Wasserburg – Selten einer kennt den Wasserburger Schäfflertanz so gut wie er. Franz Göpfert. Seit 1970 ist er in der Truppe. Viel hat er in diesen neun Tanzsaisonen erlebt. Und sein Herz brennt immer noch für die althergebrachte Tradition. Erinnerungen im Wandel der Zeit.
Dabei war Franz Göpfert das erste Mal im Januar 1970, als Wagerlbua. Mit gerade mal zehn Jahren. Die Winter waren damals noch knackig kalt, der Schnee üppig. Daher gab es auch an fast allen Tanzplätzen einen Schnaps. Zum „Aufwärmen“. Und meist noch ein oder zwei Flaschen obendrein. Für die Truppe. Alternativ auch gerne Wein.
Gesammelt
und verteilt
Dieser Überschuss wurde dann im Depot der Schäffler, an der Griesturnhalle, gesammelt und am Faschingsdienstag an alle Teilnehmer verteilt. So kam es durchaus vor, dass die damals noch minderjährigen Tänzer wie auch Wagerlbuam am Abend mit ein oder zwei Flaschen Hochprozentigem nach Hause kamen. An diese Tradition knüpft sich auch eine der peinlichsten Erinnerungen von Franz Göpfert in seinem bisherigen Schäffler-Dasein. Nämlich, als beim Schmusen mit einer feschen Marketenderin in den 1970-er Jahren, unter den Arkaden am Marienplatz, plötzlich seine damalige Freundin erschien.
Eine saftige
Watschn
Die Antwort war eine saftige Watschn, die Schnapsflasche in der Hosentasche ging zu Bruch und der Haussegen hing ordentlich schief.
Die größte Freude hingegen hatte Franz Göpfert in den 1980er-Jahren, als die „Hofstatt“ kurzerhand zum „Schäfflerplatz“ umbenannt wurde. Auf sein Zutun und mit einem von ihm angefertigten Metallschild. Ohne das Wissen der Stadtverwaltung. An diesem Platz, und noch dazu vor dem früheren Stammlokal der Schäffler, dem „Hennagassl“, fand der Tanz in jeder Saison besonders oft statt. Und das nutzte eine kleine Abordnung der Unentwegten, um in Begleitung der Stadtkapelle und mit Marschmusik die Örtlichkeit kurzerhand umzuwidmen. Das Straßenschild hängt übrigens auch heuer wieder. Bei den Tänzen mit dabei war auch stets die Stadtkapelle. Meistens mit fünf bis acht Mann pro Tag. Im Vergleich: Heute spielen so viele Musikanten, dass der Bus oftmals nicht mehr reicht. Ein Motivationsschub für ihre Darbietungen war damals hauptsächlich das Stamperl Schnaps, die Halbe Bier oder Geld. Ohne dieses Zugeständnis erklang selten ein Ton. Doch diese Zeiten haben sich grundlegend geändert. Zwischenzeitlich spielt die Stadtkapelle, so oft es nur geht. Kostenlos und mit Freude. Sie ist der Stimmungsgarant des weitum bekannten Wasserburger Schäfflertanzes. Die Musik ist der Hit!
Rationiertes Essen
für Teilnehmer
Rationiert waren in früherer Zeit auch das Essen und Trinken für die Teilnehmer. Man bekam Marken. Letztere waren rar. So nahm es kein Wunder, dass der letzte Tanz am Tag meistens an einer Wirtschaft getanzt wurde. Endlich gab es etwas Warmes zum Essen. Doch meistens reichte dann eine Marke nicht für die jungen Burschen. Sie hatten Hunger.
Und daher gründete sich dann auch im Jahr 1977 die „Schäfflergewerkschaft“. Eine in jeder Saison und auch heute noch bestehende Vereinigung innerhalb der Truppe, die tunlichst darauf achtet, dass es den Teilnehmern nicht schlecht geht.
Die Mitglieder zahlen in die Gewerkschaftskasse ein und bekommen einen Ausweis. Als Gegenleistung dafür wird von den Verantwortlichen die Führungsmannschaft der Schäffler überprüft, beanstandet und notfalls auch bestreikt.
Meiste Tänze
noch in der Stadt
Die meisten Tänze fanden ehedem noch in der Stadt selbst statt. Es wurde von Haus zu Haus getanzt, die ganze Straße entlang. „Do hot se koana o´schaug´n loass´n. Do hot a jeder zoit“, wie sich Franz Göpfert erinnert. Und häufig wurde dann auch direkt vor Ort bezahlt. Eine Vorauskasse gab es nur selten. Deshalb musste auch stets ein Erwachsener den Fassl-Wagen „bewachen“. Darin befand sich die Barkasse. Für ihn galt Alkoholverbot. Hoch im Kurs standen natürlich die Metzger und die Bäcker. Bei ihnen gab es frische Handwürste und Krapfen. Sehr zum „Neid“-wesen der Schulkameraden, die freilich ob dieses Überflusses dann plötzlich auch gerne mit dabei gewesen wären.
Erst in den 1980er-Jahren kam dann die Mehrzahl der Tanzbestellungen von auswärts und der Bus wurde zum unverzichtbaren Transportmedium. Doch auch bereits in den 1970er-Jahren tanzte man in Rosenheim beim Landratsamt sowie beim Stadt- und Landball. Diese Auftritte waren Höhepunkte.
Taktung etwa
wie heute
Tanzbeginn war seither meist um 8 Uhr früh, Tanzende abends. Die Zahl der Auftritte pro Tag variierte zwischen sieben bis elf Tänzen, was auch der heutigen Taktung entspricht. Und auch damals durfte bei so gut wie keinem Tanz das Bier fehlen.
Außer natürlich bei der früheren Likörfabrik Sigl. Dort gab es den „Schürhackl“ mit seinen 54 Volumenprozent Alkohol. Und den „Persico“, einen süß-säuerlichen Likör. Und beide hinterließen bei den Konsumenten meist Spuren. Wie auch immer.
Ein deutlich strengeres Regiment wurde in Vorjahren geführt. Jedoch minderte das nicht ansatzweise den Spaß und den Zusammenhalt, den die Teilnehmer hatten. Zwischenzeitlich sind auch schon die Enkerl von Franz Göpfert in der Truppe engagiert. Und darüber freut er sich ganz besonders. Tradition verpflichtet und Schäfflergene werden offensichtlich vererbt.
Der letzte Tanz der Wasserburger Schäffler findet heuer am Dienstag, 17. Februar, um 18 Uhr am Marienplatz statt. Voran geht ein Fackelzug über die Innbrücke. Die gesamte Bevölkerung ist herzlich eingeladen. Den nächsten Tanz gibt es erst wieder in sieben Jahren.