Maitenbeth – Vor einer überaus großen Trauergemeinde zelebrierte Gemeindereferentin Sandra Pongratz vom Seelsorgeteam St. Wolfgang in der Maitenbether Pfarrkirche die von großer Verbundenheit geprägte, bewegende Trauerfeier mit anschließender Beerdigung auf dem Kirchenfriedhof für Katharina Boschner, die im Alter von 83 Jahren verstorben war. Charly Miller an der Orgel und Rosa Obermaier gesanglich begleiteten die Trauerfeier. Die Fahnenabordnungen des Schützenvereins Alpenblick und der Katholischen Frauengruppe gaben der Verstorbenen das letzte Geleit.
Das Leben von Kathi Boschner war immer geprägt von viel Fleiß und Arbeit, oftmals von großen Entbehrungen und dazwischen immer wieder von schweren Schicksalsschlägen. Sie wurde am 22. November 1942 in Daigelspoint bei Isen als drittes von vier Kindern der Familie Nussrainer geboren und ist dort auf dem kleinen, landwirtschaftlichen, elterlichen Anwesen in bescheidenen, christlichen Verhältnissen auch aufgewachsen. Zur Schule gegangen ist sie in Isen. Sie berichtete oft über den beschwerlichen, fünf Kilomeer langen Fußweg dorthin. „Im Winter war es oft so kalt, dass mir sogar einmal ein Ohrläppchen angefroren ist“, hatte sie nie vergessen. Anschließend besuchte sie zunächst die Landwirtschaftsschule und später die Hauswirtschaftsschule. Schon mit 21 Jahren musste sie dann die Verantwortung für das landwirtschaftliche Anwesen übernehmen, weil ihr Vater viel zu früh verstorben war. Beim Tanzen lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Simon Reich kennen und am 2. Oktober 1965 wurde in der Kirche von Innerbittlbach geheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Irmi und Simon hervor.
Mit viel Eigenleistung begannen sie sich ihr Zuhause neu zu gestalten und umzubauen. Als ihr Mann 1971 an einem Krebsleiden verstorben ist, war sie mit nur 29 Jahren Witwe mit zwei kleinen Kindern. In diesen schweren Zeiten lernte sie den Viehhändler und Gastwirt Georg Boschner aus Maitenbeth kennen. Die beiden heirateten am 22. Juni 1972 und die beiden Kinder Katharine und Elfriede kamen zur Welt. Kathi Boschner war jetzt Gastwirtin mit einer eigenen Metzgerei und nahm diese neue Aufgabe mit viel Ehrgeiz, Hingabe und Arbeitseinsatz wahr. Neben dem Betrieb des alten Wirtshauses und der Landwirtschaft planten sie 1974 den Bau eines neuen Gasthauses mit Metzgerei. Mit der Fertigstellung 1977 entstand ein neuer gesellschaftlicher Mittelpunkt in der Gemeinde. Der Schützenverein Alpenblick zog ein und hält heute noch seine Schießabende dort ab, viele andere Veranstaltungen fanden dort statt.
Kathi Boschner war für die vielen Gäste nicht nur eine hingebungsvolle Wirtin, sondern auch eine ausgezeichnete, leidenschaftliche, für ihre Hausmannskost bekannte Köchin. Insbesondere für ihren einzigartigen Wurstsalat war sie weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Oft erzählte sie, mit wieviel harter Arbeit, wieviel Entbehrungen und wie wenig Schlaf und Freizeit sie auskommen musste, um das alles bewältigen zu können.
Große Freude bereitete ihr dabei immer das Heranwachsen oder der Besuch ihrer acht Enkelkinder, die ihr großen Halt gaben, als ihr zweiter Ehemann Georg nach kurzer Krankheit im September 2011 verstarb. Eine große Leidenschaft und eine kleine Abwechslung vom stressigen Alltag war ihre Verbundenheit zur Natur und dabei insbesondere die Pflege ihres Gemüse- und Blumengartens. An ihren wenigen freien Tagen fuhr sie früher gerne mit der Familie in die Berge, sammelte dort immer die schönsten Steine und nahm sie mit nach Hause. Später nahm sie auch gerne an den Tagesausflügen des VdK oder des Gartenbauvereins teil. Einmal unternahm sie auch eine Reise in die Schweiz. Kathi Boschner war ein äußerst gläubiger Mensch. Insbesondere das Rosenkranzgebet in Hochhaus oder in Hohenlinden mit ihren Freundinnen oder der regelmäßige Kirchgang bedeuteten ihr sehr viel. Sie engagierte sich eine Periode lang im Maitenbether Pfarrgemeinderat und konnte sich 2010 mit einer Reise nach Rom zu Papst Benedikt einen Herzenswunsch erfüllen.
Die letzten Jahre verließen sie ihre Kräfte aber immer mehr und sie musste sich mit kleinen Freuden des Lebens begnügen, wie dem Füttern ihrer „netten Vogaln“ oder dem Knacken von unzähligen Nüssen ihres prachtvollen Walnussbaumes.
Aber auch die Freude am Singen von Volks- und Kirchenliedern ließ sie sich bis zum Schluss nicht nehmen.
Im Wasserburger Krankenhaus schlief sie schließlich friedlich ein.rl