Mit wenig Aufwand Hoffnung schenken

von Redaktion

Ludwig Betzl aus Schonstett ermutigt andere zur Stammzellenspende

Schonstett – Zehn Millionen Menschen sind bundesweit laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschlands (ZKRD) als potenzielle Stammzellen-spender registriert. Etwa ein Prozent davon wird tatsächlich aufgefordert, zu spenden. Ludwig Betzl (29) aus Schonstett ist einer davon. Mit seiner Geschichte möchte er andere ermutigen, sich ebenfalls zu registrieren. „Mit wenig Aufwand kann man Hoffnung schenken“, sagt Betzl.

Im vergangenen Juli
kam der Anruf

Vor knapp zehn Jahren registrierte sich Betzl bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). An der Berufsschule habe es damals eine Typisierungsaktion gegeben. „Da ist man praktisch nicht ausgekommen“, erzählt er schmunzelnd. Dass er jemals tatsächlich zum Spender werden würde, damit habe er natürlich nicht gerechnet, sagt Betzl. Bis im Juli vergangenen Jahres der Anruf mit der Frage kam, ob er weiterhin bereit sei, zu spenden. Betzl sagte ja.

In kaum drei Monaten wurde Betzl für die Spende vorbereitet. „Die Situation war ziemlich brisant“, erinnert sich Betzl. Innerhalb weniger Wochen wurde der Schonstetter zum Gesundheitscheck geschickt und bekam grünes Licht. Anschließend verabreichte er sich für fünf Tage lang jeweils zweimal am Tag eine Spritze, um die Stammzellenproduktion anzuregen – ähnlich wie bei Thrombose-spritzen, erzählt Betzl. Der 29-Jährige möchte dabei nichts schönreden. Von den Spritzen habe er Nebenwirkungen gehabt. Knochenschmerzen, zwischenzeitlich auch Atemprobleme. „Jeder reagiert darauf ein bisschen anders“, sagt Betzl. Dennoch würde er jederzeit wieder spenden, sagt er. „Es ist einfach eine gute Sache.“

Drei Tage
nach Tübingen

Im September ging es für Betzl für drei Tage nach Tübingen, bezahlt von der DKMS. Auch der Ausfall bei seinem Arbeitgeber sei von der DKMS kompensiert worden. Die Spende selbst war dann nach nur dreieinhalb Stunden vorbei. Betzl vergleicht sie mit einer Blutspende, nur, dass ihm sein Blut auf der einen Seite genommen und dann, nachdem die Stammzellen separiert wurden, über den anderen Arm wieder zurückgegeben worden sei. „Das war wirklich nicht schlimm.“

Nur einen Wermuts-Tropfen gibt es für den 29-Jährigen: Weil er vor der Stammzellen-Spende keine Infekte haben durfte, musste er sich in seinem Sozialleben einschränken. „Aufs Rosenheimer Herbstfest konnte ich deshalb im vergangenen Jahr nicht gehen.“ Glücklicherweise wird das Volksfest ja jedes Jahr wiederholt.

Heute weiß Betzl, dass seine Stammzellen in die Balkan-Region gekommen sind. Wer seine Zellen bekommen hat, also sein genetischer Zwilling ist, weiß er aber nicht. Wahrscheinlich werde er das auch nie erfahren. „Einmal im Quartal bekomme ich aber ein Gesundheits-Update per Post zugeschickt“, erzählt er. Daher wisse er, dass die Stammzellen inzwischen verabreicht worden seien. Der Person gehe es den Umständen entsprechend gut.

Ein Stück
Hoffnung schenken

Ob Betzls Stammzellen am Ende tatsächlich ein Leben retten werden, das wird sich aber erst noch herausstellen. „Dafür gibt es einfach keine Sicherheit.“ Doch ein Stück Hoffnung, eine Chance, habe er schenken können, mit wenig Aufwand. „Und das ist viel wert“, sagt er.

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