Pfaffing – Die Anwohner möglichst früh über die geplante Photovoltaikanlage (PV) informieren, wollten Pfaffings Bürgermeister Josef Niedermeier und Christian Hain, Geschäftsführer der HWK-Besitzgesellschaft. Dieses Angebot nahmen die Pfaffinger an. Rund 25 Anwohner, Gemeinderäte und Interessierte erschienen zur Informationsveranstaltung.
Das Thema: eine geplante Agri-PV-Anlage im Ortsteil Hart. Früher stand hier ein Schweinestall. Dieser und ein Teil des Waldes sind mittlerweile abgerissen. In Zukunft soll hier Strom für die Firma Alpenhain erzeugt werden, erklärte Hain.
Noch handelt es sich
um einen Vorentwurf
Dafür sollen auf dem 9.700 Quadratmeter großen Areal Module in einer Höhe von 2,1 Meter (unterster Punkt des Moduls) bis 3,58 Meter (höchster Punkt des Moduls) errichtet werden, sagte Bauamtsmitarbeiter Martin Niedermeier. Der Abstand zwischen den Modulen betrage 1,75 Meter. In Richtung der Häuser ist eine 2,5 Meter hohe Hecke aus Sträuchern geplant. Bei seinen Ausführungen „handelt es sich aber noch um einen Vorentwurf“, betonte Martin Niedermeier. Helmut Franzke vom Energiedienstleister Kumandra, der bei den Planungen zur PV-Anlage mitwirkt, ergänzte, dass auf dem Areal vier bis fünf Wechselrichter im Osten und ein Trafo-Gebäude gebaut würden.
Die Fläche sollte jedoch nicht nur zur Stromerzeugung dienen. „Im Sinne der Nachhaltigkeit haben wir uns für eine Agri-PV-Anlage entschieden“, erklärte Hain. Hier sollen in Zukunft entweder Tiere grasen oder die Wiese geschnitten werden können, so Hain.
Bürgermeister Niedermeier findet das Vorhaben „sehr begrüßenswert“. Sagte jedoch auch, dass es nicht ohne Einbindung der Anwohner umgesetzt werden sollte.
Fragen von Anwohnern gab es zu dem geringen Abstand zwischen Agri-PV-Anlage und den Wohnhäusern. „Zu einem Haus sind es nur drei Meter. In anderen Gemeinden liegt der Mindestabstand bei 50 Metern oder mehr“, sagte ein Anwohner. Zudem würden die Module über die Hecke ragen. Bauamtsmitarbeiter Martin Niedermeier erklärte dazu, dass manche Kommunen den Mindestabstand zwar höher festlegen würden, eine gesetzliche Richtlinie gebe es hier jedoch nicht. Letztlich sei es somit eine Abwägungssache, die jedoch auch noch im Gemeinderat thematisiert würde.
Zur Heckenhöhe gab Daniela Reingruber vom Landschaftsarchitekturbüro Grünfabrik Auskunft. Gemäß dem Blendgutachten müsse die Hecke mindestens 2,5 Meter hoch sein, sagte sie.
Anwohner
wünschen sich Hecke
Zudem werde noch mit der unteren Naturschutzbehörde abgesprochen, ob es auch im Osten der Anlage Sträucher brauche. Die Anwohner würden sich jedenfalls eine Hecke in Höhe der Anlage wünschen. Letztlich würden sie PV-Energie unterstützen und dem Vorhaben nicht entgegenstehen. Mit einer höheren Bepflanzung „sind wir Anwohner dabei“, sagte ein Bürger. Das Vorhaben könnte so auch zu einem Pilotprojekt für andere Gemeinden werden, ergänzte er.
Weitere Bedenken gab es für die umliegenden landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Würden Zaun oder Hecke direkt am Grundstücksrand verlaufen, könnte ein Landwirt die danebenliegende Wiese nicht bis zum Rand bewirtschaften. Hier konnte Martin Niedermeier Entwarnung geben. Hecke oder Zaun würden einen halben Meter eingerückt verlaufen. Auch über die Zukunft des bestehenden Grundwasserbrunnens wollte ein Anwohner Bescheid wissen. „Dieser wird erhalten bleiben und auch in Zukunft betrieben“, erklärte Hain. Das sei auch mit dem Wasserwirtschaftsamt besprochen worden, so der Geschäftsführer.
Hain konnte auch Bedenken der Anwohner im Hinblick auf Lärm durch den Trafo oder die Wechselrichter ausräumen. Geräusche vom Trafo sollten nicht außerhalb des dafür vorgesehenen Gebäudes zu hören sein. Auch die Wechselrichter dürften festgelegte Emissionswerte nicht übersteigen. Andere wollten wissen, ob hier eine Agri-PV-Anlage überhaupt realisierbar wäre. „Gibt es schon Maschinen, die zwischen den Modulen durchfahren können“ oder „Gibt es überhaupt Interessenten für die Flächen“, fragten Besucher der Info-Veranstaltung. Derartige Maschinen gebe es, beispielsweise im Weinbau, erklärte Hain. Zudem stehe er auch mit Interessenten in Kontakt.
Letztlich handle es sich bei der geplanten Anlage, wenn man es genau nehme, nicht um eine Agri-PV. Denn hierfür müsse die Fläche primär landwirtschaftlich und nur sekundär für Stromerzeugung genutzt werden, sagte eine Pfaffingerin. „Ist es dann nicht Greenwashing, es Agri-PV zu nennen“, fragte sie. „Wir können es auch als ‚agrartechnische PV-Anlage‘ bezeichnen. Uns geht es um die optimale Nutzung“, erwiderte Hain. Rein formell gesehen könne er es als „Nicht-Landwirt“ gar nicht als Agri-PV anmelden. „Aber dann hätten wir nur eine grüne Fläche“, sagte Hain.
Ein weiterer Bürger lobte, dass die Gemeinde, die Bauherren und die Bürger in einen konstruktiven Austausch gegangen seien. Er hatte zudem eine Frage zur Weiternutzung des Geländes: „Es handelt sich hier um ein Sondergebiet. Sollte hier in Zukunft etwas anderes als eine Agri-PV-Anlage errichtet werden, braucht es dann ein neues Verfahren?“ Das bejahte Hain. „Ja, es wird auch im städtebaulichen Vertrag und im Bauantrag so festgelegt“, sagte er.
Direkte Zusage
zu keinem Thema
Die verschiedenen Punkte würden infolge der Diskussion von Martin Niedermeier zusammengetragen. „Derzeit kann ich leider zu keinem Thema eine direkte Zusage geben“, sagte er. Er würde alles mit den Verantwortlichen besprechen. Im Anschluss besuchten die Anwesenden das Areal im Ortsteil Hart. Die Gruppe der Interessierten wuchs dort auf rund 40 Personen an. Die Anwohner konnten so noch einmal Fragen an die Verantwortlichen des Projekts stellen.