Keine Scheu vor den Fragen der Bürger

von Redaktion

Vier Kandidaten für das Wasserburger Bürgermeisteramt bei Podiumsdiskussion von Rio konkret

Wasserburg – Politikverdrossenheit? Davon ist in Wasserburg nichts zu spüren. Kaum fassen konnte der Pfarrsaal in St. Jakob die mehreren Hundert Bürger, so interessiert zeigten sich die Wasserburger an der Podiumsdiskussion von Rio konkret mit den vier Bürgermeisterkandidaten.

Die vier Bewerber Bastian Wernthaler, parteiloser gemeinsamer Kandidat von CSU, SPD, Grünen und Bürgerforum, Georg Gäch, Kandidat des Wasserburger Blocks, Josef Baumann, Kandidat der Freien Wähler Reitmehring-Wasserburg sowie Milan Matijevic, Kandidat der Linken Liste, zeigten sich gut vorbereitet und informiert. Sie debattierten fair miteinander und mit dem Publikum.

Souveräne Antworten
auf unbekannte Fragen

In einer vorher ausgelosten Redefolge und mit einer festgelegten Redezeit von jeweils zweieinhalb Minuten antworteten allesamt souverän auf die ihnen unbekannten Fragen von Moderatorin Heike Duczek, Leiterin der Wasserburger Zeitung und ihrer Online-Portale. Die Kandidaten zeigten auch keine Scheu, sich den Fragen der Bürger zu stellen.

Klar wurde im Laufe des Abends auch: In Wasserburg gibt es viele Themen, die die Stadt und die Bürger beschäftigen. Angefangen bei der Nachhaltigkeit und der Frage, wie grüne Energie in Wasserburg auch trotz Denkmalschutz und ohne fossile Energie funktionieren kann.

Keinen Aspekt
ausgespart

Über das Thema Mobilität und Barrierefreiheit, mit der Frage, ob die Altstadt autofrei werden sollte, bis hin zum Thema Wohnen, Leben und Kultur. Kein Aspekt des Wasserburger Lebens wurde an diesem Abend ausgespart.

Viele unterschiedliche Themen sprach auch das Publikum an, darunter die geplante DK1-Deponie in Babensham, die Unterführung an der Innhöhe, die Verkehrssicherheit in Viehhausen sowie die Aufwertung des Stadtteils Reitmehring. Auch hier präsentierten sich die Bürgermeisterkandidaten gut informiert und hatten konstruktive Vorschläge.

In vielen Punkten zeigten sich die Kandidaten dabei überraschend einig. Keine Deponie in Babensham, grüne Energie bei Strom und Heizung ist richtig und wichtig: Das war beispielsweise für alle klar. Trotzdem gab es aber zwischen den Kandidaten auch gravierende Unterschiede. So schloss Baumann eine autofreie Altstadt kategorisch aus zum Schutz des Einzelhandels, während Matijevic genau die gegenteilige Meinung vertrat und die Autofreiheit als essenziellen Bestandteil der Barrierefreiheit sah.

Am deutlichsten wurden die Unterschiede, als die Kandidaten nach ihrem Fokus in den ersten 100 Tagen einer möglichen Amtszeit gefragt wurden. So legte Gäch den Schwerpunkt auf die Feuerwehr Wasserburg und kündigte an, sich in den ersten 100 Tagen „einkleiden“ zu lassen, „um die Defizite zu erkennen und die Feuerwehr in die Richtung mitlenken zu können, wo sie hingehört“.

Baumann kündigte an, sich auf die „sozialen Probleme“ fokussieren zu wollen, und nannte als Beispiel die neu erschaffenen heilpädagogischen Betreuungsmöglichkeiten an den Grundschulen am Gries und Reitmehring. Es sei an der Zeit, zu schauen, warum es diesen Bedarf gebe.

Matijevic wollte den „Bürgern eine spürbare Entlastung in ihrem Alltag“ geben. Junge Familien hätten es schwer genug, sie sollten seitens der Stadt entlastet werden.

Wernthaler wiederum verkündete, die ersten Monate einer möglichen Bürgermeister-Amtszeit zu nutzen, „um zu sprechen und zu analysieren“ sowie die Verwaltungsmitarbeiter und Stadtratsmitglieder genau kennenzulernen und zusammenzuführen.

Eine gelungene Debatte, bei der es nur ganz zum Schluss kurz lauter und emotionaler im Publikum wurde. Grund dafür war eine Frage eines Bürgers an den linken Kandidaten Matijevic. Für ihn sei es unverständlich, wie der Kandidat für „das Erschaffen von neuen Wohnungen sein könne“ und es gleichzeitig kritisiere, wenn genau dies passiere, wie an der ehemaligen Essigfabrik. Konkret stehe auch die Forderung nach einer Zweckentfremdungssatzung gegen den Leerstand im Raum. „Sie verschlechtern die Bedingungen für Vermieter, zum anderen wollen Sie, dass neuer Wohnraum entsteht. Für mich gibt es da einen Interessenskonflikt“, so der Bürger. Die Antwort von Matijevic: „Wir müssen zunächst grundsätzlich verstehen, dass sich der Mieter in der prekären Wirtschaftslage befindet, während der Vermieter auf mehreren Hunderttausend bis Millionen Euro Wert sitzt“ – brachte insbesondere Wolfgang Schmid, Stadtratsmitglied und Listenkandidat der CSU, auf. Er wies auf seiner Meinung nach „linke Phrasen“ hin.

Mit den Worten „Jetzt haben Sie die Qual der Wahl, liebe Wasserburger und Wasserburgerinnen“ und der Bitte, am 8. März vom Stimmrecht Gebrauch zu machen, entließ Moderatorin Duczek die vielen Interessierten. Auch Robert Obermayr, Vorsitzender von Rio konkret, dankte für einen spannenden und informativen Abend.

Wer nicht dabei war, hat die Möglichkeit, sich das komplette Video des Livestreams auf dem Youtube-Kanal von Rosenheim24 anzuschauen.