Auf verkehrssicheres Verhalten hinwirken

von Redaktion

Gemeinderat Gars diskutiert über Fußgängerampeln und andere Querungsmöglichkeiten

Gars – Eine Diskussion stand eindeutig im Mittelpunkt der jüngsten Garser Gemeinderatssitzung: der Antrag aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf die Errichtung von Fußgängerampelanlagen an den beiden Fußgängerüberwegen über die Hauptstraße beim Rathaus und über die Kloster-Auer-Straße zwischen Mittelschule und Gymnasium, gestellt im Herbst letzten Jahres. Hierzu hatte man, wie beschlossen, fachkundigen Rat eingeholt, und es gab in der Tat Bemerkenswertes zu berichten. So hieß es in einer Stellungnahme der Polizei, dass Ampelanlagen an Schulen zwar grundsätzlich „eine gute Sache, aber kein Allheilmittel“ seien.

Autofahrer geben
schnell noch Gas

Die bestmögliche Gefahrenabwehr bestehe aus einer Kombination von Ampel und Schulweghelfern. Bei alleinigem Ampelbetrieb sei leider festzustellen, dass manche Autofahrer bei Gelb noch schnell Gas gäben oder Fußgänger sich bei Grün in Sicherheit wögen und nicht mehr ausreichend auf den Verkehr und die Entwicklung an der Ampelanlage achteten.

Noch erstaunlicher die Aussagen eines Verkehrsexperten, den Bündnis 90/Die Grünen hinzugezogen hatten: Laut seriösen Unfallstatistiken sei die Verkehrssicherheit an einem Zebrastreifen der an einem Überweg mit Ampel gleichzusetzen. Insofern empfehle es sich, Fußgängerüberwege besser kenntlich zu machen. Vor allem würde aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h die Sicherheit deutlich erhöhen, was auch vonseiten der unteren Verkehrsbehörde des Landratsamtes bestätigt wurde. Auch zum geschätzten finanziellen Aufwand gab es sehr Ernüchterndes: Das Staatliche Bauamt Rosenheim gibt die Kosten einer Ampelanlage mit jeweils 150.000 bis 200.000 Euro an, wobei die Anschaffung der Technik und die Bauarbeiten gar nicht der entscheidende Kostenfaktor sind, sondern der von der Gemeinde zu zahlende Ablösebetrag für künftige Instandhaltungskosten an den Staat, an den die Ampelanlage übertragen werden muss. Vor dem Hintergrund dieser Informationen hielten auch die Gemeinderäte der Grünen nicht mehr an ihrem Ampelantrag fest, da die hohen Kosten nicht in einem vernünftigen Verhältnis zum erwartbaren Nutzen stünden. Vielmehr müsse man darüber nachdenken, wie man die Zebrastreifen durch geeignete optische Maßnahmen wie zum Beispiel Blinklichter, Beleuchtung und/oder Poller auffälliger gestalten könne und ob eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h möglich sei. Darüber war man sich offenkundig im Gremium noch völlig einig, doch ein weitergehender Vorschlag von Drittem Bürgermeister Joachim Kraus (Bündnis 90/Die Grünen), neben Empfehlungen für Verbesserungen an den Fußgängerüberwegen gleich ein Verkehrskonzept für den innerörtlichen Bereich zu beauftragen, stieß dann doch auf breiteren Widerspruch, wobei der Garser Gemeinderat auch ein wenig in den Wahlkampfmodus geriet. Michael Inninger (FWG) wehrte sich gegen immer neue Konzepte und ihre Kosten, und auch andere waren der Meinung, man solle auf die konkreten vorliegenden Ergebnisse nicht gleich noch weitere Beschlüsse draufsatteln. Inninger und Zweite Bürgermeisterin Hildegard Brader (FWG) betonten, ausgehend von eigenen Beobachtungen, die mangelnde Disziplin der Fußgänger, die dazu neigten, irgendwo die Straße zu überqueren. Das wurde auch als Folge einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung gesehen, welche die Wirksamkeit von aufwendigen verkehrstechnischen Konzepten und Maßnahmen grundsätzlich infrage stelle. Andererseits, so Christian Nieder (Bündnis 90/Die Grünen), hätten die Ergebnisse zu den Ampelanlagen doch gerade gezeigt, dass der Rat von Fachleuten durchaus hilfreich sein könne.

Da aber auch klar war, dass weitere Begutachtungen der Verkehrssituation ohnehin erst wieder Sinn machen, wenn die umfangreichen Bauarbeiten im Bereich der Mittelschule abgeschlossen sind, nahm man aktuell von Überlegungen zu einem erweiterten Verkehrskonzept Abstand und beschloss einvernehmlich, zunächst einmal konkrete Vorschläge zur verbesserten Ausgestaltung der beiden Überwege, so insbesondere auch einer besseren Beleuchtung des Überwegs beim Rathaus, und die Entwicklungen zum Thema 30 km/h in Ortschaften abzuwarten, das ja ohnehin zur Zeit in der Diskussion ist.

Fehlendes
Engagement bedauert

Darüber hinaus wurde allgemein die Notwendigkeit gesehen, über möglichst viele Kanäle aufklärerisch und erzieherisch im Hinblick auf ein verantwortungsbewusstes verkehrssicheres Verhalten in die Bevölkerung hineinzuwirken. Brader betonte auch noch einmal die Wirksamkeit von Schulweghelfern und bedauerte, dass sich niemand mehr für diese so effiziente Sicherungsmaßnahme finden lasse.

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