aber staunten die drei Fasslrestauratoren nicht schlecht: Am Boden lag ein Zettel mit einem handschriftlichen Vermerk. Er hieß: „Repariert Dezember 95. GW.“ Schnell bekamen die drei heraus, dass es sich bei dem GW um den bereits verstorbenen Weber Schorsch handeln musste. Er war als Tüftler, Bastler, Handwerker nicht nur bei Schützen und Schäfflern angesehen, hatte er doch zum Grafschaftsjubiläum seine eigene Kanone gebaut.

Nicht nur einmal
tätig gewesen

Seine Frau Inge Weber bestätigte auf Nachfrage die Vermutung und teilte mit, dass der Schorsch nicht nur einmal für die „Aufmöbelung“ des Fasses tätig gewesen war.

Nun gingen die drei an die Arbeit. In ausgebautem Zustand schweißten sie den Ring neu. Bevor sie ihn aber draufsetzten und das Fass schlossen, dachten sie, dem Vorbild des Weber Schorsch vor 50 Jahren zu entsprechen und auch einen Zettel hineinzulegen. Sollten sich doch die nachfolgenden Schäfflergenerationen bei einer anstehenden Reparatur ebenfalls über einen Zettelfund im Fass freuen und wissen, wer zum Erhalt beigetragen hat.

Etikett des Schäfflerbiers dazugelegt

Auf dem Blatt von 2026 steht der Hinweis auf die Reparatur, ausgeführt von Sepp Herzog, Hans Spindler und Seppe Herzog. Dazu legten sie noch ein Etikett vom Schäfflerbier hinein. Dabei handelt es sich ja wirklich um ein Novum der Haager Schäfflertradition. Ein eigenes Bier hatten sie seit Gründung 1909 unter Georg Jäger nicht.

Nun können die Klopfer zum Takt der Ramsauer Blaskapelle wieder richtig draufhauen, um das einstige „Reifenauftreiben auf das Fass“ – ein wichtiger Arbeitsvorgang der Schäffler – zu demonstrieren. Das soll einer alten Interpretation zufolge andeuten, dass neben all der Gaudi, Tanz und Musik die Arbeit weiter geleistet werden muss. Eine wichtige Funktion hat der Reif, der nicht ans Fass gebunden ist und vom Schäfflermeister mit dem Schnapsglas geschwungen wird.

Wer hat das
Kreuz repariert?

Schäfflermeister Sepp Herzog ergab sich während dieser Reparatur eine weitere Frage: Wer hat eigentlich das Kreuz, das der Kreuzlträger der „Haager Binder“ zum Tanz in der Mitte aufstellt, repariert oder neu gefertigt?

Man weiß nur, dass es in den 60er-Jahren erneuert wurde. Sepp Herzog hat es analysiert und herausgefunden, dass es „ganz raffiniert“ zusammengeschraubt und aus den verschiedenen Materialien Holz, Eisen und Aluminium gefertigt ist: „Das muss ein Tüftler gewesen sein.“

Sollte jemand wissen, wer dieser Tüftler war, würden sich die Haager Schäffler freuen, es zu erfahren.

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